Inflationshochburg China Der verzweifelte Wettlauf gegen das Preisgespenst

Internationale Konzerne mögen sich in Asiens Riesenreich beachtlich gegen Chinas Inflationssog stemmen können. Viele Chinesen schaffen es nicht. Ein Überblick über das schwerer werdende Leben der Chinesen im schlimmsten Inflationszyklus seit Jahren - und den Kampf der chinesischen Regierung gegen die Teuerung.
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Gefährliche Welle: China kämpft verzweifelt gegen die überschäumende Inflation im Land. Nur April ging die Teuerungsrate angeblich minimal auf 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück - nach einem 32-Monatshoch im März von 5,4 Prozent. Jetzt aber wurde ein neuer vorläufiger Höhepunkt erreicht: Im Juni kletterten die Preise um 14,4 Prozent auf ein Dreijahreshoch, wie das Statistikamt am Samstag in Peking berichtete. Vor allem die Lebensmittelpreise stiegen mit zuletzt 14,4 Prozent stark. Und das sorgt in Asiens Riesenreich nicht selten für besondere Unruhe.

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Preistreiber Häuserbau: Doch auch die Inflation für nicht essbare Produkte liegt mit 7,1 Prozent derzeit so hoch wie noch nie seit Beginn dieser Erhebungen vor sieben Jahren - gepusht vor allem von steigenden Wohnkosten wie in Shanghai (im Bild). Und so wird Peking voraussichtlich das eigene Inflationsziel von 4 Prozent für 2011 verfehlen. Die Weltbank etwa sagt 5 Prozent voraus, bei einem Wirtschaftswachstum von 9,3 Prozent.

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Offener Protest: Mitte April streikten in Shanghai drei Tage lang hunderte Lastwagenfahrer, um gegen vom Staat verordnete Benzinpreiserhöhungen zu protestieren. Die Polizei löste den Streik auf, und die Stadt versprach, den Truckern als Ausgleich lokale Gebühren zu erlassen.

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Ungleiche Lebensbedingungen: Für Unbehagen in Peking dürfte zudem sorgen, dass schon im April die Konsumentenpreise auf dem Land mit 5,8 Prozent stärker stiegen als in der Stadt (5,2 Prozent). Das Einkommensniveau auf dem Land ist niedriger und steigt langsamer als in den Städten. Die Teuerung trifft also besonders ärmere Menschen und öffnet somit die Einkommensschere immer weiter.

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Angestrengtes Gegensteuern: "In den vergangenen zwei bis drei Monaten setzten sich aber allmählich jene durch, die die Inflation vorwiegend mit Hilfe der Geldpolitik bekämpfen wollen", meint Stephen Green von der Standard Chartered Bank in Shanghai. Das heißt: Befürworter weiterer Zinsschritte. Noch liegen die Zinsen auf einem moderaten Niveau: Auf einjährige Spareinlagen etwa gibt es im Schnitt 6,3 Prozent Zinsen. Das ist nur gut ein Prozentpunkt mehr als die derzeit erwartete Inflationsrate.

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Unerwünschte Nebenwirkung: Peking steht allerdings Problemen gegenüber, die kaum aufzulösen sind. Denn neben dem Kampf gegen die Inflation will die Regierung den Konsum stimulieren um der Binnennachfrage größeres Gewicht bei der Wirtschaftsleistung zu verschaffen. Nur: Beides gleichzeitig geht nicht. Denn Zinserhöhungen drosseln die Nachfrage, weil die Menschen dann lieber sparen.

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Kampffeld Tankstelle: Zudem zwangen die hohen Weltmarktpreise für Rohstoffe die Behörden dazu, eine Reihe staatlich kontrollierter Preise zu erhöhen: So geschehen erst kürzlich mit den Benzinpreisen. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) erhöhte zudem in 16 Provinzen die Strompreise, um angesichts massiven Strommangels Anreize zum Stromsparen zu setzen.

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Gebündelter Politikerwille: Im Zusammenhang mit dem Wunsch nach mehr Binnenkonsum sieht zudem der neue Fünfjahresplan (2011 bis 2015) vor, die von den Provinzen lokal festgesetzten Mindestlöhne jedes Jahr im Schnitt um 13 Prozent zu erhöhen. Shanghai etwa hob den Mindestlohn im März um 14 Prozent auf 1280 Yuan (139 Euro) im Monat an.

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