Überblick Was deutschen Anlegern und Unternehmen bei einer Zinswende blüht

Kapital wird knapp: Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet für die kommenden Jahre mit einer Zinswende. Die Folgen für Firmen und Sparer im Überblick.
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Stärker als in anderen Volkswirtschaften vertrauen Unternehmen in Deutschland auf Fremdkapital zur Finanzierung ihres Geschäfts. Sie sind also vergleichsweise hoch verschuldet. Das liegt zum einen an der Stärke der deutschen Industrie. Mehr als die Dienstleistungsbranche, die zum Beispiel die Wirtschaft in Großbritannien dominiert, ist die Industrie auf kostspielige Maschinen und Anlagen angewiesen. Diese Investitionen werden meist mit Fremdkapital finanziert, also in der Regel mit Bankkrediten oder Anleihen. Darüber hinaus haben deutsche Unternehmer versucht, ihre hohen Lohnstückkosten durch Kapitalinvestitionen zu mindern, nach dem Motto: Auf Pump gekaufter Roboter ersetzt Arbeiter.

Foto: McKinsey & Company
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Der Umbau zur immer kapitalintensiverer Produktion wurde den Unternehmen leicht gemacht: Die Zinsen für Anleihen oder Kredite sind in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren nahezu konstant gesunken. Investitionen wurden billiger. Im gleichen Zeitraum stiegen auch die Gewinne der deutschen Konzerne, mit Ausnahme des Rezessionsjahres 2009, nahezu kontinuierlich an. Dabei half es ebenfalls, dass die Konzerne für ihre Schulden immer geringere Zinsen zahlen mussten.

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Die gestiegenen Gewinne haben eine auf den ersten Blick paradox anmutende Folge: Zwar liegt der Fremdkapitalanteil deutscher Unternehmen im internationalen Vergleich immer noch recht hoch, doch in den letzten zwölf Jahren ist er immerhin um fast 10 Prozentpunkte gesunken, von knapp 76 Prozent auf gut 66 Prozent. Nach wirtschaftswissenschaftlichem Lehrbuch sollten sinkende Zinsen eigentlich dazu führen, dass sich die Unternehmen stärker verschulden – schließlich sind Kredite und Anleihen billiger geworden. Aber offenbar haben viele Unternehmen lieber die hohen Gewinne der vergangenen Jahre genutzt um Schulden abzubauen.

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Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet für die kommenden Jahre mit einer Zinswende: Nahezu drei Jahrzehnte mit immer niedrigerer Kapitalkosten werden zu Ende gehen, eine möglicherweise ebenso lange Hochzinsphase wird beginnen. Die Zinswende könnte deutsche Unternehmen empfindlich treffen. Bereits ein Anstieg der Zinsen um zwei Prozentpunkte würde jedes im Dax vertretene Industrieunternehmen im Schnitt 500 Millionen Euro pro Jahr kosten. Dabei beschreiben zwei Prozentpunkte Zinsanstieg keineswegs ein extremes Szenario – sondern lediglich, dass die Kapitalkosten auf ihren langfristigen Durchschnittswert zurückkehren.

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Nicht nur Unternehmen, auch den Staat käme ein Zinsanstieg teuer zu stehen. Schon jetzt müssen die Deutschen jedes Jahr 2,2 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Zinszahlungen auf öffentliche Schulden aufbringen. Damit liegt die Bundesrepublik im Mittelfeld der Industriestaaten.

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Die Laufzeiten der Wertpapiere, mit denen der Bund seine Schulden finanziert, sind in den vergangenen Jahren im Schnitt immer kürzer geworden. Solange die Zinsen sanken, war das eine vernünftige Strategie. Doch wenn die Zinswende kommt, wird die Zinslast der Bundesrepublik auch besonders schnell wieder steigen. Andere Staaten versuchen bereits, sich durch längere Anleihelaufzeiten die derzeit noch niedrigen Zinsen möglichst lange zu sichern. So brachte Mexiko im Oktober eine Anleihe mit 100jähriger Laufzeit auf den Markt, mit einem für das Schwellenland sehr günstigen Zinssatz von 6,1 Prozent.

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Das Gegenargument gegen die Flucht in längere Laufzeiten: Die Finanzmärkte haben die langfristig steigenden Zinsen längst eingepreist und fordern für längere Laufzeiten entsprechende Zinsaufschläge. Die Finanzagentur des Bundes setzt daher auch 2011 zum großen Teil auf Kurzläufer. 39 Prozent des gesamten zur Refinanzierung anstehenden Volumens von 302 Milliarden Euro wird durch Papiere mit Laufzeiten bis zu 12 Monaten abgedeckt. Dagegen genießen 30jährige Bundesanleihen mit 3 Prozent Anteil fast schon Exotenstatus.

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Immerhin, diese Lehrbuchweisheit hat sich betätigt: Wenn die Zinsen sinken, steigen die Aktienkurse. Die Geldanlage in Aktien erscheint bei niedrigen Zinsen vergleichsweise attraktiv. Geringe Kapitalkosten verhelfen Unternehmen zudem zu höheren Gewinnen, was ebenfalls die Aktienkurse treibt.

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Auch der Private-Equity-Branche verlieh der Zinsverfall der letzten 20 Jahre förmlich Flügel: Durch niedrige Zinsen konnten die Private- Equity-Fonds selbst große kreditfinanzierte Unternehmenskäufe stemmen. Weil diese Schulden anschließend meist den übernommenen Unternehmen aufgeladen werden, gerieten die Fonds als "Heuschrecken" in Verruf. Die niedrigen Zinsen halfen der Private-Equity-Branche aber auch, ihre Gewinne durch den Einsatz von immer mehr billigem Fremdkapital und immer weniger Eigenkapital nach oben zu hebeln – zu "leveragen" wie es im Branchenjargon heisst.

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Die deutschen gelten als Aktienmuffel. Eine Eigenschaft, die sich bei einem Zinsanstieg auszahlen würde: Fast zwei Drittel des Geldvermögens der Deutschen ist in Bankguthaben und (Lebens-)versicherungen angelegt, gerade mal vier Prozent in Aktien. Mit steigenden Zinsen würde das Geldvermögen der Deutschen also wachsen - vorausgesetzt, die Lebensversicherungen stellen ihre Anlagestrategie rechtzeitig auf langlaufende Anleihen um.

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