Ölsand Wie China der Welt das Öl abgräbt

In Kanada werden immer größere, neuartige Ölquellen erschlossen. Doch die Ölsandvorkommen sichert sich jetzt China Zug um Zug - und versetzt Amerika und Deutschland in Aufregung. Ein Überblick über die erfolgreichsten Unternehmen und die Gefahren für den Westen.
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Reichtum: Energieanalysten der kanadischen Investmentbank BMO Capital Markets prognostizieren dem ölreichen Gebiet in Alberta für dieses Jahr 20 Milliarden Dollar Investitionen. Das wären über 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Bis 2015 soll das Volumen gar auf knapp 30 Milliarden Dollar anschwellen.

Laut der Investmentbank Peters & Co. in Calgary, die sich auf den kanadischen Energiesektor spezialisiert hat, sollen die Ölsandinvestitionen bis zum Ende des Jahrzehnts um 180 Milliarden Dollar zunehmen. Das entspräche fast dem Bruttoinlandsprodukt der Tschechischen Republik.

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Rücksetzer: Die Provinzregierung von Alberta senkte in der Rezession ihre ehrgeizige Förderprognose bis zum Jahr 2018 um 20 Prozent auf 2,7 Millionen Barrel pro Tag. Nur ein Jahr zuvor, im Boomjahr 2008, als die Bevölkerung von Alberta allein wegen der Zuwanderung von Ölarbeitern um 1,5 Prozent wuchs, hatte das Canadian Energy Research Institute noch vollmundig fünf Millionen Barrel pro Tag angepeilt. Doch der Crash zerschoss die schönen Blütenträume am Rande der Rocky Mountains. Triste Realität kehrte ein.

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Stabilisierung Derzeit werden 1,5 Millionen Barrel am Tag gefördert. Die schwere Rezession in Europa und den USA dezimierte die Nachfrage. Die Ölpreise kollabierten, von 147 Dollar je Barrel auf unter 40 Dollar. Viele Förderprojekte wurden unwirtschaftlich. Die Reißbretter - ebenso die ehrgeizigen Förderprognosen bis 2018 - wurden eilig eingestampft.

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Boom: Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Rush beginnt. In den Bilanzen der Ölfirmen ist der Ölboom dank des Ölpreissprungs über die 100 Dollar-Grenze für einen Barrel (159 Liter) schon zu erahnen. Die Exxon Mobil-Tochter Imperial Oil beispielsweise, Kanadas zweitgrößter integrierter Energiekonzern und einer der führenden Ölsand-Player, meldete für das jüngste Quartal vor wenigen Tagen eine Gewinnsteigerung um 50 Prozent. Einer der wichtigsten Gründe für den Schub: Der höhere Ausstoß beim Ölsandprojekt Cold Lake

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Expansion:: Suncor präsentierte im Dezember eine neue Wachstumsstrategie: Die Ölsandförderung soll binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt werden, auf eine Million Barrel pro Tag. Hierfür haben die Kanadier eine strategische Allianz mit dem französischen Energiekonzern Total vereinbart. Total lässt sich das Abenteuer in Kanadas Öl Dorado 1,75 Milliarden Dollar kosten.

Die Franzosen haben im Januar vom Energy Resources Conservation Board (ERCB) in Kanada die vorläufige Genehmigung für die riesige "Joslyn North Mine" bekommen. Das Projekt liegt unweit der Öldrehscheibe Fort McMurray und dehnt das gesamte Fördergebiet in der Ölsandregion auf einen Schlag um 7 Prozent aus.

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Abhängigkeit: Welche strategische Bedeutung Kanada für die USA erlangt hat, wird aus den jüngsten Monatszahlen der amerikanischen Energy Information Administration deutlich. Von den 332 Millionen Barrel Öl, die die USA im November - dem jüngsten Berichtsmonat - importierten, stammten 49,5 Millionen aus Emiraten am Persischen Golf. Rund 34 Millionen Barrel lieferte Saudi Arabien. Doch Kanada verkaufte den USA mit 75 Millionen Barrel mehr als doppelt so viel wie die Saudis.

Dank der Ölsande liefert Kanada täglich im Schnitt zwei Millionen Barrel und mehr in die USA, 22 Prozent der amerikanischen Gesamtimporte.

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Beunruhigung Energiestrategen, die europäische und amerikanische Regierungen beraten, schieben wegen der Proteste in Nordafrika und dem Nahen Osten jetzt noch mehr Überstunden als sonst.

Wohin schießt der Ölpreis trotz wackliger Weltwirtschaft ? Was machen, wenn die Straße von Hormuz schließt ? Wie ersetzen wir versiegende Vorkommen? Welche Quellen bleiben übrig, wenn Chinas Staatsbetriebe ihren globalen Shoppingtrip beendet und ihre riesigen Kriegskassen geleert haben, um den massiven Energiehunger im Reich der Mitte über Jahrzehnte hinweg zu sichern?

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Analyse: Dass der chinesische Vormarsch in die kanadischen Ölgebiete die US-Administration alarmiert, wird auch aus der Position des Department of Energy in Washington deutlich: Der Ensys-Bericht empfiehlt, zur Not auch ohne Pipelines die Ölimporte aus Kanada stark zu forcieren.

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