Krisenstaat Zehn Gründe, warum Griechenland jetzt leidet

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Deindustrialisierung: Nach dem Beitritt zur EU 1981 erwiesen sich Produktionsstandorte in Griechenland für westliche Konzerne vielfach als überflüssig, das Land wurde eher als Absatzmarkt gesehen. Die EU-Osterweiterung 2004 brachte der Textilindustrie neue Konkurrenz, mit der das Land nicht mithalten konnte. Eine Schwerindustrie fehlt in Griechenland heute fast völlig.

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Handelsbilanz: Die Wareneinfuhren Griechenlands lagen 2008 bei 60,7 Milliarden Euro, die Warenexporte bei lediglich 17,3 Milliarden Euro. Da Tourismus und andere Dienstleistungen die Schieflage bei Weitem nicht ausgleichen, schwellen die Schulden des Landes im Ausland stark an.

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Klumpenrisiken: Die wichtigen Wirtschaftszweige des Landes erweisen sich als wenig krisenfest. Beim Bau ging es in der ersten Jahreshälfte 2009 um 26 Prozent abwärts, beim Tourismus um 18 Prozent. Jeder fünfte Arbeitsplatz des Landes hängt jedoch direkt oder indirekt am Tourismus. Auch die Schifffahrt leidet besonders stark unter der Krise.

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Bildungssystem: Ohne Nachhilfeunterricht in sogenannten Frontistirias oder bei Privatlehrern gelingt wenigen Griechen der Übergang von der staatlichen Schule auf die Universität. Fremdsprachen stehen auf dem Stundenplan, dennoch beherrscht nur ein Bruchteil der Griechen Englisch.

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Arbeitsmarkt: Das Lohnniveau ist seit dem EU-Beitritt stark gestiegen, die Produktivität hält jedoch nicht mit. Die Arbeitslosigkeit bewegt sich im zweistelligen Bereich und ist bei Frauen doppelt so hoch wie bei Männern. Gewerkschaften und Arbeitgeber stehen sich oft feindselig gegenüber - die Bereitschaft zu streiken, ist hoch.

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Infrastruktur: Zwischen den urbanen Zentren und der Provinz bestehen große Qualitätsunterschiede. Zahlreiche von der EU geförderte Projekte begegnen dem Problem. Patienten müssen mitunter hundert Kilometer weit in die nächste Intensivstation transportiert werden.

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Korruption: Laut Transparency International gaben die Griechen 2008 etwa 750 Millionen Euro für Schmiergelder aus - ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Korruptionsindex der Organisation rutschte das Land auf Platz 71 von 180 Staaten ab - und bildet gemeinsam mit Rumänien und Bulgarien das Schlusslicht der EU.

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Ineffizienz der Verwaltung: Die schlecht organisierte Administration beschert dem Land eine gigantische Verschwendung von Haushaltsmitteln. So zahlte der Staat laut Medienberichten zuletzt noch für 60.000 Verstorbene eine Rente. Kosten für den Staat: 500 Millionen Euro im Jahr. Auch gibt es kein modernes Beschaffungswesen im Gesundheitssektor, was den Staat über die Jahre Milliarden Euro kostet.

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Ausländische Direktinvestitionen: Investoren machen wegen zahlreicher Missstände einen Bogen um Griechenland. 2007 betrugen die Direktinvestitionen nur 4,6 Milliarden Euro (2006: 31,3 Milliarden Euro). Nur ein Bruchteil floss in die Industrie, der Großteil in den Bereich Handel und Dienstleistungen.

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Haushaltsdefizit: Ergebnis der wirtschaftlichen Krise ist eine horrende Staatsverschuldung. Sie bedroht zugleich die Erholung des Landes. 2008 lag die Staatsverschuldung bei 99,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, für 2010 prognostiziert das Wirtschaftsministerium bereits 120,8 Prozent.

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