Latinorevolte Europas Konzerne in der Südamerika-Abwehrschlacht

Die Multilatinas greifen an. Multinationale lateinamerikanische Konzerne, vor allem aus Brasilien, nutzen die Schuldenkrise Europas und der USA und gehen auf Schnäppchenjagd. Jetzt müssen sich auch deutsche Unternehmen auf Niederlagen gefasst machen. Ein Überblick über die Angreifer - und Deutschlands Konzerne im Abwehrkampf.
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Neue Herausforderung: Mulitlatinas, lateinamerikanische multinationale Konzerne wie der brasiliansiche Minen- und Stahlkonzern Vale (im Bild: eine Eisenerzmine von Vale unweit der Stadt Belo Horizonte), sind vor allem in Brasilien in vielen Branchen zu harten Konkurrenten europäischer und auch deutscher Unternehmen aufgestiegen.

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Brasilien vorneweg: In Portugal ist die neue Konkurrenz schon spürbar angekommen. Der brasilianische Ölriese Petrobras (im Bild: eine Produktionsplattform des Unternehmens) scheiterte Anfang des Jahres bei der Übernahme des portugiesischen Energiekonzerns Galp noch knapp am Widerstand des italienischen Galp-Miteigners Enel aus Italien. Eine Neuauflage des brasilianisch-italienischen Duells ist aber nur eine Frage der Zeit.

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Portugal unter Druck: Der hochverschuldete portugiesische Staat hat jetzt drei Unternehmen mit Staatsbeteiligung ganz oder teilweise zum Verkauf gestellt. Die Regierung in Lissabon (im Bild) hat beispielsweise die Düsseldorfer Eon und die Frankfurter Lufthansa angesprochen, ob die beiden deutschen Konzerne Interesse an einer Beteiligung hätten. Insgesamt möchte Portugal 5,5 Milliarden Euro erlösen.

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Prompte Reaktion: Portugals Ministerpräsident Pedro Passos Coelho (im Bild) erklärte schon, Eon-Chef Johannes Teyssen habe ihm gegenüber bereits Interesse am 20-Prozent-Anteil des Staates an dem portugiesischen Stromkonzern EdP angemeldet. Das ist nicht gelogen. Teyssen hatte im Juli eine Expansion nach Brasilien angekündigt - da würde EdP mit seinem Engagement in Südamerika helfen. Doch im Ringen um EdP könnte ein harter Konkurrent aus Brasilien den Düsseldorfern die Tour vermasseln.

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Neuer Widersacher: Eletrobras "untersucht die Möglichkeit, global zu expandieren" und analysiere den Verkaufsprozess in Portugal, sagt Eletrobras-Technologiedirektor Ubirajara Rocha Meira. Mit dem Staat im Rücken, der die Mehrheit an Eletrobras hält, haben die Brasilianer kaum Finanzierungsprobleme. Die deutsche Eon dagegen ist ein Energieriese, der vollkommen in privater Hand ist, deshalb auf keine Staatsunterstützung im Übernahmekampf hoffen kann - und Eon-Chef Johannes Teyssen (im Bild) muss derzeit auch noch Restrukturierungen im eigenen Haus stemmen.

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Gedrehte Verhältnisse: Gut möglich also, dass nicht Eon den Sprung nach Brasilien schafft, sondern umgekehrt Brasilien den Sprung nach Europa - über das hoch verschuldete Portugal, der eigenen ehemaligen Kolonialmacht, als Sprungbrett. Verkehrte Welt.

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Kein Einzelfall: Der brasilianische Hochtief-Konkurrent Odebrecht kommt dem Essener Unternehmen immer häufiger in die Quere. Odebrecht mischt bereits praktisch in jedem Infrastrukturprojekt Lateinamerikas mit. Nicht zuletzt beim Bau des gewaltigen Interoceanic Highway (im Bild).

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Rohstoffbesitz als Wettbewerbstrumpf: In ihrem brasilianischen Heimatland sitzen nicht wenige der neuen Konkurrenten auch für deutsche Konzerne auf reichen Rohstoffvorkommen. Das prägt auch das Duell zwischen dem Essener Konzern ThyssenKrupp und dem brasilianischen Stahlkonzern Vale. Die Deutschen mussten für den Bau ihres neuen brasilianischen Werks (im Bild) eine drastisch gestiegene Verschuldung in Kauf nehmen.

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Ungleiche Konkurrenz: Das ist der heikelste Punkt für europäische Unternehmen: Sie müssen die Expansion in die Schwellenländer teuer bezahlen; für die Mulitlatinas ist der Gang nach Europa viel billiger.

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Ausgang offen: Ob sich Eon und Co. tatsächlich die Butter vom Brot nehmen lassen werden, ist derzeit noch offen. Die Düsseldorfer Eon hat sicher Reserven, wenn der Energieriese groß in ein Bietergefecht gegen seine brasilianischen Widersacher einsteigen wollte. Und das gilt wohl auch für andere europäische und amerikanische Konzerne, die sich neuen Widersachern aus Lateinamerika ausgesetzt sehen. Doch der Trend ist eindeutig: Die etablierten Konzerne, nicht zuletzt deutsche, müssen damit rechnen, dass ihnen neue Latinostars in die Quere kommen - und sie vielleicht selbst einmal von denen ins Visier genommen werden.

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