Katastrophenfolgen Wie die Weltkonjunktur ins Wackeln gerät

Die Chance sinkt auf einen globalen Aufschwung, der die Welt mit Kraft aus der Krise bringt. Zu schwer wiegen die Erschütterungen, die von der Katastrophe in Japan ausgehen. Ein Überblick über die neuen Berechnungen der Experten, die ihren bisherigen Optimismus mehr und mehr begraben.
1 / 9
Foto: Franck Robichon/ dpa
2 / 9

Reiseschub: Das Wechselbad der Nachrichten um die Katastrophen-Reaktoren in Fukushima bringt bis ins ferne Russland Konsumenten aus der Fassung. Zum ersten Mal erleben sie eine Katastrophe, bei der nicht nur Habenichtse aus Afrika nach Europa oder von Asien nach Nordamerika fliehen, sondern auch westliche Manager in Nadelstreifen.

Foto: Alexander Dluzak
3 / 9

Angst: In Windeseile verabschieden sich Expat-Manager und Banker nicht nur aus Tokio, der Hauptstadt eines G7-Landes, sondern auch aus Bahrain, wo sich - wie in Syrien - die Lage zuspitzt.

Foto: JOSEPH EID/ AFP
4 / 9

Lebensmittelkontrolle: Die Sushi-Restaurants in Asiens größter Luxus-Hotelkette Shangri-La streichen währenddessen japanischen Fisch vom Menü. Von Südkorea über Thailand bis in die Philippinen werden Nahrungsimporte aus Japan auf Strahlung überprüft. Und in der Outdoor-Abteilung bei Amazon erleben "Survival"-Produkte wie Wasserfilter oder Atemmasken rekordhohe Seitenzugriffe. An den Bondmärkten sinkt derweil das Vertrauen weiter, was man an den steigenden Zinsen sieht. Auch das belastet die globale Konjunktur zusätzlich.

Foto: ISSEI KATO/ REUTERS
5 / 9

Revision Nicht nur Verbraucher, auch Analysten, bekommen nun Zweifel, was den bis Februar noch recht positiven Ausblick für die globale Konjunktur angeht. Harvard-Ökonom Niall Ferguson sieht ein "ziemlich inflationäres Szenario", das man seit den 70er Jahren nicht mehr gesehen habe. Und er trauert jetzt schon, "das Best-Case-Szenario sah vor wenigen Wochen noch so viel besser aus". Doch jetzt sorgten Nachfrage aus China und Kämpfe im Nahen Osten dafür, "dass die Ölpreise weiter steigen". Manche Beobachter werden angesichts der Situation sogar sarkastisch: "Eines haben wir jedenfalls nicht", stellt der Analyst Douglas Porter bei der Investmentbank BMO Nesbitt Burns in Toronto fest, "eine Knappheit an Risiken".

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa
6 / 9

Preisschub: Der Wirtschaftsprofessor Peter Morici an der University of Maryland sieht allein wegen des rasanten Anstiegs der Benzinpreise in Amerika 600.000 Jobs in Gefahr. Weil die Baumwollpreise seit September um 98 Prozent stiegen, wurde sogar der Druck der Dollar-Banknoten teurer, um 50 Prozent im vergangenen Jahr. Das kostete die US-Notenbank für die 6,4 Milliarden neu gedruckten Banknoten 204 Millionen Dollar zusätzlich.

Foto: ddp
7 / 9

Neue Einschätzung: In den USA wurden vergangenen Woche viele Produkte von Ketchup über Kaffee und Sportschuhen bis hin zu Windeln zwischen 3 Prozent und 22 Prozent teurer. "Das Erdbeben, die Tsunami und das Atom-Desaster, die Japan verwüstet haben, ist nichts gegen die Inflations-Tsunami, die auf die USA zurollt", heißt es in einer Stellungnahme auf der Webseite der National Inflation Association in den USA. Kurz nach dem Erdbeben hatten die ersten Reaktionen noch ganz anders gelautet: "Der Verlust aus der Produktion reicht nicht, um eine Rezession in Japan auszulösen", hatten die Volkswirte der Bank of America zu Beginn der vergangenen Woche geurteilt.

Foto: DPA
8 / 9

Neuer Pessimismus: Doch je mehr sich der Staub in Japan legt, und je länger das Drama um Fukushima anhält, desto negativer klingen die Analysen des Schadens. Das gilt auch mit Blick auf die Weltwirtschaft: "Das Desaster in Japan spielt sich nicht in einem Vakuum ab", urteilt Mohamed el-Erian, der Chef des weltweit größten Anleihefonds Pimco.

Foto: epa How Hwee Young/ picture-alliance/ dpa
9 / 9

Neue Perspektive: Stephen Roach, der 16 Jahre lang Chefvolkswirt von Morgan Stanley und Topökonom der Investmentbank in Asien war, zieht sein eigenes Fazit: "Die globale Weltwirtschaft nach der Krise wird von einem Schock nach dem anderen getroffen, und weil die Zentralbanken keinen Spielraum haben um die Zinsen weiter zu senken, ist es nicht schwer, sich ein Szenario vorzustellen, in dem die Geldschöpfung immer weiter zunimmt und mit Tränen endet".

Foto: Christian Charisius/ REUTERS
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.