EZB-Chef Kandidaten Qualifikation, Urteile Vorurteile

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Die EZB-Gouverneure: Vordere Reihe (v. l. n. r.): Erkki Liikanen (FIN), Marko Kranjec (SLO), Athanasios Orphanides (CYP), Vítor Constâncio (POR), Jean-Claude Trichet (FRA), Gertrude Tumpel-Gugerell (AUT), Michael C. Bonello (MLT), Ewald Nowotny (AUT); mittlere Reihe (v. l. n. r.): Nout Wellink (NED), Miguel Fernández Ordóñez (ESP), Lorenzo Bini Smaghi (ITA), Yves Mersch (LUX); hintere Reihe (v. l. n. r.): Christian Noyer (FRA), Carlos Costa (POR), Guy Quaden (BEL), Patrick Honohan (IRL), Georgios Provopoulos (GRE), José Manuel González-Páramo (ESP), Axel Weber (D), Jürgen Stark (D). Mario Draghi (ITA), Jozef Makúch (SVK) und Andres Lipstock (EST) fehlen auf dem Foto.

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Die wichtigsten Kandidaten im Überblick:
Mario Draghi (63)
Qualifikation: Formal der bestqualifizierte Kandidat. Er war Wirtschaftsprofessor, Finanzstaatssekretär, Investmentbanker, Notenbanker, globaler Finanzaufseher.
Attribute: Kühler Analytiker. Geschliffener Auftritt. "No-Bullshit Guy".
Menschlicher Makel: Gilt als distanziert und wenig integrativ im EZB-Rat.
Vorurteile: Erheblich. a) Mit einem Italiener an der Spitze wird der Euro weich! b) Ein Ex-Goldman-Sachs-Banker darf nicht unsere Währung managen!
Innenpolitik: Hilfreich. Draghi ist in Italien Gegenspieler von Premier Berlusconi, der ihn gern nach Frankfurt abschieben würde.
Euro-Politik: Schwierig. Ein italienischer EZB-Chef würde den Nord-Süd-Proporz stören (Vize ist der Portugiese Constân-cio). Sollte Draghi EZB-Chef werden, würde ein Franzose für den Italiener Bini Smaghi ins EZB-Direktorium einziehen.

Foto: ? Alessandro Bianchi / Reuters/ REUTERS
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Yves Mersch (61)
Qualifikation: Der Kandidat mit der tiefsten Euro-Erfahrung. Er sitzt seit 1998 im EZB-Rat, kennt sich aus in der europäischen wie in der Geldpolitik.
Attribute: Starke Persönlichkeit. Zentrale Figur im EZB-Rat.
Menschlicher Makel: Mersch ist von Haus aus kein Ökonom, sondern Jurist.
Vorurteile: Überbrückbar. a) Nicht schon wieder ein Luxemburger auf einem EU-Posten! b) Ein Vertreter eines kleinen Landes wird global nicht ernst genommen!
Innenpolitik: Hilfreich. Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker möchte Mersch an der EZB-Spitze unterbringen.
Euro-Politik: Schwierig. Bei seiner Wahl gäbe es keinen Franzosen im Direktorium.

Foto: ? Reuters Photographer / Reuters/ REUTERS
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Erkki Liikanen (60)
Qualifikation: Der Kandidat mit der breitesten Euro-Erfahrung. Er war Finanzminister, zehn Jahre lang EU-Kommissar, Notenbanker.
Attribute: Leiser, sachorientierter Arbei-ter. Agiert im EZB-Rat als Konsenssucher.
Menschlicher Makel: Sein Pragmatismus ist geldpolitischen Hardlinern suspekt.
Vorurteile: Überbrückbar. a) Finnland repräsentiert nicht den Kern Europas! b) Ein Vertreter eines kleinen Landes wird global nicht ernst genommen!
Innenpolitik: Schwierig. Unklar, ob er die Rückendeckung der neuen Regierung in Helsinki hat.
Euro-Politik: Schwierig. Bei seiner Wahl gäbe es keinen Franzosen im Direktorium.

Foto: ? Ints Kalnins / Reuters/ REUTERS
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