Stotternder Motor Deutschlands gefährliche Abhängigkeit vom Tiger-Boom

Die Welt staunt über die Kraft der deutschen Wirtschaft und tausende neuer Jobs hierzulande. Doch unser Aufschwung gerät in Gefahr: Den bisher wichtigsten deutschen Antreibern, den Schwellenländern, droht ein Rückschlag. Ein Überblick über die Folgen für Deutschlands Unternehmen und Jobsucher.
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Die Welt staunt über die Kraft der deutschen Wirtschaft und tausende neuer Jobs hierzulande. Doch unser Aufschwung gerät in Gefahr: Den bisher wichtigsten deutschen Antreibern, den Schwellenländern (Foto: Skyline von Shanghai), droht ein Rückschlag. Ein Überblick über die Folgen für Deutschlands Unternehmen und Jobsucher.

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Staatsbesuch: Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao bezeichnete Deutschland als strategischen Partner Chinas, Wirtschaftsabschlüsse über mehr als zehn Milliarden Euro wurden unterzeichnet. Die Nachfrage aus den an die Weltwirtschaftsspitze stürmenden Staaten wie China hat vielen Unternehmen in der Bundesrepublik in den vergangenen Monaten weit mehr Aufträge eingebracht, als der internationalen deutschen Konkurrenz. Das glauben zumindest die Experten der Weltbank errechnet zu haben. Entsprechend groß ist die Bedeutung der neuen deutschen Großhandelspartner für den aktuellen deutschen Aufschwung.

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Mehr Arbeitsplätze: Für den deutschen Arbeitsmarkt, der im April die magische Marke von drei Millionen Arbeitslosen nach unten durchbrechen konnte, bedeutet das eine Rückschlagsgefahr, die kaum zu unterschätzen ist. Denn große Dax-Konzerne setzen serienweise mit ehrgeizigen Investitionsplänen und Exportstrategien auf einen Dauerboom in den Schwellenländern.

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Reale Gefahr: Daimler-Chef Dieter Zetsche verriet Journalisten vor Kurzem in New York, er sehe in den Schwellenländern "Wolken am blauen Himmel". Diese hätten das Zeug, den Motor in der Autoindustrie stottern zu lassen. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnte in der vergangenen Woche vor Konjunkturrisiken in den rasant wachsenden Schwellenmärkten.

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Nervosität: Selbst bei der Weltbank wird es einigen Beobachtern mulmig. Die Organisation empfahl vor wenigen Tagen den aufsteigenden Volkswirtschaften, mit Sparen und höheren Zinsen energisch gegen Inflation und Überhitzung vorzugehen. Zwischen Shanghai, Moskau, Delhi und Rio wird seit Jahren ein drei Mal höheres Wachstum des Bruttoinlandsproduks (BIP) erzielt als in Europa und den USA.

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Besorgter Nobelpreisträger: Auch Nouriel Roubini von der New York University, einer der wenigen, die vor der Finanzkrise 2008 gewarnt hatten, sieht eine "hohe Wahrscheinlichkeit" für eine harte Landung in China. Allerdings erst ab dem Jahr 2013. Vor allem die hohe Verschuldung lokaler Regierungen, die jetzt einen Bailout von Peking erwarten, hat viele an die Finanzkrise im Reich der Mitte Anfang 1999 erinnert.

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Bröckelnder Boom: Die Bremsspuren sind jetzt schon sichtbar. Das beste Beispiel ist Chinas Bedeutung für Deutschlands Autoindustrie: In dem asiatischen Staat haben sich hohe Benzinpreise, stockende Lieferketten und administrative Eingriffe zu einem Cocktail verschworen, das die brummenden asiatischen Märkte aus der Bahn werfen kann. Der Autoabsatz in China legte im Mai mit Minus 0,1 Prozent den Rückwärtsgang ein. In den ersten fünf Monaten hatte der Zuwachs noch 6,1 Prozent betragen. Selbst das war schon ein müder Abgesang von jenen 32 Prozent, die der weltgrößte Pkw-Markt 2010 zulegen konnte.

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Brisante Rückkoppelung: Im Klartext: Wenn die Tiger stottern, steht viel auf dem Spiel. Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags im März unter 7000 Firmen ergab, dass China erstmals die führende Zielregion für deutsche Auslandsinvestitionen ist, vor Europa. Satte 43 Prozent aller deutschen Firmen mit Auslandsplänen haben China im Visier.

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Beispiel Daimler: Daimler will mit seinem chinesischen Partner BAIC in den kommenden Jahren zwei Milliarden Euro in das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive investieren. Die Stuttgarter konnten ihren Nettogewinn im ersten Quartal auf 1,18 Milliarden Euro fast verdoppeln. Einer der Hauptgründe: das brummende Chinageschäft.

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Beispiel Siemens: In Indien, so verriet der für Asien zuständige Siemens-Vorstand Roland Busch am Dienstag vergangener Woche bei einem Vortrag in Shanghai, nahm der Absatz seit 2005 um 202 Prozent zu, in China um 139 Prozent. Siemens realisierte 2010 allein in China mit 69 Joint Ventures und Tochtergesellschaften 5,5 Milliarden Euro Umsatz. Das Reich der Mitte ist der drittgrößte Markt weltweit für den Münchener Konzern.

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Jobmaschine: Die Schwellenmärkte treten seit Jahren auch als Investoren und Jobproduzenten hierzulande immer stärker in Erscheinung. Seit 2006 verdoppelten sich die Investitionen chinesischer Firmen in Deutschland auf mehr als 700 Mllionen Euro. Was das für den deutschen Arbeitsmarkt bedeutet, sieht man am Beispiel des Betonmaschinenbauers Sany, der seine neue Fabrik bei Köln am 20. Juni in Betrieb nahm. Es ist eine der größten Investitionen der Chinesen in Europa, und die erste von Sany in Deutschland. Binnen fünf Jahren sollen hier 600 Beschäftigte - zu drei Viertel Ingenieure und Facharbeiter aus Deutschland - Arbeit finden.

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