Stihl, Trumpf, Komet Wie deutsche Mittelständler in den USA auftrumpfen

Verfallene Lagerhallen, leere Fabriken: Das Bild der Vereingten Staaten als deindustrialisiertes Land hat sich eingeprägt. Absolut gesehen wächst der Wirtschaftszweig jedoch wieder - und Tochterunternehmen deutscher Konzerne mischen mit.
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Düstere Ahnung: Amerikas Industrie wurde schon oft totgesagt. Schon vor Jahren hat im Bundesstaat Maine der letzte Hersteller von Sardinendosen dichtgemacht. Nur noch 11,7 Prozent steuerte die Industrie im Jahr 2010 zu Amerikas Bruttoinlandsprodukt bei - nicht einmal halb so viel, wie die Industrie in Deutschland.

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Hohe Verluste: Tatsächlich haben die USA in den vergangenen zehn Jahren rund fünf Millionen Industriejobs verloren, schätzen Fachleute. Die Steuern seien zu hoch, die Konkurrenz aus China zu stark, kritisieren Politiker und Unternehmer.

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Im Aufwärtstrend: Zuletzt aber gab es bessere Nachtrichten. Die US-Arbeitslosenquote fiel im Februar immerhin von 9,0 auf 8,9 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit April 2009. Unter dem Strich gebe es 192.000 neue Jobs, teilte das Arbeitsministerium in Washington mit. Laut Statistik nahm die Beschäftigung in fast allen Wirtschaftsbereichen zu.

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Stihl Inc.: Einige Tochterfirmen deutscher Untermnehmen tragen ein klein wenig dazu bei. Denn für viele hiesige Industrieunternehmen sind die USA offenbar ein idealer Standort. Mehr als 1000 Töchter deutscher Konzerne produzieren jenseits des Atlantiks erfolgreich, fast 200.000 Mitarbeiter haben sie eingestellt - Tendenz steigend. Der Motorsägenhersteller Stihl (im Bild die US-Fabrikation) beispielsweise produziert seit 37 Jahren in Virginia Beach.

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Trumpf: Fast zeitgleich marschierte Trumpf mit einer eigenen Fertigung in die USA. 1969 schickte die Mutterfirma, beheimatet im schwäbischen Ditzingen, drei Leute nach Farmington, rund 150 Kilometer nordöstlich von New York, um eine Fertigung aufzubauen. Heute beschäftigt Trumpf Inc. mehr als 700 Mitarbeiter - und die Auftragsbücher sind gefüllt: "Unser Umsatz wächst dieses Jahr um etwa 50 Prozent", schätzt CEO Rolf Biekert im Gespräch mit dem manager magazin.

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Komet of America Inc.: Der Industriewerkzeughersteller Komet startete etwas später in Übersee. Anfang der 80er Jahre wurde mit dem Aufbau des Standorts in Schaumburg bei Chicago begonnen. Heute beschäftigt Grandin rund 200 Angestellte in Amerika. "Ich habe seit dem Ende der Finanzkrise 29 Leute angeworben und stelle auch in diesem Jahr ein", sagt Friedrich-Hans Grandin, CEO von Komet of America, dem manager magazin.

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Autoindustrie: Die Autokonzerne Volkswagen, BMW und Mercedes haben mit ihren neuen Fabriken im Südwesten der USA (im Bild: VW-Werk in Chattanooga) dafür gesorgt, dass in der Region ein "Boost Corridor" entstanden ist. Die Region zieht mittlerweile auch zahlreiche Zulieferer an - und zwar nicht nur aus den USA.

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Totgesagte leben länger: Allen Untergangsszenarien zum Trotz sind die USA auch heute noch die Industriemacht Nummer eins. 21 Prozent der Weltproduktion werden dort hergestellt - aus China kommen nur 15 Prozent, so der Industrieverband NAM. Zwar ist der Anteil des produzierenden Gewerbes am amerikanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) stetig gesunken - wie beispielsweise auch in Deutschland -, doch absolut gesehen ist der Sektor in den USA gewachsen: 1950 lag die Industrieproduktion bei 79,4 Milliarden Dollar. 1990 waren es 968,9, im vergangenen Jahr 1717,5 Milliarden Dollar.

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Hohe Produktivität: Falsch ist auch der Eindruck, Amerikas Industrie sei nicht wettbewerbsfähig. Das American Institute for Economic Research (AIER) in Great Barrington (Massachusetts) hat berechnet: In den 50er Jahren beschäftigte die Industrie ein Drittel der US-Arbeitskräfte - 2008 nur noch ein Zehntel, obwohl sich die produzierte Warenmnege im gleichen Zeitraum verzwanzigfachte.

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Relative Gewinne: Eine im Mai veröffentlichte Studie der Boston Consulting Group (BCG) sagt dem produzierenden Gewerbe in den USA angesichts rasant steigender Löhne in China eine Renaissance voraus: Bereits im Jahr 2015 werden sich die Nettoarbeitskosten der beiden Wirtschaftsmächte angeglichen haben. "Als Konsequenz wird man in den nächsten fünf Jahren erheblich mehr Produkte 'Made in the USA' sehen", sagt BCG-Partner Harold Sirkin dem manager magazin.

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