Die Schotten dicht Wie BMW & Co. an Lateinamerika abprallen

Brasilien, Argentinien und ihre Nachbarn schützen heimische Unternehmen im globalen Währungskrieg mit Einfuhrbarrieren. BMW bekommt seine Autos seit Monaten nicht durch den argentinischen Zoll. Ein Überblick über die Ausweichstrategien der Konzerne - und ihre erfolgreichsten Lobbyisten.
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Beziehungsfrage: Für Exporteure in die Boomregion Lateinamerika brechen harte Zeiten an. Brasilien, Argentinien und ihre Nachbarn schützen heimische Unternehmen im globalen Währungskrieg mit neuen Einfuhrbarrieren gegen ausländische Konkurrenz. Betroffen sind auch deutsche Unternehmen: BMW beispielsweise bekommt seine Autos seit Monaten nicht durch den argentinischen Zoll. Da sind Beziehungen in die Politik gefragt.

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Beziehungspflege: Die damalige argentinische Präsidentschaftskandidatin Cristina Fernandez de Kirchner hat im Jahr 2007 rechtzeitig vor ihrem Wahltermin in Deutschland, in Angela Merkels Kanzleramt, 20 Minuten von Merkels knapper Zeit erhalten. Handshake zum Abknipsen obendrauf. Eingefädelt wurde die Veranstaltung auch von Viktor Klima, ehemaliger Bundeskanzler Österreichs - und mittlerweile VW-Mann in Südamerika. Am 28. Oktober 2007 wurde Kirchner zur Präsidentin von Argentinien gewählt.

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Handelserfolg: Die Boomländer Südamerikas schotten ihre vom Dollarverfall bedrohte Wirtschaft verstärkt gegen billige Importe ab. "Einzige Ausnahme Volkswagen", kabelt der amerikanische Botschafter später in einem Dossier über die Probleme ausländischer Unternehmen in Argentinien an seine Dienstherren in Washington - nicht zuletzt dank Merkels Unterstützung, eingefädelt von VW-Südamerikalobbyist Viktor Klima, einst Österreichs Bundeskanzler. Bundesaußenminister Guido Westerwelle besuchte später das Volkswagen-Werk Argentinia in Buenos Aires.

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Festgelaufen: BMW (im Bild: Konzernzentrale in München) dagegen hat 800 Autos auf argentinischem Grund festsitzen, die im Frühjahr im Hafen von Zárate nördlich von Buenos Aires anlandeten - und seitdem dort stehen. Und stehen. Ein Fünftel des in Argentinien geplanten BMW-Jahresabsatzes, überwiegend schon verkauft oder angezahlt. BMW-Kunden bekommen ihr Geld zurück oder lassen sich vertrösten. Nicht einmal Ersatzteile lässt Argentiniens Zoll noch durch.

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Neuer Türöffner: Mitte November lässt der neue baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen) auf seiner ersten Auslandstour rund 120 Unternehmer und Manager den "kometenhaften Aufstieg" Argentiniens und Brasiliens bewundern. Für die Botschaft in Buenos Aires ist es, so heißt es, die größte Delegation, die sie je unterbringen musste.

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Ausweichstrategie: Viele internationale Konzerne müssen auf den Weiterverkauf argentinischer Spezialitäten zurückgreifen, um ihre Ausfuhren nach Argentinien wertmäßig auszugleichen: Porsche beispielsweise tritt derzeit als Weinhändler auf. ThyssenKrupp dagegen dürfte künftig um solche Abwehraktivitäten herumkommen. Der Ruhrgebietskonzern hat an der Bucht von Sepetiba bei Rio de Janeiro ein fünf Milliarden Euro teures Stahlwerk errichtet (im Bild: die Sinteranlage des Hüttenwerks). Die Produktion darf zwar zum Segen der brasilianischen Exportbilanz nur im Ausland verkauft werden, was angesichts der teuren Landeswährung Real hohe Verluste bedeutet. Im Gegenzug wird die Einfuhr anderer ThyssenKrupp-Produkte erleichtert.

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Wirtschaftliche Boomregion: Brasiliens Wirtschaft wuchs 2010 um 7,5 Prozent, Argentinien legte um 9,2 Prozent zu. In Brasilien sind in den vergangenen acht Jahren nach offiziellen Angaben 25 Millionen Menschen der Armut entkommen - und zu Konsumenten geworden. In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires werden aufgrund der Neuzulassungen die Parkplätze knapp. Die Menschen tragen ihr Geld aufgrund einer Inflation, die offiziell bei rund 10 Prozent, privaten Schätzungen zufolge jedoch bei weit über 20 Prozent liegt, lieber zum Autohändler, als in die Bank.

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Graben und Verkaufen: Basis von Aufschwung und Konsumrausch in Südamerika ist zwar immer noch der Rohstoffexport: Chile hält 40 Prozent der weltweiten Kupfervorkommen ( im Bild: Chiles Kupfermine Andina); Peru punktet mit Silber, Brasilien steigt mit seinen Tiefseefeldern im Atlantik gerade zur Erdölgroßmacht auf. Auch Kolumbien hat neue Vorkommen ausgemacht, Argentinien und Brasilien dominieren den Sojamarkt.

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Vor-Ort-Produktion: Allerdings haben es viele Länder geschafft, Exportindustrien jenseits des Rohstoffabbaus hochzuziehen. Wie das funktioniert, macht Brasilien vor - gemeinsam beispielsweise mit Volkswagen. Von ausländischen Herstellern, wie eben VW, wird für den Zugang zu den heimischen Konsumenten ein Minimum an Wertschöpfung vor Ort verlangt. So entstand zuerst eine Autoindustrie, heute ist Brasilien der sechstgrößte Produzent weltweit. VW produziert beispielsweise in seinem Werk in Taubaté in Brasilien.

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Wachstumsstrategie: In den vergangenen Jahren stampfte Brasiliens Regierung auch einen konkurrenzfähigen Schiffsbau aus dem Boden. Wie? Nach dem gleichen Muster: Die Bohrinseln (im Bild: Petrobras P-51) zur Ausbeute der neu entdeckten Ölfelder müssen weitgehend in Brasilien hergestellt werden.

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Heißer Draht: Viktor Klima regelte für Volkswagen schon am 17. März als erster mit Argentiniens Präsidentin Kirchner eine Ausweichstrategie für die zuvor erlassenen Handelsbarrieren. Der Deal: VW stoppt den Verkauf der kränkelnden Marke Seat in Argentinien und weitet dafür die Produktion und den Export des in Argentinien produzierten Pickups Amarok aus.

Das hat nicht nur Vorteile für VW. Für Kirchner ist es - wie beim Berlin-Besuch vor Beginn ihrer ersten Amtszeit - direkte Wahlkampfhilfe, wenn der größte Autohersteller im Land auf ihre Initiative hin im kommenden Jahr unter dem Strich für eine halbe Milliarde Dollar Autos aus Argentinien exportiert. Denn im vergangenen hat VW noch Fahrzeuge für 800 Millionen Dollar nach Argentinien importiert.

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