Laute Kritik Wie Ben Bernanke interne und asiatische Kritiker zusetzen

Aufstand in der US-Notenbank: Mehr und mehr Gouverneure verweigern Zentralbankchef Ben Bernanke die Gefolgschaft. Gleichzeitig muss er harsche Kritik von Ökonomen aus Asien einstecken. Ein Überblick über die verzwickte Lage des amerikanischen Topnotenbankers - und seine schärfsten Kritriker.
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Auf dem Schleudersitz: US-Notenbankchef Ben Bernanke sieht sich intern mit der stärksten Opposition konfrontiert, die es in den vergangenen 20 Jahren gab. Bei der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses in der vergangenen Woche votierten drei von zehn Mitgliedern gegen die Verlängerung der ultra-niedrigen Leitzinsen bis mindestens Mitte 2013. Das hat es seit 1992 nicht mehr gegeben.

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Rücktrittsgrund: Eine Gegenstimme mehr wäre für den ehemaligen US-Notenbankchef Paul Volcker (links) vor drei Jahrzehnten fast der Grund zum sofortigen Rücktritt gewesen, denn eine Notenbank, die intern so zerstritten ist, kann die Finanzmärkte nicht mehr überzeugen und stellt im Extremfall eine Gefahr für die Stabilität der Weltbörsen dar. Und die werden aktuell schon von genügend Turbulenzen geschüttelt.

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Erzürnte Banker: Ein Grund dafür ist die Enttäuschung an der Wall Street, an Amerikas bedeutendster Börse, dass der Fed-Chairman vergangenen Dienstag nicht gleich mit dem nächsten gigantischen Kaufprogramm für Anleihen begann. Zwischen der Ungeduld der Finanzmärkte und dem wachsenden Widerstand in der Politik muss Bernanke nun vorsichtig lavieren.

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Schrille Kritik: Am Montag wurde Bernanke schließlich so attackiert, wie es noch keinem amerikanischen Notenbankchef widerfahren ist. Der Gouverneur von Texas, Rick Perry,warf Bernanke gar Hochverrat vor. "Wenn der Kerl bis zur nächsten Wahl noch mehr Geld druckt, weiß ich nicht, was Ihr mit ihm in Iowa machen werdet", sagte Perry bei einem Wahlkampfauftritt in dem Bundesstaat, "aber wir in Texas würden ihn ziemlich übel behandeln". Perry will für die republikanische Partei in den US-Präsidentschaftswahlkampf ziehen.

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Besorgtes Asien: Doch das ist nicht seine einzige Sorge. In Asien (im Bild: Hongkong) mahnen die Zentralbanken laut und vernehmlich, es drohe eine neue inflationstreibende Geldschwemme, wenn Bernanke den jüngsten Beschluss des Offenmarkt-Ausschusses umsetzt. Die Beibehaltung rekordniedriger Leitzinsen bis Mitte 2013, so die Befürchtung in Fernost, würde Asiens Geldhüter zu weiteren Zinsanhebungen zwingen. Und das könnte die Weltkonjunktur abwürgen.

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Rezessionsgefahr: Anhaltende Ströme billigen Kapitals nach Asien würden die Geldpolitik unnötig komplizieren, warnt der Gouverneur der philippinischen Zentralbank, Amando Tetangco (im Bild). Die Entwicklungs- und Reformkommission Chinas warnt derweil vor weiter steigenden Rohstoffpreisen.

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Radikale Finanzsteuer: Indiens Finanzminister und Indonesiens Zentralbank schlossen sich der Warnung in den vergangenen Tagen an. Ihre Mahnungen signalisieren dem Westen, dass viel auf dem Spiel steht: Das letzte Bollwerk des Wachstums auf dem Globus wackelt. Wie ernst vielen Ländern in Asien diese Bedrohung erscheint, machen Signale aus dem philippinischen Finanzministerium deutlich. Dort wird zur Zügelung des spekulativen Kapitalstroms aus dem Westen bereits eine Tobinsteuer erwogen.

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Bremse für den Geld-Tsunami: Ins Spiel gebracht hatte diese Steuer der Nobelpreisträger James Tobin 1972 als Abgabe auf Devisen-Transaktionen. Das Ziel wäre aus asiatischer Sicht, die von der Fed entfesselte Tsunami billigen Geldes zu bremsen. "Wenn diese Steuer nicht von mehreren Ländern gleichzeitig eingeführt wird, kann sie kaum funktionieren", denkt der Sprecher von Präsident Benigno Aquino, Edwin Lacierda, laut nach. Eine Warnung an den Westen - vor allem die US-Notenbank - diese Sorge der Asiaten mit in die Kalkulation der Geldpolitik einzubauen.

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Neue Scheine: Nun wird es für Bernanke brenzlig. Bisher musste er lediglich mit der Kritik leben, seine beiden ersten Gelddruckkampagnen - von der US-Finanzszene schnodderig QE1 und QE2 genannt - hätten wenig gebracht, weil der Dollar inzwischen schwächer wurde, die Arbeitslosigkeit hartnäckig hoch blieb und die Inflation sogar zugenommen hat. Ganz zu schweigen von der schwachen Konjunktur, der eine erneute Rezession droht.

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Interne Zweifler: Daher bezweifeln viele, dass QE3 die Konjunktur anschieben könnte. Die größten Zweifler scheinen dabei in der Fed selbst zu sitzen. In einer öffentlichen Erklärung zu seinem abweichenden Nein im Offenmarktausschuss sagte der Präsident der Fed-Zweigstelle in Minneapolis, Narayana Kocherlakota (im Bild), er halte eine neue Geldkampagne derzeit nicht für ein geeignetes Mittel: "Seit November sind die Inflation gestiegen und die Arbeitslosigkeit zurückgegangen, ich glaube nicht, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik die angemessene Antwort wäre".

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Notenbanker-Treff: Jetzt richten sich die Scheinwerfer auf das jährliche Treffen der Fed in Jackson Hole in Wyoming (im Bild: Das Treffen im vergangenen Jahr mit Bank-of-Japan-Governor Masaaki Shirakawa (l.), EZB-Präsident Jean-Claude Trichet (M.) and US-Federal-Reserve-Chairman Ben Bernanke). Es steht am Freitag kommender Woche an. Ob Ben Bernanke da bereits ein größeres Kaliber zur Belebung der Konjunktur ankündigt, ist fraglich. Sicher ist dagegen: Auch wenn er keine radikalen Geldmaßnahmen ankündigt, dürfte Bernanke diesmal Kritik auf sich ziehen.

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