Deutsche Industrie Welche Gefahren die Energiewende birgt

Unternehmen mit hohem Energieverbrauch sehen wegen des beschleunigten Atomausstiegs Risiken für den Industriestandort Deutschland. Sie bangen um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Ein Überblick über die besonders betroffenen Branchen - und die Hunderttausenden von Beschäftigten dort.
1 / 4

Chemie: Bei den Untenehmen aus den Branchen, die in ihrer Fertigung viel Energie verbrauchen, arbeiten hierzulande rund 875.000 Frauen und Männer. Das sind 14 Prozent der Beschäftigten des verarbeitenden Gewerbes. Den größten Umsatzanteil hat daran die chemische Industrie, die auch die größte Summe zur Begleichung ihrer Energierechnungen aufzuwenden hat.

BASF rechnet in den kommenden Jahren mit einem weitere Anstieg der Strompreise. "Strompreisverteuerungen könnten stromintensive Prozesse in der Chemie unwirtschaftlich machen", sagte der Sprecher - etwa die Herstellung von Basischemikalien wie Chlor oder Natronlauge. "Diese Stoffe sind Teil einer integrierten Wertschöpfungskette, die dann Gefahr läuft, langfristig verlagert zu werden."

Foto: BASF/ dpa
2 / 4

Papier: Ebenfalls energieintensiv und damit zunehmend teuer wird die Papierproduktion in Deutschland. Speziell die ostdeutsche Papierindustrie hat sich zuletzt über den zunehmenden Kostendruck beklagt. "Die Erfolge der Branche seit der Wende und die seitdem investierten rund 4,3 Milliarden Euro werden dadurch in Frage gestellt", sagte der Geschäftsführer des Verbandes Ostdeutscher Papierfabriken, Andreas Rüther. Es gebe Signale, dass nicht wenige Papierfabriken in diesem Jahr die Gewinnzone verließen.

Foto: DPA
3 / 4

Stahl: Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp geht aufgrund steigender Strompreise bis 2015 mit jährlichen Kostensteigerungen von bis zu 300 Millionen Euro aus. Auch der Stahlproduzent Saarstahl sieht hohe Belastungen. "Tatsache ist, dass die Energiekosten seit dem Jahr 2004 um 150 Prozent gestiegen sind", sagte Vorstandschef Klaus Harste. "Politische Vorgaben, wie das Erneuerbare-Energien- und das CO2-Gesetz, verschärfen zusätzlich die Kostensituation. Kommen nun auch noch steigende Strompreise hinzu, erreichen Unternehmen wie Saarstahl die Grenze dessen, was sie finanziell verkraften können." Auch ArcelorMittal warnt: "Bei weiter steigenden Energiekosten sinkt unsere Wettbewerbsfähigkeit, was zur Verlagerung von Investitionen führen kann", sagte ein Unternehmenssprecher.

Foto: DPA
4 / 4

Zementindustrie: Unter den steigenden Energiepreisen leidet auch die Zementindzstrie stark. Die Branche, die durch die Wirtschaftskrise besonders belastet wurde, hat zudem vergleichsweise wenig finanzielle Reserven, um den Kostendruck ausgleichen oder durch neue Investitionen schnell senken kann. Die deutsche Zementindustrie rechnet für das laufende Jahr allerdings mit einem klaren Anstieg des inländischen Zementverbrauchs - und damit auch wieder deutlich besseren Geschäften als insbesondere in den beiden vergangenen Jahren.

Foto: DPA