Fotostrecke Was aus den DDR-Kombinaten wurde

Im Sommer 1990 gingen rund 8500 "Volkseigene Betriebe" mit etwa vier Millionen Beschäftigten in rund 45.000 Betriebsstätten im Portfolio der Treuhandanstalt. Was aus den größten VEBs wurde, zeigt der Überblick.
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Für die damalige DDR war aus ökonomischer Sicht der 1. Juli 1990 das wichtigere Datum als der 3. Oktober 1990. Ostdeutschland erhielt an diesem Sommertag eine neue Wirtschaftsverfassung nach dem Vorbild des Westens. Denn mit dem Staatsvertrag trat am 1. Juli auch die ausgehandelte deutsch-deutsche Wirtschafts- und Währungsunion in Kraft. An diesem Tag hielt allerdings nicht nur die D-Mark Einzug in Ostdeutschland, sondern gingen auch die "Volkseigenen Betriebe" (VEB) in den Besitz der Treuhandanstalt über.

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Im Sommer 1990 befanden sich rund 8500 Gesellschaften mit etwa vier Millionen Beschäftigten in rund 45.000 Betriebsstätten im Portfolio der Treuhandanstalt (im Bild Birgit Breuel, die ab 1991 die Geschäfte der Treuhand leitete). 1995 wurde die Treuhandanstalt umbenannt in Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS). Durch Ausgründungen, Spaltungen oder Fusionen hat sich dieser Bestand ständig verändert. Im Jahr 1994, als die Behörde ihre Privatisierungstätigkeit quasi einstellte, betrug der Bestand rund 12.400 Unternehmen, teilt die BvS mit.
Von den Ost-Betrieben wurden bis dahin rund 6600 Unternehmen vollständig oder mehrheitlich privatisiert, 8000 Betriebsteile privatisiert, 1600 Unternehmen vollständig reprivatisiert und 2800 Unternehmensteile reprivatisiert. Nach weiteren Angaben der BvS wurden 310 Unternehmen vollständig kommunalisiert und 19.900 Vermögensobjekte an Kommunen übertragen (Teilkommunalisierung). Über rund 3300 Unternehmen wurde ein Liquidationsverfahren und über 440 Unternehmen ein Gesamtvollstreckungsverfahren eröffnet.

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Der VEB Robotron zum Beispiel wurde 1969 gegründet und zählte mit rund 68.000 Mitarbeitern (1989) zu den größten Kombinaten der ehemaligen DDR. Es war ein Industriekombinat im Bereich des Ministeriums für Elektrotechnik und Elektronik. Robotron bestand zunächst aus zehn juristisch selbständigen Betrieben und Instituten, deren Zahl bis 1990 auf 21 anwuchs. Das Kombinat war in der DDR alleinverantwortlich für Entwicklung, Produktion und Vertrieb von EDV-Anlagen, Personalcomputern, Prozess- und Steuerungsrechnern sowie Softwaretechnologien. Das Kombinat Robotron als Organ wurde zum 1. Juli 1990 aufgelöst, die Betriebe in Kapitalgesellschaften umgewandelt, deren alleiniger Anteilseigner die Treuhand war. Die Firma Robotron Datenbank-Software (Bild) etwa, die 1990 aus dem Bereich Datenbank-Entwicklung des VEB Robotron ausgegründet wurde, ist heute ein Tochterunternehmen von Oracle.

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Einzelne Betriebe im Kombinat VEB Robotron stellten darüber hinaus Büromaschinen, Messgeräte und Elektroschaltgeräte her oder waren im Anlagebau tätig. In den 1980er Jahren lieferte Robotron Peripheriegeräte wie Drucker oder Plotter auch nach Westdeutschland und die USA. Im Bild eine weitere Robotron-Ausgründung, die Xenon Automatisierungstechnik in Dresden.

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Im globalen Wettbewerb konnten die meisten Kombinatsbetriebe nicht bestehen, sie wurden liquidiert und verkauft. Vereinzelt wurde aber auch Betriebsteile als Joint-Venture oder Management-Buy-Out ausgegründet - unter anderem mit IBM, SAP und Siemens-Nixdorf. Lediglich 5 Prozent der 68.000 Beschäftigten des VEB Robotron gelang es am Ende, in branchennahe Nachfolgeunternehmen zu wechseln. Dazu gehören auch die rund 500 festen Mitarbeiter der Schäfer IT-Logistik in Dresden, die unter anderem mit der US-Firma Compaq kooperieren.

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Das Unternehmen Carl Zeiss wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den sowjetischen Besatzern in Jena übernommen und zum Teil demontiert. Gegen den erbitterten Widerstand der Belegschaft wurde der Optikspezialist im Juli 1948 verstaatlicht und als VEB Carl Zeiss Jena in die neue DDR-Staatsindustrie integriert. Zugleich wurde eine VVB Optik begründet, die die Arbeit der VEBs auf dem Gebiet der Optik koordinieren sollte.

