Geely kauft Volvo Angriff in der Oberklasse

Peking holt auch bei Schlüsseltechnologien wie Maschinenbau oder der Autoindustrie auf - und verfolgen eine selbstbewußte Expansionsstrategie. Was die Chinesen mit dem schwedischen Autobauer Volvo vorhaben.
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Große Freude: Volvo-Käufer Li Shufu nach der Vertragsunterzeichnung mit Ford-CFO Lewis Booth

Der Eigentümer: Li Shufu (47) ist einer der bekanntesten Entrepreneure Chinas. Der Sohn eines Reisbauern produzierte mit seiner 1986 gegründeten Firma Geely erst Kühlschränke, dann Motorräder, und seit 1997 bauen sie Autos. Das waren bislang einfache und billige Karossen. Die günstigste ist für 3000 Dollar zu haben. Rund 300.000 dieser Kleinwagen verkauft Geely im Jahr.
Doch Li will mehr. Er will ins Ausland, und er will in die Oberklasse. Als Ford seine Tochter Volvo zum Verkauf anbot, meldete sich Geely deshalb sofort und bekam für 1,5 Milliarden Dollar den Zuschlag. Ende März 2010 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. Bei der Zeremonie in Göteborg war auch Chinas Industrieminister Li Yizhong anwesend. Ein Signal, dass der Geely-Volvo-Deal in China ein politisches Anliegen ist. Er ist für Peking ein Präzedenzfall: Die Industriestrategen wollen endlich beweisen, dass Chinesen erfolgreich ein ausländisches Markenunternehmen führen können.

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Große Pläne: Volvo-Chef Jacoby will massenschaft Schwedenautos in China bauen, auch für den Export

Der Lenker: Stefan Jacoby (52) hat sein erstes Bewerbungsgespräch mit Li Shufu per Videokonferenz geführt. Jacoby, damals noch Chef von VW-Nordamerika, saß morgens um 6 Uhr in Washington, Li um 19 Uhr in Hongkong. Eine Woche später war Jacoby im Flugzeug nach China, um Li persönlich zu treffen. Die beiden verstanden sich. Li engagierte Jacoby als neuen Volvo-CEO (der alte blieb bei Ford), auch weil er Asien-Erfahrung (bei VW und Mitsubishi) vorzuweisen hat. "Das hilft mir enorm", sagt Jacoby, der sein Amt in Göteborg Mitte August antrat.
Mit Li spricht Jacoby unregelmäßig, "im Schnitt aber mindestens einmal im Monat". Jacoby glaubt, dass unter Geely die Freiheitsgrade größer seien als unter dem US-Konzern Ford. Schließlich habe Li gesagt: "Geely ist Geely, und Volvo ist Volvo."
Als Verbindungsmann zwischen Göteborg und Shanghai, wo Volvo gerade sein China-Headquarter aufbaut, fungiert Freeman Shen, der früher für Fiat in China arbeitete und heute ein enger Berater von Li Shufu ist. Die ersten 50 Volvo-Mitarbeiter sind bereits auf dem Sprung nach China. Jacoby: "Wir schicken unsere besten Leute hin - fachlich wie menschlich." Umgekehrt gibt es wenige Chinesen in der Volvo-Zentrale. Und auch der Verwaltungsrat ist nicht chinesisch dominiert, sondern - so wollte es Li Shufu - mit international erfahrenen Branchenexperten wie Håkan Samuelsson (Ex-MAN-Chef), Herbert Demel (Magna) und dem ehemaligen Volvo-Chef Hans-Olov Olsson besetzt.

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Die Strategie: Derzeit arbeiten gemischte Teams zusammen mit dem Verwaltungsrat an der Formulierung einer globalen Gesamtstrategie für Volvo. Die grobe Richtung ist freilich jetzt schon klar: Volvo soll in den alten Märkten Europa und USA wachsen, aber noch viel mehr in China. Dort soll der Absatz von derzeit 25.000 auf bald 100.000 und mittelfristig gar 300.000 Autos gesteigert werden. Dazu werden in China drei Fabriken hochgezogen. Ein Standort steht schon fest: Chengdu im Westen des Landes.
Um den Produktionsaufbau zu überwachen, hat Volvo mit Lars Danielsson (61) den erfahrensten Produktionsexperten Anfang November nach China abkommandiert. Welche Autos in China gebaut werden, steht noch nicht fest. "Aber es werden keine speziellen Modelle für den chinesischen Markt sein", versichert Jacoby.
Eigentümer Li drängt offenbar, die Modellreihe nach oben auszuweiten, um vor allem in China gegen die 7er-Serie von BMW und die S-Klasse von Mercedes antreten zu können.
Irgendwann - auf einen Zeitpunkt will sich Jacoby nicht festlegen - werden auch Volvos made in China im Westen verkauft werden. "Wir haben dort dieselben Prozesse, Materialien und Maschinen, warum sollen dort gebaute Autos qualitativ schlechter sein?", fragt er rhetorisch und fügt hinzu: "Bei Apple regt sich doch auch keiner auf, weil deren Produkte aus China kommen."

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