Währungsrennen Die brisanten Folgen der globalen Redback-Expansion

China dehnt seine Macht auf den globalen Währungsmarkt aus und nimmt den bisherigen Weltdominator Dollar in die Zange. Mehr und mehr gewinnt die China-währung international an bedeutung. Ein Überblick über die explosionsartige Expansion des Redback - und die Folgen.
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Zeitenwende: Jahrzehnte hat sich China (im Bild: Hongkong) strikt dagegen geweigert, auf dem Weltwährungsmarkt eine Rolle zu spielen, die seiner wirtschaftlichen Stärke angemessen erscheint - nicht zuletzt, um die Aufwertung der eigenen Rinmimbi-Devise und dadurch schlechtere Weltmarktchancen der eigenen Exportindustrie zu vermeiden. Jetzt allerdings beginnt China, in ersten Schritten davon Abstand zu nehmen. Die Folgen für die bisherige Weltleitwährung, den US-Dollar können beträchtlich sein - und auch für den Euro.

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Aufwertung: Seit dem Juni 2010 hat der Renminbi gegenüber dem Dollar 7 Prozent zugelegt; dabei soll er sich täglich eigentlich nur in einer Schwankungsbreite von 0,5 Prozent in beide Richtungen bewegen gegenüber der US-Devise bewegen dürfen. Doch Peking ist offenbar zu der Überzeugung gelangt, dass das Festhalten an einem niedrigen Wechselkurs mittlerweile mehr Nachteile als Vorteile bringt.

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Geringeres Risiko: China wertet in einer Position der Stärke auf: Es muss derzeit nicht fürchten, dass höhere Wechselkurse seinem Exportgeschäft (im Bild: Autoausstellung in Peking) schaden. Denn trotz des schwachen globalen Umfeldes kletterten die Ausfuhren im August um satte 24,5 Prozent, vier Prozentpunkte schneller als im Vormonat.

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Export: Parallel zur Aufwertung wird die Verbreitung des Renminbi als Handelswährung forciert. Im ersten Quartal 2011 wurden bereits 7 Prozent von Chinas Außenhandel (im Bild: Hongkong) - umgerechnet 24 Milliarden Dollar - mit Renminbi bezahlt, nach fast Null Prozent vor einem Jahr.

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Starke Beschleunigung: Bis ins ferne Afrika reicht die beschleunigte Expansion. Nigerias Notenbank-Gouverneur Lamido Sanusi (im Bild) kündigte vorige Woche nach einem Treffen mit Chinas oberstem Geldhüter Zhou Xiaochuan an, er wolle 5 bis 10 Prozent der Devisenreserven in Chinas Landeswährung anlegen. Und allein mit Afrika will China binnen vier Jahren bis zu 40 Prozent seines Außenhandels in Renminbi abwickeln, erwartet der Ökonom Jeremy Stevens bei der Standard Bank, einer der vier führenden Banken in Südafrika. Das wären einhundert Milliarden Dollar, oder mehr als der gesamte chinesische Afrikahandel im Jahr 2010.

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Weitere Ausdehnung: Ähnlich rasant steigt der Renminbi in Teilen des Nahen Ostens auf. Für Dubai (im Bild) zum Beispiel war China im ersten Halbjahr 2011 bereits der zweitgrößte Lieferant. In Dubais "Dragonmart" - mit 1,2 Kilometern Länge die weltweit größte chinesische Mall außerhalb Chinas - hat die Standard Chartered Bank ein Büro eröffnet. Es richtet Händlern auf Wunsch Renminbi-Konten ein.

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Vormacht in Asien: Die Notenbanken von Thailand (im Bild) und den Philippinern erwägen derweil Käufe von Anleihen, die in Hongkong in Renminbi ausgegeben wurden. Renminbi zu kaufen, bezeichnet der philippinische Finanzminister Cesar Purisima gar als "weise". Laut Tee Choon Hong, der bei Standard Chartered in Hongkong für die Kapitalmärkte verantwortlich ist, haben mehrere Zentralbanken gekauft, als Chinas Finanzministerium im August in der Ex-Kolonie für 20 Milliarden Renminbi oder umgerechnet 3,1 Milliarden Dollar Anleihen platzierte. "Dass andere Notenbanken Renminbi halten können, ist einer der nötigen Schritte für die Internationalisierung", erklärt Brian Baker, der Asien-Chef von Pimco, dem weltweit größten Anleihefonds.

