Haniel-Chronik Eine schrecklich nette Familie

Die Tradition der Haniels ist 255 Jahre alt. Es begann 1756 mit einem Kolonialwarengeschäft in Duisburg-Ruhrort; dort ist heute noch der Sitz des Konzerns. Später wurde die Familie zu einer tragenden Säule der Schwerindustrie an Rhein und Ruhr. Heute ist Haniel eine internationale Handels - und Dienstleistungsgruppe.
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Die Tradition der Haniels ist 255 Jahre alt. Es begann 1756 mit einem Kolonialwarengeschäft in Duisburg-Ruhrort; dort ist heute noch der Sitz des Konzerns. Später wurde die Familie zu einer tragenden Säule der Schwerindustrie an Rhein und Ruhr, gründete Eisenhandelsfirmen, betrieb Schifffahrtslinien und Kohleminen, beteiligte sich am Montanunternehmen Gutehoffnungshütte. Heute ist Haniel eine internationale Handels - und Dienstleistungsgruppe mit 58.000 Mitarbeitern, 27 Milliarden Euro Jahresumsatz – und einer Menge Problemen. Mehr dazu im manager magazin 06/2011. Es mangelt an einer überzeugenden Strategie, die Herren an der Spitze wirken überfordert, und immer mehr Mitglieder des mehr als 600 Mann und Frau starken Clans sind nur noch an ihrer Dividende interessiert – der einst mustergültigen Dynastie droht der schleichende Niedergang.

Die Meilensteine der jüngeren Historie ...

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1965 werden die ersten Metro-Anteile erworben. Die Beteiligung an der Gutehoffnungshütte wird nach und nach abgebaut. Haniel wandelt sich vom Industrie- zum Handels- und Dienstleistungskonzern.

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2003 wird Franz Markus Haniel Familienoberhaupt, ein früherer Unternehmensberater (Booz) und Industriemanager (Giesecke & Devrient). Der neue Clanchef ist ein umgänglicher Typ, erweist sich aber als Zauderer. Dabei brauchen die selbstbewussten Manager der Konzernbeteiligungen eine straffe Führung.

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2006 holt Franz Markus Haniel den Daimler-Vorstand Eckhard Cordes als Haniel-Holdingchef an Bord. Cordes bereinigt das Portfolio, verkauft den Brand- und Wasserschadensanierer Belfor und später die Baustoffgruppe Xella. Die größte Baustelle bleibt die Metro-Gruppe: Diese bindet viel Kapital, aber die Familie hat wenig Einfluss.

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Auf Rat von Cordes stockt die Familie im September 2007 die Metro-Beteiligung auf und bündelt sie mit dem Gesellschafter Schmidt-Ruthenbeck zur Mehrheit, Metro-Gründer Otto Beisheim ist ausgebootet. Eine Folge des Deals: Die Haniel-Nettoverschuldung steigt rasant und beträgt mittlerweile 5,2 Milliarden Euro.

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Der Beisheim-Vertraute Hans-Joachim Körber tritt als Metro-Chef zurück, Cordes übernimmt zum 1. November 2007 auch noch diesen Posten. Neuer Metro-Aufsichtsratschef wird Franz Markus Haniel. Cordes soll, so ist es mit der Familie abgesprochen, Metro-Teile verkaufen, etwa das Warenhausunternehmen Kaufhof und die Verbrauchermarktkette Real. Klappt aber nicht, zu schlecht sind die Zeiten (Finanzkrise), zu mies die Gewinne.

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Die Familie ist verstimmt. Cordes verkündet im März 2009, sich auf den Metro-Posten beschränken zu wollen. Sein Nachfolger als Haniel-CEO wird der frühere McKinsey-Deutschlandchef Jürgen Kluge.

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Auch Kluge verfolgt seit Amtsantritt am 1. Januar 2010 große Pläne: Er will Beteiligungen abgeben, „kleine Perlen“ hinzukaufen und rasch die Verschuldung senken. Bislang tritt er auf der Stelle. Die niedrigen Börsenkurse behindern einen Verkauf, Tochterfirmen wie der Wäschehygienespezialist CWS-Boco müssen erst noch saniert werden. Und ohne große Fortschritte beim Schuldenabbau sind nennenswerte Zukäufe kaum möglich. Hinzu kommt eine ungeschickte Personalpolitik.

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Erst agiert Kluge bei der Nachfolgesuche für Cordes so plump, dass er am Ende eine Ehrenerklärung für den Amtsinhaber abgeben muss. Dann brüskiert er das Topmanagement der Beteiligung Celesio, einem Pharmahändler, so dass der komplette Vorstand sich zum Protest gezwungen sieht. Die Celesio-Hauptversammlung am 17. Mai 2011 wird zur Generalabrechnung: Aktionäre beschimpfen den Aufsichtsratsvorsitzenden Kluge und feiern seinen Widersacher, den vorzeitig ausscheidenden Celesio-Chef Fritz Oesterle.

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