Steuerjahr 2011 Wichtige Änderungen im Überblick

Das häusliche Arbeitszimmer wird wieder absetzbar, die Lohnsteuerkarte verschwindet, die Bedingungen für die strafbefreiende Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung ändern sich. Das sind nur drei Beispiele für wichtige steuerliche Änderungen im kommenden Jahr - manager magazin zeigt mehr.
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Heimarbeit: Wer ein Arbeitszimmer zuhause hat, kann von den Aufwendungen dafür künftig 1250 Euro pro Jahr von der Steuer absetzen, wenn für die Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Bisher konnte das Homeoffice steuerlich nur geltend gemacht werden, wenn es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit darstellte. Die Neuregelung gilt rückwirkend ab 2007.

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Wachwechsel: Künftig gibt es keine Lohnsteuerkarten mehr. Die Karte für 2010 behält für den Übergang ein Jahr länger ihre Gültigkeit, bis 2012 das geplante elektronische Lohnsteuerabzugsverfahren eingeführt wird. Wer während dieser Phase Änderungen etwa der Lohnsteuerklasse eintragen lassen will, muss sich künftig nicht mehr ans Meldeamt, sondern ans Finanzamt wenden.

"Familienzuwachs oder sonstige steuerrelevante Änderungen der persönlichen Verhältnisse müssen dennoch auf der Steuerkarte eingetragen werden", sagt Steffi Müller, Präsidentin der Steuerberaterkammer Sachsens. "So werden die Steuern korrekt berechnet und Nachzahlungen vermieden."

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Hin und Her: Nach der aktuellen Gesetzeslage sind Zinsen, die dem Steuerpflichtigen aufgrund von Einkommensteuererstattungen vom Staat gezahlt werden, steuerpflichtige Kapitaleinkünfte. Zinsen jedoch, die aufgrund von Steuernachzahlungen zu entrichten sind, können steuerlich nicht abgesetzt werden. Der Bundesfinanzhof nun hat diese Regelung verworfen und die Erstattungszinsen ebenfalls als nicht steuerbar eingestuft.

Diese Rechtsprechung wiederum wird durch eine aktuelle Gesetzesänderung aufgehoben, so dass die Erstattungszinsen wieder steuerpflichtig sind. "Bemerkenswert ist dabei, dass der Gesetzgeber die Anwendung dieser Gesetzesänderung auf alle noch nicht bestandskräftigen Fälle anwenden will", sagt Harald Elster, Präsident des Steuerberaterverbandes Köln. "Diese Ungleichbehandlung und Rückwirkung verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz und bedarf der verfassungsrechtlichen Überprüfung."

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Steuerflucht: Eine Selbstanzeige ist künftig nur noch strafbefreiend, wenn die hinterzogenen Steuern aller noch nicht verjährten Zeiträume offenbart werden. "Damit findet ein Paradigmenwechsel statt", sagt Steuerexperte Elster. "Bisher bestand die Möglichkeit einer Teilselbstanzeige. Mit der Einbeziehung aller strafrechtlich nichtverjährten Veranlagungszeiträume sowie Steuerarten steigt in einem ganz erheblichen Maße das Risiko einer – unabsichtlich – fehlerhaften Selbstanzeige."

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Zinsen, Dividenden, Kursgewinne: Wer Kapitalerträge auf verschiedenen Konten verbucht, sollte seinen Steuerfreibetrag geschickt darauf verteilen. Wichtig: Ab Anfang 2011 müssen die Freistellungsaufträge mit der Steuer-ID-Nummer versehen werden. Vor diesem Stichtag gestellte Aufträge bleiben zunächst auch ohne die ID wirksam, schreibt Steuerberater Christian Westhoff aus Nordkirchen bei Hamm in einer Rundmail. Sie sollen ihre Gültigkeit ab 2016 verlieren, wenn der Bank bis dahin keine Steuer-ID vorliegt.

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Rechte Tasche, linke Tasche: Im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen, speziell der Handwerkerleistungen, kann noch für 2010 der Steuerbonus von 20 Prozent der Arbeitskosten, jedoch höchstens 6.000 Euro, auch dann geltend gemacht werden, wenn für die Maßnahme öffentliche Gelder oder zinsverbilligte Darlehen in Anspruch genommen wurden. Einzige Ausnahme war bisher das durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau geförderte CO2-Gebäudesanierungsprogramm.

Um eine Doppelförderung zu vermeiden, werden künftig weitere öffentlich geförderte Maßnahmen von dieser Steuerermäßigung ausgeschlossen. Beispiele sind die energetische Renovierung oder altersgerechtes Umbauen. Die Änderungen gelten erstmals für Leistungen, die im Jahr 2011 erbracht werden.

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Verlustgeschäfte: Steuerexperte Westhoff macht noch auf eine weitere Änderung aufmerksam. Demnach wird der Verkauf von Gerbrauchsgegenständen wie Gebrauchtwagen künftig aus dem Anwendungsbereich der privaten Spekulationsgeschäfte herausgenommen. Damit soll erreicht werden, dass die bei solchen Geschäften anfallenden Verluste steuerlich nicht mehr berücksichtigt werden können, so Westhoff. Die Regelung gilt allerdings nur für zu veräußernde Gegenstände, die nach Inkrafttreten erworben werden.

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Grund zum Lächeln: Paare, die im kommenden Jahr Nachwuchs erwarten, sollten dem Partner, der später zuhause bleiben möchte, frühzeitig die Steuerklasse III zuweisen. So erhöht sich die Bemessungsgrenze für das spätere Elterngeld. Der Wechsel kann sich für den weiter arbeitenden Partner allerdings auch nachteilig auswirken, etwa bei plötzlicher Arbeitslosigkeit oder längerer Krankheit.

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Private Rente: Im kommenden Jahr sind die Beiträge für die Altersvorsorge als Vorsorgeaufwendungen zu einem höheren Anteil als bislang von der Steuer absetzbar. Dies gilt für Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung, für berufsständische Versorgungswerke und für Rürup-Verträge (Basisrente).

2011 können 72 Prozent der Vorsorgebeiträge abgesetzt werden, maximal jedoch 20.000 Euro bei Singles, 40.000 Euro bei Verheirateten. In den kommenden Jahren steigt dieser Anteil sukzessive an – im Jahr 2025 sind nach Angaben des Finanzvertriebs MLP die gesamten Vorsorgeleistungen steuerlich absetzbar.

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Ehrensache: Ab 2011 gibt es für ehrenamtliche Vormünder, rechtliche Betreuer und Pfleger eine spezielle Steuerbefreiungsvorschrift. Die Aufwandsentschädigung dieser Personen bleibt dann wie die Einnahmen von Übungsleitern bis zu einem Betrag von 2100 Euro im Jahr steuerfrei.

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Kompliziertes Steuerrecht: Im Koalitionsvertrag war noch von einer Wiedereinführung der Abzugsfähigkeit der Steuerberatungskosten die Rede - bislang ist daraus aber nichts geworden. Laut Kölner Steuerverbandspräsident Elster wäre durch diese Abzugsfähigkeit keineswegs nur sein Branche im Vorteil. "Die Nichtberücksichtigung belastet alle Bürger, die aufgrund der schwierigen Steuergesetze die steuerberatenden Berufe aufsuchen müssen", sagt er.

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