Airbus contra Boeing Die umkämpften Tankflieger im Vergleich

Jahre währte der Bieterkampf um den Tankflugzeug- Milliardenauftrag der US-Luftwaffe. Und der europäische EADS-Konzern schien zwischenzeitlich schon der Sieger im Rennen um die lukrative Order zu sein. Doch dann kam die Wende zugunsten von Boeing. Ein Überblick über die Tankflugzeuge, die beide Kontrahenten ins Rennen geschickt haben.
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Die KC-45 von EADS ist vom Großraumflugzeug A330 abgeleitet, das vor allem auf Interkontinentalstrecken im Einsatz ist, unter anderem bei der Deutschen Lufthansa. Die KC-45 kann nach Herstellerangaben 25 Prozent mehr Kraftstoff befördern als die alten KC-135 und ist auch größer als Boeings aktuelles Konkurrenzmodell. Airbus verspricht bis zu 44 Prozent geringere Kosten pro ausgeliefertem Liter Treibstoff.

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Boeings Konkurrenzmodell basiert auf dem mehr als 30 Jahre alten Verkehrsjet Boeing 767, der von Airbus fast völlig vom Markt verdrängt wurde. Um das Modell für die Air Force interessanter zu machen, hat Boeing der Maschine zwischenzeitlich das Cockpit der modernen 787 "Dreamliner" verpasst. Boeing wirbt für den sogenannten NewGen Tanker mit günstigeren Wartungs- und Betriebskosten - der Sparvorteil liege bei bis zu 36 Milliarden Dollar.

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Hier befüllt die NewGen simultan zwei Super Hornets

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Airbus hat mit seinem Tankflugzeug bisher alle offenen internationalen Wettbewerbe gegen die Boeing-Maschine gewonnen. Der NewGen-Vorläufer KC-767 - noch mit dem ursprünglichen Cockpit - wurde bisher nur nach Japan und Italien verkauft, wo Boeing Teile fertigen lässt. Wo das Modell offen mit dem Airbus-Tanker konkurriert hat, wie in Australien, Großbritannien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, hatten stets die Europäer die Nase vorn.

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Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat sich enttäuscht über die Niederlage des europäischen EADS-Konzerns im milliardenschweren Wettbewerb um Tankflugzeuge für die US-Luftwaffe geäußert. "Natürlich wäre ein Zuschlag für EADS für uns eine gute Nachricht gewesen", erklärte der Minister am Freitag. Die Bundesregierung sei der Auffassung, dass EADS ein sehr gutes Angebot abgegeben habe.

Brüderle ergänzte, er gehe davon aus, «dass die Entscheidung von EADS North America und seinen amerikanischen Partnern nun genau analysiert wird und dabei auch über mögliche weitere Schritte und Konsequenzen nachgedacht wird». Gegen die Entscheidung des Pentagons, den Auftrag an den Konkurrenten Boeing zu vergeben, sind Rechtsmittel möglich.

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Der Milliardendeal: Die Airbus-Mutter EADS und der US-Erzrivale Boeing streiten sich seit fast einem Jahrzehnt um den 35 Milliarden Dollar schweren Auftrag für neue Tankflugzeuge.

Dezember 2003: Das US-Verteidigungsministerium legt einen Vertrag mit Boeing über 100 Tankflugzeuge auf Eis. Das Pentagon lässt prüfen, ob die Luftwaffe Boeing Informationen über das Angebot des Konkurrenten Airbus zuspielte und dem US-Unternehmen damit Vorteile verschaffte.

September 2005: EADS verbündet sich mit dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman. Im Falle des Zuschlags wollen sie die Maschinen in einem neuen Werk in Mobile im US-Staat Alabama bauen.

Februar 2008: Das Verteidigungsministerium vergibt den Auftrag für 179 Maschinen überraschend an EADS und Northrop. Boeing legt Beschwerde ein. Der US-Rechnungshof empfiehlt später eine Neuausschreibung, weil bei der Auftragsvergabe Fehler gemacht worden seien.

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Juli 2008: Das Pentagon entscheidet sich für eine neue Ausschreibung. Nach Angaben von Verteidigungsminister Robert Gates hatte das ursprüngliche Vergabeverfahren Mängel.

September 2008: Das Pentagon zieht den Auftrag überraschend komplett zurück. Erst der neue US-Präsident solle über die militärischen Anforderungen an das Flugzeug und die Strategie für den Erwerb entscheiden.

April 2009: EADS ist zu Zugeständnissen bereit und bietet Boeing eine Teilung des Geschäfts an. Dafür hatten sich mehrere US-Abgeordnete ausgesprochen.

September 2009: Mit einer Neuausschreibung leitet die US-Regierung unter Präsident Barack Obama eine neue Runde im Wettstreit ein.

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März 2010: Northrop Grumman zieht das gemeinsame Angebot mit EADS zurück und begründet dies mit unfairen Wettbewerbsbedingungen. Die neue Ausschreibung sei für den Konkurrenten Boeing maßgeschneidert. Airbus erwägt den Ausstieg aus dem Bieterverfahren, weil der Zeit für ein Solo-Angebot zu knapp erscheint.

Juli 2010: Airbus reicht doch ein Angebot ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten sich eingeschaltet und vor "protektionistischen Versuchungen" gewarnt. Das Pentagon verlängerte die Ausschreibungsfrist und Präsident Obama versprach einen fairen Wettbewerb.

November 2010: Dem Pentagon unterläuft eine peinliche Panne: Ein Beamter verschickt an die beiden Rivalen wichtige Daten zum Angebot der jeweiligen Gegenseite. Dennoch läuft die Ausschreibung weiter.

Februar 2011: Airbus und Boeing geben ihre endgültigen Angebote ab. EADS dreht noch etwas am Preis. Drei Wochen später wird die Entscheidung verkündet. Boeing gewinnt.

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Niederlage: Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat sich über die Entscheidung der USA enttäuscht gezeigt, einen milliardenschweren Auftrag für Tankflugzeuge an den US-Hersteller Boeing zu vergeben. "Wir sind enttäuscht und erstaunt", sagte EADS-Chef Louis Gallois am Freitag bei einer telefonischen Pressekonferenz. "Wir fragen uns, weshalb wir verloren haben."

Soweit er verstanden habe, sei es für die US-Luftwaffe "eine Preisfrage" gewesen. Genaueres solle am Montag bei einer "Manöverkritik" besprochen werden, "dann sehen wir, aus welchen Gründen wir verloren haben und unter welchen Umständen". Vorher wolle er nichts zu dem Vergabeverfahren der US-Regierung sagen, erklärte der französische Konzernchef.

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