Toyota Neuer Kraftakt in Deutschland

In Amerika ist Toyota ein Größe, in vielen Staaten der Erde dazu. Doch in Deutschland bekommt die langjährige Nummer eins der Autobranche einfach nicht gut zurecht. Das soll sich ändern. Ein Überblick über Toyatas Modelle und Strategie, um den deutschen Markt endlich zu erobern.
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Yaris: Der Kleinwagen ist mit deutlichem Abstand Toyotas Topseller in Deutschland. Genau 20.811 Neuanmeldungen registrierte das Kraftfahrtbundesamt (KBA) 2010, jeder vierte hier zu Lande verkaufte Toyota ist damit ein Yaris. Das Modell rangiert als einziger Toyota unter den Top 50 der in Deutschland verkauften Pkw.

Im Herbst werden die Japaner eine neue Generation des Kleinwagens an den Start bringen – wie bislang produziert im französischen Valenciennes und ab 2012 auch in einer Hybrid-Variante. Hier bietet Toyota mehr als die Konkurrenz: Die Doppelbefeuerung mit Benzin und Batterie offeriert in dieser Fahrzeugklasse niemand außer den Japanern.

Foto: dapd/ Toyota
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Auris: Der Golf-Konkurrent hieß früher Corolla. Toyota lancierte das Modell 2007 mit einer Multimillionen-Euro-Werbekampagne. Genützt hat es wenig. 13.424 Neuanmeldungen sind viel zu wenig für ein Modell dieser Größenkategorie. Selbst der koreanische Rivale Hyundai verkauft von seinem i30 mehr als doppelt so viel.

Toyotas Deutschland-Chef Toshiaki Yasuda sieht als einen der Gründe für die Absatzschwäche, dass die Japaner keine Kombi-Variante anbieten. Der Verso, ein verwandtes Raum-Modell, verkauft sich nicht gut genug, ein wirklicher Auris-Kombi dürfte Toyota mehr bringen. Aber darauf dürfte Yasuda noch mindestens anderthalb bis zwei Jahre warten müssen.

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Avensis: Die Kombi-Variante des Mittelklasse-Toyota sei "nahezu unkaputtbar", schrieb die "Auto-Bild" im Mai. Grundlage des euphorischen Urteils war ein Report des TÜV über fünf Jahre alte Kombis. Toyota jedoch helfen solche Topbewertungen offenbar nur bedingt.

Zwar liegt der Avensis vor den meisten konkurrierenden Importmodellen in dieser Größenklasse. Sein Absatz – 8253 Neuanmeldungen im Jahr 2010 – liegt aber deutlich hinter Ford Mondeo und Opel Insignia und erst recht hinter den 66.500 in Deutschland verkauften VW Passat. Dabei liegt das Volkswagen-Modell im TÜV-Ranking nur auf Platz sieben. Doch der Avensis kommt anders als die deutschen Rivalen kaum ins Flottengeschäft; bei Firmenkunden spielt er so gut wie keine Rolle.

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Rav4: Es gab eine Zeit, da war Toyotas kleines Geländemodell bei deutschen Kunden überaus begehrt. Der Wagen war so gut wie einzigartig in seiner Klasse, verkaufte sich in Deutschland mehr als 20.000 mal im Jahr. Dann aber kamen andere Hersteller nach und nach mit ähnlichen Modellen.

Heute gibt es den Ford Kuga, den Skoda Yeti, den BMW X1 und den VW Tiguan; der Rav4 hat keine Chance mehr, da helfen auch Schönheitskorrekturen der Japaner nicht: 6437 mal verkaufte sich das Toyota-Modell im vergangenen Jahr in Deutschland. Der X1 kam auf 26.634 Neuanmeldungen, der Tiguan sogar auf 38.687.

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Prius: Der Prius hat Toyota zwar über viele Jahre hohe Verluste beschert. Aber das Hybridmodell im zwar nicht gerade schicken, aber doch stets auffälligen Design eines ausgebeulten Tropfens, begründete auch Toyotas weltweiten Ruf als Vorreiter in Sachen Umwelttechnik.

Global verkaufte sich das Ökomobil – Durchschnittsverbrauch laut ADAC 4,6 Liter je 100 Kilometer – im vergangenen Jahr 316.000 mal. An deutsche Kunden gingen davon aber nur 3483. Aber vielleicht sorgen ja die neuen Varianten für etwas Schwung. Toyota bringt in Kürze eine Plug-In-Variante des Prius und zusätzlich den Prius+, einen Siebensitzer.

Foto: MARK BLINCH/ REUTERS
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Lexus CT 200h: Toyota hat seine Premiummarke Lexus bislang lediglich in den USA erfolgreich lanciert. Dort rangierte die Nobelvariante der Japaner sogar lange vor sämtlichen deutschen Oberklasse Konkurrenten, also vor BMW, Mercedes und Audi. In Europa dagegen und speziell in Deutschland ist die bisherige Lexus-Geschichte ein Trauerspiel.

Man könnte sogar von einem Drama reden, so selten sind die Luxus-Japaner auf deutschen Straßen zu sehen. Gerade 2053 Lexus fanden hierzulande im Jahr 2010 einen Käufer. Premiummarktführer BMW dagegen verkaufte allein von seiner bulligen, nicht gerade weit verbreiteten und erst recht nicht billigen Gelände-Variante X6 das Zweieinhalbfache.

Toyotas Deutschland-Chef Toshiaki Yasuda hofft jetzt, dass eine neue Strategie die Wende bringt: Ab 2012 wird Toyota neue Lexus-Modelle in Europa nur noch mit Hybrid-Antrieb auf den Markt bringen. Die Japaner setzen darauf, die Marke so erfolgreicher von der Premiumkonkurrenz abzusetzen. Das gilt auch für den Lexus CT 200h, der seit dem Frühjahr in Deutschland verkauft wird. Es gibt Toyotas Gegenstück zu BMW 1er und Audi A3 nur mit Benzin- plus Batterieantrieb. Der Lexus versteckt unter seinem Blechkleid einen baugleichen Antrieb wie der Prius, ist dafür aber eleganter und auch teurer als sein Bruder.

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Bröckelnde Bedeutung: Unter dem Strich hat Toyota in der Bundesrepublik seit dem Jahr 2006 so stark an Bedeutung verloren, dass der Marktanteil des Weltmarktführers hierzulande aktuell nur noch 2,7 Prozent beträgt - so wenig, wie im Jahr 2001.

Selbst im Ausreißerjahr 2009, als Toyota knapp 140.000 Fahrzeuge in der Bundesrepublik verkauft hatte, ließ das Toyotas Marktanteil hierzulande nicht in die Höhe schießen. Die Abwrackprämie hatte dafür gesorgt, dass im Jahr 2009 nicht nur Toyota, sondern auch andere Hersteller in Deutschland mehr Autos als zuvor verkaufen konnten; der Automarkt war durch die Staatssubventionen insgesamt in Deutschland künstlich gewachsen. Der 140.000-Fahrzeuge-Verkaufserfolg des Jahres 2009 brachte dem Unternehmen Toyota deshalb keine Verbesserung seines Marktanteils in Deutschland.

Foto: KBA