Wachstum mit Biosprit Die Lieblingsautos der Brasilianer

Der brasilianische Automarkt hat den deutschen überholt. Auch ohne einheimische Konzerne stammen die meisten Erfolgsmodelle aus Brasilien. In der Antriebstechnik ist der Markt weit voraus - flexible Motoren, die Benzin und Biosprit gleichermaßen vertragen, sind heute Standard.
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Mit 145.257 verkauften Autos im ersten Halbjahr 2011 führt der VW Gol die Hitliste des brasilianischen Verbands der Autohändler an - wie in jedem Jahr seit 1987. Dem Modell fehlt nicht etwa ein F, obwohl zu Beginn der Baureihe 1979 tatsächlich einige Teile aus dem Bausatz des deutschen VW Golf kamen. Der Gol (der Name kommt vom portugiesischen Wort für "Tor" im Fußball) ist ein echter brasilianischer Exportschlager, mit Verkäufen von Mexiko über Iran bis China - und der Stolz der Entwickler. 2003 war der Gol das erste Auto mit einem Flexfuel-Motor, der sowohl Benzin als auch Ethanol in beliebigen Mischungen verträgt. Heute werden in Brasilien fast nur noch Neuwagen mit dieser Technik zugelassen.

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Der im Mai 2010 in den Markt eingeführte Fiat Uno schafft es mit 133.395 Exemplaren zwar nur auf Verkaufsrang zwei, schmückt sich aber aktuell mit dem Titel "Auto des Jahres" in Brasilien. Im Februar schaffte der Uno es sogar, den VW Gol kurzzeitig vom Thron des ewigen Bestsellers zu stoßen. Neben dem selbstverständlichen Antrieb mit Ethanol, der aus Zuckerrohr destilliert wird, gibt es auch eine als besonders ökologisch vermarktete Variante, in der sogar Plastikteile auf Zuckerrohrbasis verwendet werden, was Gewicht spart. Fiat prüft noch, ob das auf der Panda-Plattform gebaute Auto über Lateinamerika hinaus exportiert wird.

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Der Chevrolet Celta ist mit einem Listenpreis von 28.500 Real (12.500 Euro) führend im Segment der Billigautos und verkaufte sich von Januar bis Juni 72.106-mal. Das Auto von General Motors do Brasil baute ursprünglich auf Opel-Modellen wie dem Corsa auf, wird aber wie alle GM-Fabrikate in Brasilien unter der Marke Chevrolet vertrieben. In Argentinien heißt das gleiche Auto allerdings Suzuki Fun.

Foto: GM
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Auch die Nummer vier auf dem Verkaufsrang kommt von der brasilianischen Niederlassung des US-Konzerns GM. Der Chevrolet Corsa hat sich im Lauf der Jahre immer weiter vom Namensvetter der Marke Opel entfernt. In Brasilien steht der Name Corsa auch für die größte Rückrufaktion der Geschichte wegen defekter Sicherheitsgurte. Das schreckte die 62.014 Käufer im ersten Halbjahr 2011 aber nicht ab.

Foto: GM
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Der VW Fox ist das berühmteste brasilianische Automodell, das sich auch in Europa durchgesetzt hat - als Ersatz für den Kleinstwagen Lupo. In Brasilien verkauften sich der Fox und die Geländevariante Crossfox bis Juni 59.734-mal, im Jahr 2010 hatte das auf der Gol-Plattform gebaute Auto noch Verkaufsrang vier erreicht. Insgesamt führt Volkswagen do Brasil den viertgrößten Automarkt der Welt an, allerdings in einem engen Rennen mit einer weiteren Tochter eines europäischen Konzerns ...

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Der Fiat Strada (hier in der Sportversion) kam im ersten Halbjahr 2011 auf einen Absatz von 58.681 Stück und führt damit das auf dem Land beliebte Segment der Pick-ups an. Fiat lässt der brasilianischen Filiale wie die anderen Hersteller auch viele Freiheiten, sich dem lokalen Markt anzupassen, setzt aber auf italienisches Design. Fiat ist in der brasilianischen Top 15 genau wie Volkswagen mit vier Modellen vertreten. Dazu zählt auch der ...

