In Bildern Eine kleine Mars-Geschichte

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Flickenteppich Mars: Die Abbildung eines realen Objekts ist immer nur eine Kopie, eine Annäherung an die Wirklichkeit. Wie die aussieht, hängt davon ab, wer da mit welchem Erkenntnisinteresse hinschaut - und mit welchen Mitteln. Mitte März 2009 hat Google einmal mehr die Möglichkeiten erweitert, sich unseren Schwesterplaneten Mars anzusehen. Statt Details entdeckt man hier den fortschreitenden Erkenntnisprozess ...

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... dessen Endpunkt wieder wie ein Flickenteppich wirkt: So sieht der Mars aus, wenn man ihn ohne Änderungen im Programmmenü betrachtet. "Fleckig" ist er deshalb, weil Google das Bild aus zahlreichen, möglichst hoch aufgelösten Einzelbildern zusammensetzt. Das zahlt sich aus, wenn man hinabzoomt und beginnt, Details zu untersuchen. Als Bild des Planeten kommt es uns dagegen zunächst wenig realistisch vor.

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Da gefällt eine Aufnahme mehr, die realistischer wirkt, obwohl sie in Wahrheit sehr viel gröber ist: Die rund 4600 Einzelfotos, aus denen dieses Bild zusammengesetzt ist, entstanden in den Jahren 1976 bis 1980 durch die Sonden Viking 1 und 2. Sie haben unser (mitunter reichlich romantisiertes) Bild vom Mars nachhaltig geprägt.

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Wissenschaftler haben einen anderen Blick: Mehr Informationen als aus herkömmlichen Bildern ziehen sie etwa aus Falschfarbenbildern. Diese Aufnahme ist nach Höhenmetern über Null kodiert, erschließt also ganz intuitiv die Topografie unseres Nachbarplaneten. "Kalte Farben" stehen für niedrige Höhenlagen, "warme" für hohe, Weiß für sehr hohe: Die Schildvulkane der Tharsis-Region bringen es auf Durchmesser bis zu 1800 und Höhen von 27 Kilometer.

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Völlig kryptisch für das Auge des Laien stellen sich solche Infrarotaufnahmen dar. Trotzdem liefern auch sie Informationen, die erst die aufregenden räumlichen Darstellungen ermöglichen, wie wir sie beim Herunterzoomen auf die Planetenoberfläche entdecken können. Denn räumliche Anmutungen und 3D-Kamerafahrten basieren auf mehr als nur auf Fotos: Ohne die Zusatzinfos aus Falschfarbenbildern, Infrarotaufnahmen und Radarbildern sind sie kaum möglich.

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Wie rapide der Erkenntnisfortschritt in der Erforschung des Sonnensystems verlief, lässt sich nun bei Google Mars entdecken: Man schaltet quasi um auf den Kenntnisstand vergangener Zeiten. Hier eine Karte, die die US Air Force 1962 auf der Basis von Teleskopaufnahmen, aber auch historischen Marsdarstellungen erarbeiten ließ. Noch zeichnen sich darauf fein und fast schon schüchtern die legendären "Kanäle" ab, an die man seit 1890 geglaubt hatte.

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Mit Ausnahme des Astronomen Eugène Antoniadi übrigens, der bereits 1909 diese Karte vorgelegt hatte, mit der er die Existenz von Kanälen bestritt. So künstlerisch frei und wenig realistisch dieses Bild erscheint, sind doch grundlegende Merkmale der Mars-Topografie richtig erkannt.

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Das gilt auch für die Marskarte des US-Astronomen Percival Lowell aus dem Jahr 1896, die nicht nur dieser Google-Visualisierung zugrundeliegt, sondern auch der US-Air-Force-Karte aus dem Jahr 1962 (Bild Nr. 6). Lowell, dessen bekanntestes Buch "Mars und seine Kanäle" war, glaubte nicht nur fest an Wasserläufe, sondern auch daran, dass Mars bewohnt sei. Seine wissenschaftliche Arbeit inspirierte die Science-Fiction-Schreiber seiner Zeit.

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Dass Giovanni Schiaparelli in seiner 1890 veröffentlichten Karte Bodenmerkmale als "canali" bezeichnete, führte zu einem hartnäckigen Übersetzungsfehler: Schiaparelli wurde so zum Entdecker der Marskanäle. Er selbst glaubte, Schluchten oder auch Flussläufe entdeckt zu haben. In Übersetzungen aber wurden diese zu Kanälen - Kunstbauten der Marsbewohner also. Immerhin: Schiaparelli führte Namen für Marsgegenden ein, die noch heute gebraucht werden.

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Deren Grundformen hatte wenige Jahre davor auch Nathaniel Green schon erkannt - freilich ohne Kanäle zu entdecken. In allen zehn gezeigten Bildern sehen wir den Mars übrigens auf den Kopf gestellt: In den Karten der frühen Astronomen liegt der Südpol oben. Der profane Grund: Durch Spiegelteleskope sieht man alles auf den Kopf gestellt.

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Zusammenschau: Erst durch ein Werkzeug wie Google Mars wird wirklich deutlich, wie nah sich all diese Visualisierungen und Bilder sind. Auch wenn die Karten der frühen Marskartografen heute antiquarisch, künstlerisch oder vor allem der Fantasie entsprungen wirken, bilden sie alle doch die grundlegenden Merkmale richtig ab.