Angesteckt Wie die Euro-Krise sich ausbreitet

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Als Griechenland im April 2010 Hilfskredite beantragte, verlangten Anleger für griechische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit 7 Prozent Zinsen - heute sind es 15 Prozent. Der Staat hängt auf Jahre am Tropf des Internationalen Währungsfonds und der Euro-Partner, denn der eingeschlagene Sparkurs verschärft die Wirtschaftskrise. Der im Juli 2011 mit einem zweiten Hilfspaket beschlossene Zinsverzicht mildert die Schuldenlast nur etwas.

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Irland ist im November 2010 als erstes Land unter den Schutz des europäischen Rettungsschirms EFSF geflüchtet, die Regierung stürzte darüber. Nach Werten von bis zu 14 Prozent haben sich die Anleihenzinsen inzwischen bei 11 Prozent eingependelt. Der Schaden aus dem Platzen der Hauspreisblase und der anschließenden Bankenrettung dürfte inzwischen voll bilanziert sein. Aber um das daraus entstandene Riesenloch in der Staatskasse wieder mit neuen Einnahmen zu füllen und einen tragfähigen Haushalt herzustellen, müsste die Wirtschaft noch deutlich zulegen.

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Portugal hatte im europäischen Vergleich weder besonders hohe Privat- noch besonders hohe Staatsschulden. Doch die schwache Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft säte Zweifel auch an den portugiesischen Finanzen, und so griff die Krise auf das iberische Land über. Im Mai 2011 kam der Offenbarungseid mit dem Hilfsantrag an die Euro-Staaten, wie in Irland wurde die Regierung bei anschließenden Neuwahlen für den harten Sparkurs und die Aufgabe der finanziellen Souveränität abgestraft. Das Zinsniveau liegt inzwischen gleichauf mit dem irischen bei 11 Prozent.

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Zypern galt bis vor kurzem noch als einer der Gewinner der Krise. Die Staatsschuldenquote gehört zu den niedrigsten in Europa, die eng mit Griechenland verflochtenen Banken profitierten von der Kapitalflucht aus dem Mutterland. Doch seit Juli 2011 ist der Inselstaat selbst in der Krise - weil eine Explosion auf einer Marinebasis das benachbarte Kraftwerk lahmlegte. Die Wirtschaft ist ohne Strom, der Staat zehrt von seinen Reserven. Die Regierung wurde gefeuert, der Notenbankchef brachte einen europäischen Hilfskredit ins Gespräch.

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Spanien ist der klassische Kandidat für Ansteckungsgefahr, leidet das Land doch unter einer hausgemachten Immobilien- und Bankenkrise und einer lahmen Wirtschaft mit einer Arbeitslosenquote von inzwischen 21 Prozent - Europarekord! Die Ratingagenturen erkennen zwar die Sparerfolge der Regierung an, stufen die Kreditwürdigkeit des Landes wegen der wegbrechenden Einnahmen aber trotzdem herunter. Im November stehen Neuwahlen an, erst danach wird über den Haushalt für 2012 entschieden. Die Anleihenrendite ist inzwischen über 6 Prozent gestiegen. Würde Spanien Hilfskredite benötigen, wäre der europäische Rettungsfonds EFSF überfordert.

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Italien ist der mit Abstand größte Brocken unter den Krisenkandidaten und hat mit gut zwei Billionen Euro mehr Staatsschulden als Deutschland. Sowohl Wirtschaft, Banken als auch Staatsfinanzen konnten einigermaßen stabil durch die Krise manövrieren, doch jetzt sah sich die Regierung gezwungen, ein 48-Milliarden-Sparpaket durchs Parlament zu bringen. Trotzdem verlangen Anleger auch für italienische Anleihen nun 6 Prozent Rendite.

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Das Beispiel Belgiens zeigt, dass auch das so genannte Kerneuropa nicht von der Krise verschont wird. Neben der traditionell hohen Staatsverschuldung sorgt dafür vor allem der Konflikt zwischen Flamen und Wallonen, der am Sitz der wichtigsten EU-Institutionen tobt. Mehr als ein Jahr nach der Parlamentswahl kann immer noch keine Regierungskoalition gebildet werden, die noch amtierende Altregierung kann keine weit reichenden Beschlüsse fassen. So wird Belgien zum Sinnbild für die Zerrissenheit Europas. Die Zinsen stehen bei 4,5 Prozent.

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Selbst Frankreich, eine der wenigen Nationen mit erstklassiger Kreditwürdigkeit weltweit, wird schon in einem Atemzug mit den Krisenländern genannt. Französische Staatsschuldverschreibungen sind zwar auch als sicherer Hafen gefragt, aber lange nicht so sehr wie deutsche Bundesanleihen - der Renditeabstand ist auf 80 Basispunkte angewachsen. IWF-Chefin Christine Lagarde warnt, Frankreich könne sein Ziel verfehlen, das Haushaltsdefizit bis 2013 unter 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Sie muss es wissen: Vor kurzem war sie noch selbst Finanzministerin in Paris.

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