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Fiat Siena mit 50.096 verkauften Fahrzeugen. Die Stufenheckvariante des Fiat Palio wird weltweit in mehreren Schwellenländern mit heißem Klima verkauft. In Brasilien brachte Fiat den Siena 2006 mit "Tetrafuel"-Antrieb: Außer mit Ethanol und dem an brasilianischen Tankstellen üblichen Benzingemisch mit 20 Prozent Ethanol kann das Auto auch reines Benzin und Erdgas tanken. Die Autofahrer schätzen diese Flexibilität, mit der sie auf Preisschwankungen der verschiedenen Treibstoffe reagieren können. In der Vergangenheit haben Brasilianer schlechte Erfahrungen mit reinen Ethanolautos gemacht, als der alkoholische Sprit knapp und teuer wurde und zugleich die Benzinpreise verfielen. Heute ist es umgekehrt.

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Der Ford Fiesta wird weltweit vermarktet, aber auch dieses "Weltauto" erscheint in Brasilien mit besonderem Design. Der Absatz erreichte im ersten Halbjahr 49.354 Stück. Ford ist der Hersteller mit der längsten Tradition in Brasilien, Ford do Brasil wurde bereits 1919 gegründet und die erste vollständig lokale Fahrzeugproduktion 1957 eingeweiht - etwa zeitgleich mit Volkswagen. Im Amazonasregenwald gibt es sogar die Überreste der Musterstadt Fordlândia, wo Konzerngründer Henry Ford eine riesige Kautschukplantage anlegen ließ. Heute produziert der Konzern mit Erfolg in den armen Regionen Brasiliens. Das Werk Camaçari im nordöstlichen Bundesstaat Bahia gilt als eines der modernsten und profitabelsten der Welt.

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Der Fiat Palio ist als Weltauto gedacht, die Standardvariante verkauft sich in Brasilien allerdings schlechter als manche Ableger. Immerhin gab es von Januar bis Juni 47.501 Verkäufe. Im Vorjahr hatte es noch zu Verkaufsrang sechs gereicht.

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Der VW Voyage ist mit einem Absatz von 40.185 Stück das zehntmeist verkaufte Auto in Brasilien. Hierbei handelt es sich um die Stufenheckversion des VW Gol. Das Auto wird auch in den Nahen Osten exportiert.

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Der Chevrolet Agile wurde zwar komplett in Brasilien entwickelt, wird als eines der wenigen Modelle aber importiert: aus Argentinien. GM do Brasil durfte sich im ersten Halbjahr über 35.987 verkaufte Agiles freuen.

Foto: GM
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Der VW Saveiro wurde 35.348-mal verkauft. Der wie die anderen VW-Bestseller auch auf der Gol-Plattform produzierte Pick-up steht damit deutlich hinter dem Fiat Strada zurück, schlägt aber den Chevrolet Montana, der inzwischen nicht mehr unter den Top 15 der Gesamtstatistik auftaucht.

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Der als Stadtauto gedachte Ford Ka wird in São Bernardo do Campo für den gesamten lateinamerikanischen Markt gebaut, während die europäische Variante aus dem spanischen Valencia kommt. In Brasilien verkaufte sich der Ka 32.431-mal.

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Anders als im Nachbarland Argentinien spielen die französischen Hersteller in Brasilien eine untergeordnete Rolle. Renault schafft es mit 32.382 verkauften Renault Sandero immerhin auf Absatzrang 14. In Europa wird das Modell unter der rumänischen Tochtermarke Dacia vertrieben.

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Der Chevrolet Prisma ist die etwas gehobene Variante des Chevrolet Celta. Obwohl der Celta direkt mit dem konzerneigenen Modell Corsa konkurriert, setzte die GM-Tochter im ersten Halbjahr 2011 26.224 Fahrzeuge dieses Modells in Brasilien ab.

Quelle: Fenabrave, Text: Arvid Kaiser

Foto: GM
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