Obamas nächstes Dilemma Die riskante Mammutpipeline durch Amerika

Die USA stecken in einer Dümpelphase, Präsident Barack Obama steht unter Druck. Jetzt hat er ein gigantisches Pipelineprojekt auf die Tagesordnung gesetzt, die er aus Umweltschutzgründen bereits einmal abgelehnt hatte. Ein Überblick über das Ausmaß und die möglicherweise schweren Folgen des Keystone-Projekts - wirtschaftlich wie ökologisch.
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In der Klemme: Die Keystone-Pipeline ist Amerikas größtes aktuelles Energieprojekt. Doch derzeit steckt der Projektantrag für die Keystone-Pipeline in irgend einem dicken Stapel auf dem Schreibtisch von US-Präsident Barack Obama. Und dem bereitet das Mammutvorhaben einiges Kopfzerbrechen. Denn Obama hatte im Wahlkampf 2008 das Öl aus Alberta unter Anspielung auf seine Förderung als "Teersand" bezeichnet - und ad acta gelegt.

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Im Wahlkampf: Die Genehmigung für Keytsone könnte Obama also schwere Vorwürfe eintragen, von seiner Kampagne zu Gunsten erneuerbarer Energien abzuweichen. Zudem bekommt er Druck aus den eigenen Reihen. Einflussreiche Umweltschützer in der Demokratischen Partei haben gedroht, seinen Wahlkampf im kommenden Jahr nicht zu unterstützen, falls er das Keystone-Projekt genehmigt.

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Ölpipeline in Kanada: Jetzt ringt der Präsident mit sich, denn bis Ende November hat er eine Entscheidung versprochen. Und so manches spricht für die Pipeline. Sie hat sogar gewichtige Pluspunkte und würde gut zu seiner jüngsten Initiative passen. Vergangene Woche hat Obama im Kongress sein großes Jobprogramm vorgestellt. Es soll mit einem Volumen von 447 Milliarden Dollar den schwachen Arbeitsmarkt beleben. Die Pipeline könnte ihm dabei helfen.

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Hoffnung in der Krise: Das ist ein gewichtiges Argument. Denn im August hat die US-Wirtschaft, der eine erneute Rezession droht, unter dem Strich keinen einzigen Job produziert. Auch der Bundesstaat Texas würde kräftig von dem Projekt profitieren, hat das auf die Ölwirtschaft spezialisierte Analyse-Unternehmen Perryman in Waco, in Texas, ausgerechnet. Demnach würde die Keystone-Pipeline dem ölreichen Bundesstaat zusätzliche Investitionen von 1,6 Milliarden Dollar bescheren, dazu 2,3 Milliarden Dollar mehr Kaufkraft und umgerechnet für 50.000 Personen ein Jahr lang Arbeit.

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Zusätzliche Jobs: Die Pipeline könnte Obama tatsächlich dabei helfen, neue Jobs zu schaffen - behauptet zumindest auch Russ Gierling, Chef des Unternehmens Transcanada, das die Pipeline beantragt hat und bauen will.

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Umstrittener Teersand: Die Ausbeutung der kanadischen Teersandfelder ist dennoch umstritten. Denn in der bitumenreichen Erde müssen dazu unterirdische Hohlräume gegraben und anschließend heißes Gas hineingepumpt werden, bis die ölige Schlacke an den Rändern nach unten sickert und sich wie in einer Badewanne sammelt. Daraufhin wird das schwere Öl abgepumpt. Es muss in einem sogenannten Upgrader aber erst noch chemisch behandelt werden, bevor es in einer herkömmlichen Raffinerie weiter verarbeitet werden kann. Der riesige Aufwand verschlingt enorme Mengen von Wasser und viel Energie.

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Ölpumpen in Alberta, Kanada: Auf kanadischer Seite verweist man freilich auf die laufenden Bemühungen, den Wasserverbrauch bei der Förderung in der ölreichen Bitumenregion zu senken sowie freiwerdende Klimagase künftig zu binden und in unterirdischen Speichern zu lagern.

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Neuer US-Großlieferant: Würde die Keystone-Pipeline genehmigt, könnte Kanadas Anteil an den US-Ölimporten auf 35,5 Prozent steigen. Kanada, Mexiko und Venezuela - die drei westlichen unter den fünf größten Öl-Lieferanten der USA - hätten dann zusammen einen Anteil von 60 Prozent an den US-Ölimporten. Kanada allein würde bereits zwei Drittel des Öls liefern, das die USA in der Opec einkaufen.

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Umstrittene Schäden: Das US-Außenministerium hat dem Pipelineprojekt Ende August Umweltverträglichkeit attestiert. Gefahren für Land und Wasser entlang der Strecke seien nicht zu erwarten. Doch Gegner der Pipeline, vor allem in den USA, sehen das anders. Keystone wird in den USA quer durch den Ogallala-Aquifer laufen, eines der größten Grundwasservorkommen der Welt. Die Pipeline wird die ökologisch anfälligen "Sand Hills" in Nebraska durchqueren, eine wilde Prärie aus grasbedeckten Sanddünen. Sie wird auch den Yellowstone-Fluss (im Bild) kreuzen.

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Demonstrierende Schauspielerin Daryl Hannah: Tausende von Demonstranten ketteten sich vom 20. August bis 3. September an den Zaun vor dem Weißen Haus in Washington und protestierten gegen das Keystone-Projekt. Dabei kam es zu zahlreichen Festnahmen, unter anderem der Schauspielerin Daryl Hannah. Die Gegner des Projektes sehen die 20.000 Arbeitsplätze in der Bauphase als kurzen Adrenalinstoß, der dem Arbeitsmarkt nicht dauerhaft helfen kann und die langfristigen Gefahren nicht aufzuwiegen vermag.

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