Milliardenprojekte Wo Firmen in Deutschland investieren

Die Investitionen in Deutschland wachsen in Rekordtempo. Viele Unternehmen müssen ihre Anlagen erweitern, weil sie am Anschlag produzieren. Die meisten investieren jedoch vor allem, um ihre Produktpalette zu ergänzen. manager magazin zeigt aktuelle Großprojekte im Überblick.
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Windkraft: Die meisten Ankündigungen neuer Milliardeninvestitionen betreffen Offshore-Anlagen in der Nordsee. Der Finanzinvestor Blackstone gab im Juli den sofortigen Baubeginn einer 1,2 Milliarden Euro teuren Anlage vor Helgoland bekannt, der eine weitere vor Sylt folgen soll - der deutschen Einspeisevergütung für Windstrom und einem neuen Förderprogramm der Staatsbank KfW sei Dank. Zuvor hatte beispielsweise der dänische Versorger Dong ein Projekt in ähnlicher Größenordnung vermeldet, der österreichische Baukonzern Strabag will sogar bis zu 15 Milliarden Euro in Nordsee-Windräder investieren. Auch die etablierten Versorger wie Eon oder RWE mischen hier mit, um ihren Energiemix zu ändern, haben die größten Einzelbudgets aber anderswo verplant ...

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Konventionelle Energie: Die mit 2,2 Milliarden Euro teuerste Baustelle von RWE sind zwei neue Blöcke des Braunkohlekraftwerks Neurath am Niederrhein, die bald ans Netz gehen sollen. Der Konzern bewarb das 2005 begonnene Projekt einst als "größte Baustelle Europas", der geplante Wirkungsgrad von 42 Prozent solle die Kohlekraft "noch umweltfreundlicher" machen. Inzwischen betont Noch-Chef Jürgen Grossmann aber, dass das Investitionsbudget von 20 Milliarden Euro bis 2013 zum Großteil für erneuerbare Energien eingeplant werde.

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Solarindustrie: Absatzprobleme und Billigkonkurrenz machen der Branche zu schaffen, viele einstige Hoffnungsträger verlagern Produktion aus Deutschland nach Asien und schreiben mitunter mehr Verlust als Umsatz - doch investiert wird weiter. Der Bosch-Konzern hat 500 Millionen Euro in ein neues Solarzellenwerk im thüringischen Arnstadt gesteckt. Nicht die einzige Hoffnung für den Aufbau Ost, die bereits abgeschrieben war ...

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Halbleiter: Vom "Silicon Saxony" wollte in Dresden nach der Qimonda-Pleite 2009 kaum noch jemand hören, doch inzwischen zieht der frühere Mutterkonzern Infineon in die alten Werkshallen ein. Im Juli fiel die Entscheidung, die weltweit erste Massenproduktion von 300-Millimeter-Wafern für Hochleistungselektronik hier anzusiedeln und nicht im malaysischen Kulim. Infineon hatte beide Standorte in einen Subventionswettbewerb gegeneinander antreten lassen. Nebenan hat Globalfoundries aus Abu Dhabi die Hallen von AMD übernommen und will in den kommenden 18 Monaten zwei Milliarden Dollar für die Auftragsfertigung von Halbleitern investieren. Auch die Old Economy meldet sich zu Wort ...

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Stahl: Im Mai verkündete die Dillinger Hütte aus dem Saarland die größte Einzelinvestition in der Geschichte der nach eigenen Angaben ältesten Aktiengesellschaft Deutschlands. Für 300 Millionen Euro kommt eine neue Stranggießanlage, die noch wuchtigere Stahlblöcke (Brammen) liefern soll. "So dick kann sonst keiner auf der Welt", gab Hütten-Chef Karlheinz Blessing in der "Saarbrücker Zeitung" an. Laut dem Investitionstest des Ifo-Instituts ist für 42 Prozent der investierenden Unternehmen das Hauptmotiv, ihre Produktpalette zu erweitern. Vorrangig um Rationalisierung geht es dagegen nur noch 10 Prozent.

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Chemie: Weltmarktführer BASF hat sich mit einer neuen Standortvereinbarung dem Hauptwerk Ludwigshafen verpflichtet, wo ein knappes Drittel der Beschäftigten arbeitet. Neun bis zehn Milliarden Euro sollen bis Ende 2015 in Rheinland-Pfalz investiert werden, ähnlich viel wie in den fünf Jahren zuvor. Damit stehen die Chancen gut, dass Ludwigshafen den Zuschlag für eine neue Anlage zur Produktion des Kunststoffs Toluoldiisocyanat (TDI) bekommt, für die auch das belgische Antwerpen im Rennen ist. BASF will die weltweit größte Anlage errichten, die TDI im einsträngigen Verfahren produziert.

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Autoindustrie: Der Straßenfahrzeugbau zählt mit einem Investitionsplus von 20 Prozent in diesem Jahr laut Ifo-Investitionstest zu den Branchen, die am meisten zulegen - nur getoppt von Maschinenbau, Werften, Gummiverarbeitern, Ziehereien und Kaltwalzwerken. Allein der Volkswagen-Konzern plant bis 2015 Investitionen von 24 Milliarden Euro an den deutschen Standorten, allen voran dem Stammwerk Wolfsburg. Dafür sorgt unter anderem die Umstellung auf ein neues Produktionssystem, den modularen Querbaukasten. Obwohl Volkswagen längst global produziert, machen die inländischen Investitionen den Großteil des Konzernbudgets aus. Umgekehrt läuft es bei Daimler - der Hersteller, der bisher überwiegend in Baden-Württemberg produziert, steckt Milliarden in überseeische Werke.

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Bahn: Die Deutsche Bahn dürfte der größte Einzelinvestor im Land sein. Bis 2014 sollen 41 Milliarden Euro vor allem in Netz und Bahnhöfe fließen, allein im vergangenen Jahr investierte der Staatskonzern 6,9 Milliarden Euro. Hier steht allerdings, trotz spektakulärer Neubaustrecken wie Nürnberg-Erfurt statt neuer Kapazitäten vor allem der Substanzerhalt im Vordergrund. Kritiker halten die Investitionen für zu gering. Laut "Allianz pro Schiene" sind die deutschen Ausgaben für Schieneninfrastruktur im europäischen Vergleich am unteren Ende. Die Schweiz stecke pro Kopf fast sechsmal so viel Geld in die Bahn.

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