Fitnesskur Zehn-Punkte-Plan für Unternehmen

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Dass viele Unternehmen Verbesserungen in Sachen Kultur, Führung und Klima brauchen, kann kaum bestritten werden. Doch Vorsicht: Wer zum "Unternehmensflüsterer" werden will, muss zunächst grundsätzlich verstehen, was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist. Kurieren an der Oberfläche bringt nichts, denn davon sind die meisten Mitarbeiter aus leidvollen Erfahrungen unzähliger Strategie-, Exzellenz-, Performance- und Leitbildprogramme schon tief frustriert. Wirksam wird die Fitnesskur für Unternehmen nur dann, wenn sie "ans Eingemachte" geht und heilige Kühe nicht schont. Die folgenden Punkte mögen als erste Checkliste und Gedankenanstoß dienen:

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1. Rendite, aber nachhaltig: "25 Prozent Rendite" sind keine Strategie, sondern bestenfalls Ergebnis einer solchen. Rendite entbindet Manager nicht von der Pflicht, Antworten auf Fragen zu geben wie zum Beispiel: Was zeichnet uns aus, was können wir besonders gut, wohin soll das Unternehmen steuern und warum braucht uns die Welt überhaupt?

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2. Neue Identifikationsangebote: Mitarbeiter wollen neben einem sicheren Arbeitsplatz und einem guten Einkommen auch stolz auf ihr Unternehmen sein. Gesellschaftliches Engagement (CSR) in der richtigen Form kann hier Brücken bauen.

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3. Megatrend Klimaschutz: Neben wirtschaftlichem Erfolg ist in Zukunft eine wichtige Stellschraube für Unternehmensimage der Einsatz für den Klimaschutz. Sinnvoll ist ein eigener Bereich "Klima-Kommunikation" nach innen und außen. Thema: Was tun wir als Unternehmen für die Zukunft unseres Planeten?

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4. Leitbild endlich ernst nehmen: Von oben aufgepflanzte Visionen oder Leitbilder nimmt kein Mitarbeiter mehr ernst. Statt Worthülsen brauchen es echte demokratische Leitbildprozesse in den Unternehmen – und die Umsetzung der Regeln im täglichen Leben.

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5. Gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen: Mit Sponsoring allein wird kein Unternehmen zum "Good Corporate Citizen". Gesellschaftliche Verantwortung (CSR) beginnt im Betrieb selbst – etwa mit ernst gemeinten Angeboten zur Work-Life-Balance. Vor allem junge und wegen ihrer Qualifikation umworbene Mitarbeiter können so zusätzlich motiviert und gebunden werden – etwa wenn das Kind gemeinsam mit einem Elternteil in der Betriebskantine essen kann oder wenn flexible Arbeitszeiten in bestimmten Familiensituationen beziehungsweise zur Befriedigung persönlicher Bedürfnisse (zum Beispiel Sabbatical) gewährt werden.

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6. Demut und Mut zur Kurskorrektur: Noch nie war das Image von Topmanagern so miserabel. So mancher Chef muss sich grundlegend verändern und verbessern, damit er ein echter Leitwolf sein kann. Wenn Vorgesetzte und wichtige Galionsfiguren von Unternehmen aber noch nicht einmal nach eklatanten Fehlern ehrlich Pannen eingestehen und mutig Kurskorrekturen vornehmen, sinkt die Glaubwürdigkeit auf den Nullpunkt.

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7. Die neue Bescheidenheit: Es müssen mehr Zeichen gesetzt werden bei der Vergütung und anderen Annehmlichkeiten. Managereinkommen sollten messbar an Leistung gekoppelt sein. Sonst rauscht bei den Mitarbeitern die Motivation in den Keller – zumal wenn ihnen selbst Opfer zur Sicherung von Aufträgen oder Arbeitsplätzen abverlangt werden.

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8. Traditionen wieder wertschätzen und Marken unter Artenschutz stellen: Vorbei die Zeiten von markigen Sprüchen wie "Stillstand ist Rückschritt". Menschen brauchen emotionale Anker, und das können eine sinnstiftende Firmentradition oder ein charismatischer Gründervater sein. Oder warum baute beispielsweise Porsche für 100 Millionen Euro so etwas "Altmodisches" wie ein Firmenmuseum? Firmen sollten außerdem nicht leichtfertig eingeführte Marken auf dem Altar der Modernität und Internationalität opfern. Mit den vielen austauschbaren Kunstnamen à la Arcandor oder Avaya kann doch niemand etwas anfangen.

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9. Erfahrung und Innovation ausbalancieren: Das Neue ist nicht per Definition besser als das Alte. Das stellte ein großer deutscher Anlagenbauer fest: Er entließ einen über 50-jährigen Ingenieur und merkte dann plötzlich, dass er als Letzter über eine bestimmte, doch noch benötigte Technologie Bescheid wusste.

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10. Sich vom Mangelbewusstsein lösen: Die deutschen Unternehmen sollten viel häufiger betonen, dass sie nicht bloß Getriebene der globalen Wirtschafts- und Finanzmärkte sind, sondern deren Mit-Gestalter. Wer seinen Mitarbeitern eine Opfer- und Mangelhaltung suggeriert ("Wir können nicht anders."), lähmt Leistung und Zukunftswillen. Leistung entsteht durch Selbstbewusstsein – und dazu haben viele deutsche Unternehmen doch allen Grund!

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