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1965 wurde der VEB Carl Zeiss Jena in ein Kombinat umgewandelt, das fortan wachsen sollte. So wurde dem Kombinat schon 1965 der VEB Rathenower Optische Werkstätten zu geordnet, später auch andere volkseigene Betriebe der optisch-feinmechanischen und Elektronik-Industrie. In den 1980er Jahren umfasste das Zeiss-Kombinat 25 Betriebe mit bis zu 70.000 Beschäftigten.
Im Zuge der Privatisierung des Kombinats durch die Treuhandanstalt wurde das Unternehmen in zwei Teile aufgespalten. Das klassische Optikgeschäft ging als Tochter an den westdeutschen Carl Zeiss-Konzern aus Oberkochen. Der Rest wurde zu Jenoptik und unter Führung von Lothar Späth an die Börse gebracht.

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Bis zur Wende produzierten in Jena rund 30.000 Beschäftigte nahezu alles, was mit Optik zu tun hat: Linsen, Feldstecher und Mikroskope, Brillengläser und Planetariumsprojektoren. Präzisionslinsen sind bis heute das Kerngeschäft der westdeutschen Carl Zeiss Jena GmbH (Foto), der das Optikgeschäft des VEB Kombinats zugeschlagen wurde.

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Erst war der Stahl, dann kam die Stadt. Im Juni 1950 beschloss die DDR-Führung den Bau des Eisenhüttenkombinates Ost (EKO) und einer Wohnstadt für deren Beschäftigte. Der erste Hochofen ging im September 1951 in Betrieb, fünf weitere, die Erzaufbereitung und die Sinteranlage folgten bis 1954. Später kamen noch ein Kaltwalzwerk für Flachstahl, eine Anlage zur Oberflächenveredelung von Blechen und ein Stahlwerk hinzu.

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In den 1960er Jahren war das Kombinat mit rund 16.000 Beschäftigten und sieben weiteren Betrieben das größte Metallurgiekombinat der DDR. Es avancierte zum politischen und wirtschaftlichen Vorzeigeobjekt. Für den Rohstoff-Nachschub sorgten sowjetisches Eisenerz und polnische Steinkohle.

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Wie andere VEBs auch ging das Unternehmen im Juli 1990 zunächst in den Besitz der Treuhand über und wurde in EKO Stahl AG umfirmiert. 1994 verkaufte die Treuhand das Unternehmen an den belgischen Stahl- und Maschinenbaukonzern Cockerill-Sambre. Das seitdem wieder als GmbH firmierende Unternehmen wurde mit öffentlichen Geldern modernisiert, es erhielt zum Beispiel ein Warmbreitbandwalzwerk (Bild) und konzentrierte sich auf die Produktion von Flachstahl. Seit 2002 gehört die EKO Stahl gemeinsam mit seinem damaligen belgischen Mutterkonzern zur Arcelor-Gruppe. Nach der Fusion von Arcelor mit der indischen Mittal Steel Company trägt das Unternehmen seit dem Jahr 2006 den Namen ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH.

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Das Kombinat Schiffbau war ein Volkseigener Betrieb der DDR und wurde 1979 mit Sitz in Rostock gegründet. Das Kombinat entstand aus der 1959 gebildeten VVB (Vereinigung Volkseigener Betriebe) Schiffbau. Dem Kombinat gehörten rund 24 VEBs an - darunter auch die 5 Seeschiffswerften der DDR: "Warnowerft" in Ristock-Warnemünde, "Mathias-Thesen-Werft" in Wismar, "Volkswerft" in Stralsund, "Peenewerft" in Wolgast sowie die "Neptunwerft" in Rostock (im Bild, Werksgelände 1999).
Mehr als 90 Prozent aller Schiffsneubauten waren für den Export bestimmt, Hauptabnehmer war die Sowjetunion. Das Kombinat war auf die Produktion von Großserien ausgerichtet, ein kundenorientierter Spezialschiffbau existierte quasi nicht.

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Diese Fokussierung sollte sich mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und den seit der Wiedervereinigung herrschenden neuen Wettbewerbsbedingungen als verhängnisvoll erweisen. 1987 soll das Kombinat insgesamt 56.000 Menschen beschäftigt haben. Im Sommer 1990 wurde das Kombinat in die Deutsche Maschinen- und Schiffbau AG (DMS AG) umgewandelt und zum Rechtsnachfolger der ebenfalls 24 in GmbHs umgewandelten Werften und Zulieferbetriebe. Bis Mitte 1992 sank die Zahl der Arbeitsplätze bei der DMS auf 17.000, doch der Jobabbau ging weiter (im Bild: Rostocker Neptun-Werft 2006).

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Auf den Werften, wo zu DDR-Zeiten rund 34.000 Menschen beschäftigt waren, schrumpften die Belegschaften bis Sommer 1992 auf insgesamt nur noch 13.500. Die ostdeutschen Werften hatten damit in nur zwei Jahren einen Personalabbau hinnehmen müssen, wie er in vergleichbarer Größe in der westdeutschen Werftindustrie in 15 Jahren - zwischen 1974 und 1989 - stattgefunden hatte. Die Treuhandanstalt als neuer Eigentümer verkaufte ab 1992 sukzessive Großteile des Kombinats an verschiedene Unternehmen.

Bildertexte: Lutz Reiche
Quellen: Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben, Firmenangaben, Förderverein für die technischen Sammlungen der Stadt Dresden, Wikipedia, Firmenarchive

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