Die Macht der Agenturen Der Kampf um den Ratingmarkt

Wenn sie "A" oder "B" sagen, zucken Börsenhändler und Regierungschefs weltweit zusammen: Ratingagenturen gelten als Mitschuldige der Finanzkrise und stehen nun auch als Anheizer der Schuldenkrise am Pranger. Nun machen sich Wettbewerber daran, die Macht der "Großen Drei" zu brechen.
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Standard & Poor's: Die Tochtergesellschaft des Verlags McGraw-Hill hat mit einem Marktanteil von 40 Prozent die Nase vorn unter den großen Ratingagenturen. In der Schuldenkrise stuft S&P die Bonität staatlicher Schuldner in Europa und inzwischen sogar der USA besonders rasch herunter. Ursprünglich hatte die Firma sich darauf spezialisiert, Anleger über die Qualität von Anleihen der Eisenbahngesellschaften in den USA aufzuklären, genau wie ...

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Moody's: Die börsennotierte Agentur folgt S&P nur knapp, sowohl was den Marktanteil als auch die Anleihenurteile angeht. Auch Moody's sitzt in New York, ebenso wie ...

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Fitch, die außerdem in London sitzt. Fitch wird zwar ebenfalls meist als US-Ratingagentur wahrgenommen, könnte aber auch als europäisch durchgehen: Hauptaktionär ist die Holding Fimalac des französischen Milliardärs Marc Ladreit de Lacharrière.

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Wegen ihrer Rolle beim Entstehen der Finanzkrise mussten die Agenturen harte Kritik einstecken, Reputation ging verloren. Von den drei Agenturmanagern, die in diesem Bild von 2008 vor einem Parlamentsausschuss in Washington den Eid ablegen (links Jerome Fons von Moody's und Frank Raiter von S&P) ist nur noch der dritte im Amt: Sean Egan, Chef der kleinen Agentur Egan Jones, die ein ganz anderes Modell verfolgt. Egan kritisierte vor dem Parlament die Großen Drei, weil sie von den Schuldnern bezahlt werden, die sie begutachten. Egan Jones dagegen bekommt sein Geld von Anlegern - und punktet mit dem Reputationsverlust der Konkurrenten.

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Ein weiterer Angreifer kommt aus dem kanadischen Toronto: Die Dominion Bond Rating Services (DBRS) des Deutschstämmigen Walter Schroeder ist die führende Ratingagentur in Kanada und konnte den Markt gegen die US-Wettbewerber verteidigen. Inzwischen ist DBRS auch von der US-Börsenaufsicht SEC und der Europäischen Zentralbank offiziell anerkannt.

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Die radikalste Antwort auf die US-Platzhirsche kommt bislang aus China: Die private Ratingagentur Dagong hat den USA von vornherein nicht die beste Kreditwürdigkeit zugestanden (anders als ihrem Heimatland). Sie wirft den US-Agenturen vor, ihre Kriterien seien den westlichen Ländern auf den Leib geschneidert und die Ratings bildeten eher eine ideologische Vorliebe für freie Marktwirtschaften ab als die tatsächliche Fähigkeit zur Rückzahlung der Schulden. Mit diesem Ansatz hat sich Dagong bislang nicht am Markt durchgesetzt. Viel beachtet werden die Urteile trotzdem, weil hinter Dagong die Volksrepublik als weltgrößter Gläubiger stehen könnte.

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Aus Europa, von wo (wie hier in Portugal) laute Kritik an den Urteilen der US-Agenturen kommt, hat bisher noch niemand die Marktmacht der Großen Drei angegriffen. Allerdings gibt es eine Vielzahl politischer und wirtschaftlicher Initiativen, das zu ändern. Einige Unternehmen, die Erfahrung mit Bonitätsurteilen für private Schuldner oder Unternehmen haben, sehen sich als Keimzelle für eine vollwertige Ratingagentur. So positionieren sich beispielsweise Creditreform, Coface oder Euler Hermes. Gleich ganz vorn mitmischen will die Initiative für eine europäische Ratingagentur, die von der Unternehmensberatung Roland Berger mit Unterstützung mehrerer Unternehmen aus der Finanzindustrie getragen wird und politisch gut vernetzt ist.

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