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Merkliche Finanzvorbereitungen: Dank der explosionsartigen Zunahme der Emission von Renminbi-Anleihen um 200 Prozent im laufenden Jahr ist das nun noch einfacher geworden. Zahlreiche Initiativen sind in Vorbereitung, um die Ausbreitung des Renminbi noch weiter zu beschleunigen. Chinas Vizepremier Li Keqiang kündigte vorige Woche in Hongkong (im Bild) an, dass ausländische Investoren mit Renminbi aus Offshore-Zentren wie eben Hongkong bald auch chinesische Aktien kaufen können.

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Reagierende Unternehmen: ICBC Leasing, eine der größten Leasing-Gesellschaften Chinas, hat mit Airbus vereinbart, die jüngste Bestellung von 42 Flugzeugen in Renminbi zu bezahlen. "Dank der Ausbreitung des Renminbi sind mehr und mehr ausländische Firmen bereit, Zahlungen in unserer Währung zu leisten, also werden wir das jetzt als Priorität betrachten", sagt ICBC Leasing-Chef Cong Lin. Und schon im Mai hatte Japan seine erste Offshore-Anleihe in Renminbi aufgelegt.

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Weltweite Folgen: "Die Dinge ändern sich rasant, der Renminbi expandiert international mit dem Ziel, ihn zu einer globalen Reservewährung für Investitionen und Handel aufzubauen", sagt Philip Poole, der Investmentstratege bei HSBC Global Asset Management. Die forcierte Internationalisierung von Chinas Währung komme zu einer Zeit, in der Notenbanken, Fondsmanager und Anleger Alternativen zum Dollar suchten - und damit auch zur Wall Street (im Bild).

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Spürbare Wellen: China will den Renminbi zunächst als Handelswährung aufbauen, dann als Reservewährung. Längst wird die Infrastruktur dafür geschaffen, mit Offshore-Zentren. Hongkong war das erste, Singapur folgt, London (im Bild) wurde gerade mit den Briten vereinbart.

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Unsichere Prognose: Wie schnell der Renminbi (im Bild: Shanghai) zu einer wichtigen globalen Währung neben Dollar, Yen und Euro aufsteigen kann, ist umstritten. Optimisten wie Arvind Subramanian, ein Senior Fellow beim Peterson Institute für Internationale Wirtschaft in Washington, trauen dem Renminbi zu, den Greenback binnen zehn Jahren herauszufordern. Noch viel schneller könnte der Renminbi so weit sein, wenn es nach Alicia Garcia-Herrero, der Schwellenmarktspezialistin der spanischen Bank BBVA in Hongkong geht: "Wenn China massive spekulative Kapitalzuflüsse vermeiden kann, könnte das sogar binnen fünf Jahren passieren", vermutet sie.

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Gewaltiger Aufholprozess: Der Renminbi hat von kleinsten Anfängen einen langen Weg vor sich. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hatte Chinas Währung 2010 an den weltweiten Devisentransaktionen nur einen Anteil von einem Prozent. Das war weniger als der polnische Zloty aufzuweisen hatte. Der Anteil des Greenbacks lag dagegen bei 85 Prozent, der Euro kam auf 40 Prozent (Anmerkung: Die Anteile addieren sich auf 200 Prozent, weil beide Seiten einer Devisentransaktion gezählt werden).

Seit Peking im Jahr 2009 die Verwendung des Renminbi in Handelsgeschäften forciert, ist dessen Anteil bei der Fakturierung der Importe auf 10 Prozent gestiegen. Doch der aktuelle Umfang des Marktes für Dim Sum-Anleihen (188 Milliarden Renminbi) entspricht lediglich 0,3 Prozent des Markts für US-Staatsanleihen.

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