Manager und Doping Wenn Stress süchtig macht

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Leben am Limit

"Viele Führungskräfte leben jahrelang am Limit, ohne das bewusst wahrzunehmen. Oft genügt jedoch eine kleine Krise, um dieses System zum Einsturz zu bringen", erklärt Frank Meiners, Diplom-Psychologe der DAK. "Die eigene Leistungsorientierung wird dann zur Falle: Manager nehmen Medikamente, weil sie glauben, damit ihre Grenzen erweitern und die drohende Niederlage aufhalten zu können."

Ohne einen drastischen Kurswechsel sei der Weg in die Sucht in solchen Fällen fast vorprogrammiert.

Offiziell ist dann häufig von einem Burnout die Rede, weil dieser Begriff salonfähiger erscheint. Einer Studie des Karriereportals Stepstone zufolge ist in Deutschland jede vierte Fach- und Führungskraft von einem Burnout betroffen.

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Stress in der Sandwich-Position

Top-Manager entscheiden oft über das Schicksal tausender Mitarbeiter. Trotz dieser Verantwortung leiden sie seltener unter ungesundem Stress als ihre Mitarbeiter. "Stress entsteht durch unlösbare Aufgaben, das heißt immer dann, wenn Ressourcen und Strategien zur Bewältigung eines Problems fehlen – unabhängig von der Größe der Aufgabe", erklärt Frank Meiners. "Zum Beispiel gerät ein Abteilungsleiter in eine Zwickmühle, wenn sein Chef Wachstum fordert, ohne nötiges Budget für die Abteilung bereitzustellen.

Zum Druck von oben kommt dann die Unzufriedenheit der Mitarbeiter – die klassische Sandwichposition." In der SHAPE-Studie, einem interdisziplinären Forschungsprojekt unter Beteiligung mehrerer Hochschulen, fühlten sich Führungskräfte aus dem mittleren Management bei gleicher Arbeitsbelastung im Vergleich zu Vertretern des oberen Managements gestresster.

Doch nicht allein der äußere Druck ist entscheidend, sondern auch der innere. "Übertriebene Ansprüche an die eigene Leistungsfähigkeit sind oft das größte Problem", warnt Meiners. "Wer meint, alles können und wissen zu müssen, kann dem Stress auf Dauer nicht standhalten."

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Das Problem bei der Wurzel packen

Damit es gar nicht so weit kommt, rät der DAK-Psychologe, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Gerade Managern fällt dieser Schritt schwer, weil sie sich als Einzelkämpfer sehen und ungern Schwächen eingestehen", erklärt Meiners. "Ein professionelles Coaching hilft, Ursachen für den Stress herauszufinden und das Problem bei der Wurzel zu packen." Außerdem schafft der regelmäßige Termin einen geschützten Raum, um über die eigene Situation nachzudenken.

Diese Zeit sollten sich suchtgefährdete Führungskräfte nehmen – auch und gerade in stressigen Phasen. Ein weiterer wichtiger Schritt: Aufgaben delegieren und Prioritäten setzen, um die eigene Arbeitsbelastung zu senken. Nur so bleibt irgendwann wieder Zeit für ein Privatleben, das hilft, den Stress im Job auszugleichen. Nichts anderes wünschen sich viele Manager: Über 60 Prozent der Befragten gaben in der SHAPE-Studie zu Protokoll, sie hätten gerne mehr Zeit für ihren Partner oder ihre Partnerin.

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