Verflogener Zauber Gefährliche Rezessionsangst in Amerika

Steigende Arbeitslosigkeit und fallende Häuserpreise, lahmende Industrieproduktion und verunsicherte Konsumenten: Die US-Konjunktur stottert. Ein Überblick über die schlimmsten Krisenzeichen - und die neue Wirtschaftsangst in den USA.
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Bedrängter Magier: Amerikas Notenbankchef Ben Bernanke hat mit seiner Geldflutung vor allem die Börse für sich eingenommen. Doch auch das nur zeitweise. Jetzt schlagen Amerikas Probleme erneut durch - und Bernanke muss öffentlich Rechenschaft ablegen, wie er die Probleme nun angehen will.

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Schwacher Immobilienmarkt: Nach Expertenschätzung stehen in den USA normalerweise etwa pro Tag 2,5 Millionen Häuser zum Verkauf. Derzeit seien es jedoch vier Millionen. Und darin ist ein "Schattenbestand" von weiteren 500.000 Häusern, die vor der Zwangsversteigerung stehen, gar nicht berücksichtigt, hat der Wirtschaftsberater Gary Shilling errechnet.

Wie viele Jahre es genau dauern wird, bis wichtige Regionalmärkte in den USA wieder auf die Beine kommen, das hat der Analysespezialist LPS Applied Analytics am Wochenende vorgerechnet: Bei aktuellem Versteigerungstempo in New York noch satte 62 Jahre. Demnach wäre die anhaltende Immobilienkrise bis 2073 abgearbeitet.

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Kaum Besserung: Die Arbeitslosigkeit ist zuletzt wieder auf 9,1 Prozent gestiegen. Baubetriebe und Industriefirmen wollen angesichts verunsicherter Kunden nicht viel investieren. Der Zuwachs von 54.000 neuen Jobs im Mai war der schwächste in acht Monaten.

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Verzagte Kunden: Das Konsumentenvertrauen, das die University of Michigan monatlich misst, brach im Mai stärker ein als ohnehin zuvor schon befürchtet worden war. Kein Wunder: Bei sinkenden Realeinkommen aufgrund vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit und anhaltender Korrektur am Immobilienmarkt sagen Wirtschaftsprofis den US-Konsumenten insgesamt magere Zeiten mit mehr Enthaltung voraus. So auch der Geschäftsführer Daniel Alpert bei der Investmentbank Westwood Capital in New York.

"Der Umsatz im Einzelhandel wird wie seit eh und je von Krediten angetrieben", sagt Alpert, "das ist begrenztes Wachstum. Für uns gibt es genügend Grund zu der Annahme, dass schon bald wieder ein Einbruch des Konsums ansteht. Das könnte Ende 2011 durchaus ein unwillkommenes Weihnachtsgeschenk sein".

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Steigende Resignation Der Industrieindex der Notenbank in Philadelphia ging im Mai auf das niedrigste Niveau seit sieben Monaten zurück. Laut dem Marktforscher Gallup sind 87 Prozent der Amerikaner jetzt unzufrieden darüber, welchen Weg ihr Land wirtschaftlich eingeschlagen hat. "Der scharfe Rückgang des Verbrauchervertrauens ist eine Folge des eingetrübten Jobmarkts, sechs Wochen fallender Börsenkurse und Ängsten über eine Flaute der Weltwirtschaft", heißt es bei Gallup zu diesen Zahlen.

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Verfahrene Situation: Auch mit neuen Ausgabenprogrammen kann die US-Regierung um Präsident Barack Obama kaum aufwarten. Es besteht nicht mehr viel Spielraum für die USA, die lahmende Wirtschaft anzuschieben. Denn in Washington ringen Republikaner und Demokraten in einer gemischten Kommission um ein Sparpaket, das die Ausgaben im Bundeshaushalt der USA in den kommenden zehn Jahren um mehrere Tausend Milliarden Dollar senken soll.

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Beunruhigte Börsen Gelingt der Kraftakt nicht, könnte an den Anleihemärkten eine Panik ausbrechen. Standard & Poor´s war am 19. April die erste Ratingagentur, die in den 70 Jahren seit Pearl Harbor den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der USA herabstufte.

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Gefahrenherd Griechenland Auch bekannte Wirtschaftsexperten äußern sich pessimistisch über das US-Wachstum bis Jahresende und für 2012. "Ich sehe Zeichen, die mir Sorgen machen", sagte Yale-Professor Robert Shiller kürzlich - und entwarf ein bedrohliches Szenario:

In dieser Phase reiche ein unerwarteter externer Schock, ein sogenannter "Schwarzer Schwan", um die Konjunktur endgültig vom Gleis zu werfen. Genau das meinte in der vergangenen Woche der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan, als er warnte, eine Staatspleite in Griechenland würde "fast mit Sicherheit" eine US-Rezession auslösen.

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Bedenkliche Vorhersagen: Ausgezehrte Konsumenten, eine ungenügende Industrieauslastung sowie ein anhaltend schwacher Immobiliensektor lassen auch andere Beobachter an einer baldigen Erholung der US-Konjunktur zweifeln. "Zwei Jahre nach der großen Rezession ist es kristallklar geworden, dass der Weg aus einer Finanzkrise heraus nicht in Quartalen gemessen wird, sondern in Jahren", sagt Sal Guatieri, Konjunkturexperte der Investmentbank BMO Capital Markets in Toronto.

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