Junge Finanzrevolte Wall-Street-Banker an den Pranger gestellt

Ausgerechnet von New York aus, der Weihestätte des Finanzkapitalismus, rollt eine aufschäumende Protestwelle gegen Banker-Geschäfte und soziale Spaltung durch Amerika. Ein Überblick über den Stand des Protests, die Demonstranten und ihre Fprderungen - und die Reaktion des Establishments
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Für ausgeglicheneres Volksvermögen: Sie marschieren mit weiß angemalten Gesichtern als Zombies verkleidet durch Manhattan, um gierige Manager zu mimen. Ihre Botschaften tragen sie auf Plakaten und sprühen sie auf Zeltbahnen: "Besteuert die Reichen" (im Bild) ist eine davon. In den Vereinigten Staaten klafft die soziale Schere deutlich weiter auseinander als etwa in Deutschland - und die Kluft nimmt auch mit einer viel größeren Geschwindigkeit zu.

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Neue Bewegung: Sie errichten Zelte in öffentlichen Parks von New York, St. Louis, Kansas, Los Angeles und Boston. Sie protestieren mittlerweile in mehr als 130 Städten Amerikas. Seit dem Wochenende breitet sich die neue soziale Bewegung rasend aus, sogar über die Landesgrenzen der USA hinweg.

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Kristallisationspunkt Wall Street: Getragen wird die Protestwelle allerdings von den Demonstrationen in New York, die sich insbesondere gegen das Finanz-Establishment der Wall-Street-Banker und durchweg alle Banken richtet. In San Francisco trugen Mitglieder der jungen Anti-Wall Street-Bewegung am Donnerstag ausgeschnittene Portraits von Wells-Fargo-Chef John Stumpf vor sich her durch die Kearny Street.

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Breiter Protestkatalog: Die Forderungen der jungen Finanzdemonstranten richten sich gegen die Geldhäuser, die nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers (im Bild) Milliarden der Steuerzahler zum Überleben bekommen haben. Doch nun, während die Banker wieder mächtig Geld verdienen, würde die Rückzahlungen fehlen - nicht zuletzt in Form geänderten Verhaltens.

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Prominente Unterstützer: Nach einem Auftritt des Filmemachers Michael Moore, der seit Jahren mit kritischen Dokumentarfilmen gegen soziale Missstände in den USA kämpft, bekam Occupy Wall Street vor einer Woche erstmals Beachtung in den großen Mainstream-Medien. Diese hatten die beginnenden Proteste zuvor zehn Tage lang in der besten Sendezeit völlig ausgeblendet.

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Breiter Protestkatalog: Occupy Together hat eine Sammlung unterschiedlichster Klagen zusammengetragen, die gegen die US-Wirtschafts- und Soziallage vorgebracht werden. "Sie haben unsere Häuser in illegalen Zwangsversteigerungen genommen", wird etwa großen Geschäftsbanken vorgeworfen. "Sie haben Bailouts von den Steuerzahlern bekommen und sich obszöne Boni geleistet", ist eine weitere von 15 aufgelisteten Klagen. Diese reichen aber auch bis hin zur Verlagerung von Jobs nach Übersee und der daraus nach Meinung der Demonstranten entstehenden großen Zahl von Jobsuchern (im Bild Jobsucher in New York).

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Gemeinsamer Kritikpunkt: Eines haben alle Vorwürfe gegen Politik und Finanzelite gemeinsam: Sie richten sich gegen die soziale Spaltung Amerikas und den übermäßigen Einfluss wohl organisierter Interessengruppen - vor allem der Finanzbranche - auf den Kongress und die Obama-Administration.

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Weißer Protest: Überall wo sie in den USA schon zelten, durch die Bankenviertel marschieren und Zweigstellen oder Brücken besetzen, sieht man vor allem junge, weiße und meist gut ausgebildete Menschen, aber auch vermeintliche Familienväter und sozial abgestürzte Ex-Mitglieder der US-Mittelschicht. Die jungen Demonstranten sind oft ernüchterte und deprimierte College-Absolventen, die mit hohen Schulden und miserablen Aussichten in den kollabierten Jobmarkt gestartet sind.

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Harte Polizisten: In der Wall Street haben US-Polizisten immer wieder versucht, die Blockaden der Straße des Finanzzentrums zu verhindern oder Sitzstreiks notfalls zu beenden. Am Donnerstag vergangener Woche erklärte sich die New Yorker Transportgewerkschaft mit ihren 38.000 Mitgliedern mit Occupy Wall Street solidarisch. Die Busfahrer in dieser Gewerkschaft wollen sich von der Polizei auch nicht mehr zwingen lassen, festgenommene Protestler ins Gefängnis zu chauffieren.

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Unklare Wirkung: Jetzt rätseln in den USA nicht nur Soziologieprofessoren, ob aus dem bunten Häufchen eine große Bewegung wie im Vietnamkrieg werden kann, oder ob in zwei Monaten keiner mehr von der Wall-Street-Opposition reden wird.

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Beruhigende Worte der Polizeibehörden: Nicht wenige zweifeln am möglichen Erfolg dieser Bewegung, wie immer er künftig von ihren Mitgliedern definiert werden mag. "Wir rechnen derzeit nicht mit größeren Unruhen", sagt FBI-Sprecher Tim Flannelly in New York, fügt aber hinzu, dass bei einer weiteren Ausbreitung "alle nötigen Mittel angewandt werden, um die Entwicklung zu kontrollieren".

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Grantelnde Stadtoberhäupter: Mitglieder der Finanzelite und prominente Wirtschaftsjournalisten überhäufen die Börsenprotestler gerne mit Spott und Hohn. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, ein Milliardär, erklärt, es sei ein Fehler, gegen die Wall Street zu protestieren. Die Bewegung demonstriere gegen Menschen, die 40.000 bis 50.000 Dollar im Jahr verdienten und selbst kämpfen müssten. So recht glauben mag ihm das freilich niemand.

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Deprimierender Befund: Das Umfrageunternehmen Gallup bescheinigt US-Präsident Barack Obama, aktuell nur noch 42 Prozent der Amerikaner hinter sich zu haben - das ist die geringste Zustimmung der US-Bürger zu seiner Politik seit seinem Amtsantritt Anfang 2009. Weiterhin wollen die Gallup-Meinungsforscher herausgefunden haben, dass 77 Prozent der US-Bürger der Meinung sind, Amerika ginge es besser, wenn die politische Führung mehr die Wünsche des Wahlvolks berücksichtigen würde.

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