Schwellenländer Die bitteren Folgen des Abschwungs

Sie sind die Kraftzentren der Weltkonjunktur. Die Volkswirtschaften in den Schwellenländern haben mit ihrer Kraft die globale Konjunktur flott gemacht. Jetzt fürchten sie für sich selbst den Abschwung, der aus dem Westen zu ihnen schwappt. Ein Überblick über die Folgen der drohenden Abkühlung.
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Stagnation in Frankreich: Die Schuldenkrise in Europa, das Nullwachstum in Frankreich (im Bild: Paris) und Deutschland und die Finanzkrisen in Europa und den USA bedrohen das letzte Bollwerk des Wachstums auf dem Planeten: die Schwellenländer. Von Rio über Moskau, bis nach Mumbai und Shanghai fürchten Ökonomen jetzt einen dreifachen Schock gegen ihre regionalen Volkswirtschaften: Flaue Exporte, anhaltende Inflation und sinkende ausländische Direktinvestitionen.

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Frühzeitige Warnung: Die Hauptstadt der Philippinen, Manila (im Bild), ist auch der Sitz der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB). Und die warnte bereits im Juli, dass steigende Inflation, eine schwache Erholung in Japan sowie die transatlantische Schuldenkrise zu einer Bedrohung für die wachstumsverwöhnten Länder in dem Kontinent geworden sind.

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Erstes Opfer: "Wenn und Amerika in eine weitere Rezession abgleiten, werden China, Indien und andere Schwellenländer darunter leiden", warnte auch Singapurs Premier Lee Hsien Loong vor ein paar Tagen in seiner jährlichen Grundsatzrede. Der Stadtstaat Singapur (im Bild) mit seiner enormen Abhängigkeit von Exporten war 2008 die erste Volkswirtschaft Asiens, die in den Strudel der weltweiten Krise geriet. Damit ist die Insel eine Art Frühindikator für Ungemach, das den Schwellenländern von einer schwachen Weltwirtschaft droht. Singapur meldete vorige Woche einen Rückgang seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,5 Prozent für das zweite Quartal. In der Region wird das als schrilles Alarmzeichen gesehen.

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Schlingernde Großmacht: Positive Meldungen wie der überraschend geringe BIP-Rückgang in Japan (im Bild: Tokio) im zweiten Quartal werden nun seltener werden, fürchten viele regionale Ökonomen zwischen Shanghai, Soul und Singapur. Japans Regierung meldete am Montag, das Bruttoinlandsprodukt sei im Juni-Quartal mit Minus 1,3 Prozent weniger geschrumpft als vorhergesagt. hatte vor einer Woche seine BIP-Prognose für das Gesamtjahr dann auch in der Folge drastisch von zuvor plus 1,5 Prozent auf jetzt nur noch 0,5 Prozent zurückgenommen.

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Keine Abkoppelung: Auf der anderen Seite des Atlantiks, im südamerikanischen Brasilien (im Bild: Rio de Janeiro), hören sich die Sorgen ganz ähnlich an. "Wenn es zu einer erneuten globalen Wachstumskrise kommt", sagt der Wirtschaftsprofessor Reinaldo Goncalves an der Rio de Janeiro Federal University, "dann könnte Brasilien hart getroffen werden".

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Weltweites Kraftzentrum: Das größte Schwellenland auf dem Globus, China, ist dabei vielleicht auch das beste Beispiel, welches Dilemma den aufstrebenden Volkswirtschaften jetzt droht: Ein Drahtseilakt zwischen hoher Inflation und niedrigem Wachstum. China (im Bild: Peking) hat bereits vor den jüngsten Börsenturbulenzen und den negativen Nachrichten fünf Mal die Leitzinsen angehoben. Die People's Bank of China hat den staatlichen Geschäftsbanken drakonische Reservevorschriften aufgebrummt, um ein Ausufern der Kreditmenge zu verhindern. Denn im Juli hat die Inflationsrate mit 6,5 Prozent den höchsten Wert in drei Jahren erreicht.

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Erste Bremsspuren: Im jüngsten Berichtsmonat Juli schrumpfte die Kreditmenge in China (im Bild: Shanghai) dann auch auf den geringsten Wert im laufenden Jahr. Das BIP-Wachstum ging von 9,7 Prozent im ersten Quartal auf 9,5 Prozent im zweiten Quartal zurück. Das ist kein dramatischer Rückgang, aber es bedeutet: Beim Kampf gegen die hartnäckige Inflation wird Wachstum geopfert. Und das zu einer Zeit, in der Europa und die weiter abbremsen und den Exporten der Schwellenmärkte einen Dämpfer versetzen werden.

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Andauernde Malaise: Die ersten Schleifspuren von schwachen Absatzmärkten im Westen sind in Asien bereits erkennbar, nicht nur in Singapur. Hongkongs BIP-Wachstum, so analysierte die Citigroup jüngst, lag im zweiten Quartal mit Minus 0,5 Prozent unterhalb der Erwartungen. Eine Rezession ist jetzt eine mögliche Realität für Hongkong", fürchtet der Ökonom Kevin Lai bei Daiwa Capital Markets; Lai hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das zweite Quartal treffend vorhergesagt. Der Ex-Kolonie Hongkomg (im Bild) sagt er jetzt eine Rezession vorher, die über ein Jahr dauern kann.

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Betroffene Großmacht Indien: Auch in Asiens drittgrößter Volkswirtschaft, in Indien, sind die Schleifspuren der abkühlenden Weltkonjunktur bereits sichtbar. Handelsminister Anand Sharma hält zwar noch an der offiziellen BIP-Prognose von 8,5 Prognose für 2011 fest, wie er vor einer Woche beim Treffen der Handelsminister aus Asien-Pazifik in Manado (Indonesien) versicherte. Doch angesichts schwächerer Investitionen, einer Abkühlung im gewerblichen Sektor und der überraschenden Zinsanhebung der Notenbank im Juli rechnen viele Volkswirte nur noch mit 7 Prozent. Zu den gedämpften Erwartungen auf dem Subkontinent Indien trägt auch bei, dass laut Sharma fast die Hälfte der Gewinne aus Firmen mit internationalem Geschäft stammt - nicht zuletzt mit den etablierten Volkswirtschaften in Europa und Amerika.

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Hoffnung China: Der Anker im Schwellenmarkt-Universum und in der Analyse vieler Volkswirte, die die Region Asien beobachten, bleibt jedoch China. Und dort scheint wenigstens die Angst vor einer "harten Landung" der Konjunktur, ein Rückgang auf nur noch 4 bis 6 Prozent Wachstum oder weniger, nicht zuzunehmen. "In den nächsten vier bis fünf Jahren sehe ich keine Gefahr einer harten Landung", sagt Wirtschaftsprofessor Yu Yongding von der Akademie der Sozialwissenschaften in Peking vorher.

Yu verweist zur Begründung für seinen Optimismus vor allem auf das rasante Wachstum in den neuen Ballungszentren in Chinas Hinterland, den sogenannte second tier cities, wie etwa Chongqing (im Bild). Das Gebiet ist mit 40 Millionen Einwohnern halb so groß wie Deutschland.

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