Zwei Geschwindigkeiten Wo Zentralbanker gegen Inflation einschreiten - und wo nicht

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Sie ist damit ihren Kollegen in den anderen großen Industrieländern wie den USA oder Japan zwei Schritte voraus. Dagegen haben große Schwellenländer wegen wachsender Inflationsgefahren ihre Zinsen bereits kräftig nach oben getrieben. Ein Überblick.
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USA: Seit Dezember 2008 hält die Federal Reserve an ihrer Niedrigzinspolitik fest. Maximal 0,25 Prozent Zinsen müssen Banken zahlen, wenn sie sich bei der mächtigsten Notenbank der Welt Geld leihen. Grund für das Festhalten am billigen Geld ist die wackelige US-Konjunktur, die damit gestützt wird. Die Wirtschaft wachse "frustrierend langsam", gestand Fed-Chef Ben Bernanke ein. Anders als die EZB hat die Fed nicht nur Preisstabilität im Auge, sondern auch Vollbeschäftigung. Dabei kann billiges Zentralbankgeld helfen. Mit 9,1 Prozent ist die Arbeitslosenquote nach wie vor sehr hoch. Die Rezession hat acht Millionen Jobs vernichtet, von denen nur ein Bruchteil wieder aufgebaut wurde. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Fed erst im kommenden Jahr die Zinswende einleiten wird.

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Japan: Auch Japan fährt eine Nullzinspolitik. Die Notenbank verlangt einen Zinssatz von Null bis 0,1 Prozent. Ihren Kurs dürfte sie auch in den kommenden Monaten halten: Alle von Reuters befragten Analysten rechnen bis Jahresende mit unveränderten Zinsen. Der Grund liegt auf der Hand: Mit billigem Geld kann die Bank of Japan den Wiederaufbau nach dem Jahrhundertbeben und dem atomaren Super-GAU unterstützen. Auch ohne die Katastrophe - die einen Schaden von geschätzten 200 Milliarden Euro angerichtet hat - hätte sie ihre Politik des billigen Geldes wohl noch lange fortgesetzt. Denn die nach den USA und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt leidet seit längerem unter einer Deflation - also einem Preisrückgang auf breiter Front.

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Großbritannien: Die Bank of England wird die Zinswende erst Ende des Jahres einleiten, glaubt man den Prognosen der Analysten. Die Zinsfutures an den Finanzmärkten signalisieren sogar eine noch spätere geldpolitische Straffung - und zwar erst Mitte nächsten Jahres. Die Notenbank beließ ihren Leitzins am Donnerstag wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent, obwohl das billige Geld die Teuerung noch anheizen kann. Die Inflationsrate liegt mit 4,5 Prozent um mehr als das Doppelte über dem angestrebten Ziel. Doch wegen der schlappen Konjunktur dürfte die Notenbank ihren Zins vorerst nicht antasten.

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Schweiz: Die Schweizerische Nationalbank (SNB; im Bild: Zürich) fährt seit März 2009 eine expansive Geldpolitik und strebt für ihren Zielzins Dreimonats-Libor einen Satz von 0,25 Prozent an. Angesichts einer boomenden Wirtschaft und steigender Hauspreise wäre an sich ein Leitzinserhöhung fällig. Die SNB hat eine Anhebung aber immer wieder verschoben. Sie befürchtet einen weiteren Kursanstieg des Franken, der bereits jetzt das Wachstum der Exporte dämpft. Die Leitzinserhöhung der EZB dürfte den Schweizer Währungshütern aber Spielraum verschaffen und Experten rechnen mit einem ersten Zinsschritt im Dezember. Von der Teuerung her steht die SNB nicht unter Zugzwang: Die Inflationsrate liegt deutlich unter einem Prozent und dürfte im nächsten Jahr nicht wesentlich steigen.

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China: Im Kampf gegen die Inflation zieht China die Zügel in der Geldpolitik immer straffer. Die Zentralbank hob erst am Mittwoch ihren Leitzins an - zum fünften Mal seit Oktober. Für Kreditlinien mit einjähriger Laufzeit verlangt sie nun 6,56 Prozent. Die Zentralbank nimmt damit in Kauf, dass sich die inzwischen zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abkühlt. Noch mehr fürchtet sie allerdings weiter steigende Preise. Mit 5,5 Prozent erreichte die Inflationsrate im Mai den höchsten Stand seit knapp drei Jahren. Vor allem Lebensmittel kosteten deutlich mehr. Der kommunistischen Führung sitzt die Furcht im Nacken, dass dies soziale Unruhen auslösen könnte.

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Indien: Im Kampf gegen die hohe Inflation hatte die Notenbank ihren Leitzins seit März 2010 in zehn Schritten angehoben - von 4,75 auf 7,5 Prozent. Bis Jahresende werden weitere Erhöhungen auf dann 8,0 Prozent erwartet. Auch Indien macht die hohe Inflation zu schaffen, die mit teurerem Geld eingedämmt werden soll.

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Brasilien: Auch in Brasilien hat die Zinsen kräftig nach oben geschraubt. Allein in diesem Jahr in vier Schritten von 10,75 auf 12,25 Prozent. Bis Jahresende dürfte Experten zufolge noch eine weitere Anhebung folgen. Grund auch hier: die hohe Inflation. Die Inflationsrate lag zuletzt über dem angestrebten Wert von 4,5 Prozent.

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