Sparsam und sozial Das Mars-Manifest von 1947

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Qualität: Mars hat sich strikte Qualitätsnormen auferlegt, die für die Verbraucher zum Teil gar nicht erkennbar sind. Sie reichen vom idealen Schokoguss auf den Riegeln bis zu kerzengeraden Schweißnähten der Verpackung. Mars verkauft keine B-Ware, Mängelexemplare werden umgehend entsorgt. Unter Qualität versteht das Unternehmen auch eine extreme Sauberkeit in den Fabriken und maßvolle Preise.

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Verantwortung: Mars verlangt von seinen Leute die, wie es wörtlich heißt, "totale Verantwortung". Die Hierarchien sind flach, jede zusätzliche Rangstufe, lautet die Theorie, "verwässere die persönliche Verantwortung". Jeder darf, ja sollte seinen Nebenmann verbessern. Großraumbüros sorgen dafür, dass alle Anwesenden sowohl von der Verantwortungsbereitschaft als auch der Leistungsfähigkeit des anderen Kenntnis erhalten. Das System kann zehrend wirken. Angesichts von 70-Stunden-Wochen zeigen Mars-Leute ab Mitte 50 deutliche Abnutzungserscheinungen.

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Gegenseitigkeit: Im Firmen-Imperativ heißt es, dass "Bedingungen zu vermeiden" seien, "die dem Geschäft der anderen abträglich" sind: "Wir sind abhängig von der Stärke der Beziehungen zu unseren Kunden, Kollegen, Lieferanten, Vertriebspartnern und dem Umfeld, in dem wir leben und arbeiten." Guten Abnehmern gewährt Mars in Krisenzeiten durchaus Zahlungsaufschub. Seinen Lieferanten hat sich der Konzern herzlich zugewandt in Gestalt von Howard Shapiro. Er ist der Guru der amerikanischen Ökoanbaubewegung und steht seit einigen Jahren als Global Director bei Mars unter Vertrag. Ab 2020 will Mars seinen Kakao ausschließlich aus Quellen beziehen, die als nachhaltig zertifiziert sind. Schon jetzt werden einige Produkte umgestellt.

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Effizienz: Die jahrzehntelang geübte Praxis, fast alle Gewinne in den Maschinenpark statt in Firmenkäufe zu stecken, hat dazu geführt, dass Mars-Fabriken als Wunder an Effizienz gelten. Das Unternehmen produziert mehr Riegel pro Mitarbeiter als jedes andere auf der Welt. Der Pro-Kopf-Umsatz von Mars beträgt 46.000 Dollar. Hershey kommt immerhin noch auf 41.400, Cadbury nur auf 18.200 Dollar. Wenig Ränge und kurze Befehlswege fördern den unmittelbaren Austausch. Verwaltungsakte sind den Leuten ein Gräuel, das Schreiben von Memos verstößt gegen die Hausordnung. Wer etwas will, geht zum Kollegen: Im Großraumbüro können alle zuhören.

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Freiheit: "Wir brauchen Freiheit, um unsere Zukunft zu gestalten; wir brauchen Gewinne, um frei zu bleiben." Die Familie Mars ist überzeugt davon, dass Privatbesitz die beste Garantie für die Freiheit bietet, zu tun und zu lassen, was sie will. Weder müssen Fragen von Aktionären noch von der Börsenaufsicht beantwortet werden. Lange verstand sie unter Freiheit auch Schuldenfreiheit. Für den Wrigley-Kauf musste sie Kredite aufnehmen, die nun rasch getilgt werden sollen. Privatheit bedeutet für die Eigner zudem, ein verhältnismäßig bürgerliches Leben führen zu können.

Foto: DDP
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