Endspiel um Stuttgart 21 Wer im Ländle für den Sieg kämpft

In Stuttgart stehen die Zeichen auf Vermittlung, doch im Kampf um den neuen Bahnhof brodelt es unter der Decke weiter. Die Lage ist derart aufgeheizt, dass es am Ende viele Verlierer geben könnte. manager magazin zeigt, für wen besonders viel auf dem Spiel steht.
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Umstrittenes Großprojekt: Der Stuttgarter Kopfbahnhof soll einem Tiefbahnhof weichen, den ein Tunnel an eine Neubaustrecke nach Ulm anbindet. Gegner und Befürworter versuchen die zum Teil blutige Auseinandersetzung in Schlichtungsgesprächen zu beruhigen, doch die Positionen sind bisher nahezu unverändert geblieben. manager magazin zeigt mögliche Gewinner und Verlierer des erbitterten Konflikts.

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Rüdiger Grube: Der Bahn-Chef setzt sich knallhart und unmissverständlich für Stuttgart 21 ein - Bereitschaft zu Kompromissen hat er noch nicht erkennen lassen. Er hat mächtige Verbündete wie die Bauindustrie und Kanzlerin Merkel - und könnte den Bahnhof durchboxen, indem er vor der Wahl Fakten schafft. Bei einem Regierungswechsel im Bund 2013 wäre er seinen Posten an der Bahn-Spitze dann allerdings wohl los.

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Stefan Mappus: Der 44-Jährige Ministerpräsident steht erst seit Oktober 2009 an der Spitze der baden-württembergischen Regierung und könnte sein Amt bei der Landtagswahl im kommenden März wegen des Streits um Stuttgart 21 verlieren. Dabei gilt der CDU-Politiker als große Hoffnung des konservativen Flügels. Bewahrt Mappus allerdings Haltung, hat er Chancen auf ein Comeback.

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Winfried Kretschmann: Standhaft behauptet der Grünen-Fraktionschef angesichts von Umfrageergebnissen von mehr als 30 Prozent für seine Partei, er bleibe auf dem Teppich, "auch wenn der Teppich fliegt". Der Streit um Stuttgart 21 könnte den Spitzenkandidaten ohne Weiteres auf den Ministerpräsidentensessel hieven. Doch dann droht ein Horrorszenario: Ist der Bau von Stuttgart 21 im Frühjahr 2011 weit fortgeschritten, müsste der ehemalige Lehrer entweder einen mindestens dreistelligen Millionenbetrag für einen Ausstieg lockermachen oder den Bahnhofsbau fortsetzen. Eine Volksabstimmung könnte dem vielfach als "konservativen Grünen" beschriebenen Kretschmann die Entscheidung abnehmen.

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Werner Wölfle (v.l.), Gangolf Stocker, Peter Conradi: Die Gegner des milliardenschweren Bahnprojekts Stuttgart 21 haben etwas geschafft, das in Stuttgart lange als unmöglich galt und Zehntausende zum Demonstrieren auf die Straße gebracht. An den Protestaktionen beteiligt sich ein breiter Querschnitt der Bevölkerung. Dieser Erfolg bleibt - auch wenn der Bahnhof dennoch gebaut wird.

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Heiner Geißler: Der ehemalige Generalsekretär ist der Mann der Stunde in Stuttgart. In schier auswegloser Situation versucht er eine Schlichtung. Dass er die Parteien an einen Tisch bekommt, ist schon ein Erfolg. Für Geißler gilt: Er hat keine Chance, doch wenn er die nutzt, ist er der Held. Zu verlieren hat er nicht viel.

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Tanja Gönner: Die baden-württembergische Verkehrsministerin steht diszipliniert an der Seite ihres Chefs Stefan Mappus. Ihre Glaubwürdigkeit ist leicht angekratzt durch eine inzwischen ruhende Tätigkeit für die Stiftung eines Betreiber von Einkaufszentren, der auf dem freiwerdenden Bahngelände bauen will. Geht sie mit Mappus unter, könnte sie - kampferprobt - an seiner Seite oder an der der Bundeskanzlerin eines Tages wieder auferstehen, auch aufgrund ihres relativ jungen Alters (41) bei gleichzeitig großer Erfahrung.

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Ernst Pfister: Der baden-württembergische Wirtschaftsminister, befürwortet Stuttgart 21, blieb dabei aber lange vergleichsweise still. Nun nimmt er an den Schlichtungsgesprächen teil und gibt sich kompromisslos: Aus dem Ja zu Stuttgart 21 könne kein Nein werden. Pfister selbst wird den Bahnhofsbau als Minister jedoch nicht mehr lange begleiten. Er will sich 2011 aus der Politik zurückziehen.

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Walter Sittler: Der Schauspieler zählt zu den prominenten Gegnern von Stuttgart 21. Materielle Verluste muss er kaum fürchten - seine Popularität hat durch die Proteste sicher nicht gelitten. Einen Volksentscheid zugunsten des Bahnhofsbaus würde er akzeptieren: "Ich beiße mir auf die Zähne und dann ist es das halt", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

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Martin Herrenknecht: Der Vorstandschef der gleichnamigen Baufirma kämpft mit der seinen Tunnelbohrmaschinen eigenen Kompromisslosigkeit für den Bahnhof. Kein Wunder, stehen ihm doch lukrative Ausfträge ins Haus. Überlebenswichtig für seine Firma sind diese allerdings kaum - das Unternehmen ist weltweit gut im Geschäft. Sollte ein Grüner Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden und das Projekt kippen, werde er in die Schweiz auswandern, hat Herrenknecht gerdroht. Dann wäre er möglicherweise zumindest ein Steuergewinner.

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Herbert Bodner: Als Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger hält sich Bodner offiziell zurück beim Thema Stuttgart 21. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, dessen Präsident Bodner ist, findet dagegen klare Worte. Stuttgart 21 drohe zu einem Fanal für die deutsche Gesellschaft zu werden, sagt Hauptgeschäftsführer Michael Knipper. Großprojekte seien dann hierzulande kaum noch durchzusetzen. Die Branche würde vermutlich aber nicht wirklich leiden. Sie erzielt den Großteil der Gewinne im Ausland - und deutsche Firmen bei Stuttgart 21 im großen Stil zum Zug kommen, ist noch längst nicht ausgemacht.

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Peter Ramsauer: Der Bundesverkehrsminister ist naturgemäß für Stuttgart 21, hält den Ball aber vergleichsweise flach. Ein Ausstieg aus dem Projekt würde ihn deshalb weniger beschädigen als andere. Auch eine mögliche Niederlage der CDU in Baden-Württemberg müsste er sich als CSU-Mann weniger zu Herzen nehmen. Relativ betrachtet würde der Einfluss der Bayern in Berlin sogar etwas steigen.

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Angela Merkel: Zu gewinnen gibt es für Angela Merkel wenig im Kampf um Stuttgart 21, zu verlieren viel. Die CDU-Vorsitzende hat die Landtagswahl zur Abstimmung über das Bauvorhaben ausgerufen. Gewinnt dort die Opposition, ist sie in Stefan Mappus zwar einen Kritiker los, doch auch sie selbst geriete ins Fadenkreuz der verbliebenen parteiinternen Widersacher. Die Kanzlerin hat daher das Zeug zur größten Verliererin in der Auseinandersetzung.

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