Experten-Forum Was in Washington beschlossen werden sollte

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Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, fordert folgende Verbesserungen:

Erstens: Eine globale Finanzdatenbank, die im Sinne einer Schufa alle Millionenkredite - mit anderen Worten: in Höhe von einer Million Euro und mehr - von Banken und Versicherungen in der Welt zentral erfasst; dazu sollten auch verbriefte Kredite und Derivate zählen. Diese Datenbank sollte nationalen Aufsichtsbehörden und den teilnehmenden Banken zur Verfügung stehen. Sie wäre zudem der wesentlichste Input für ein Frühwarnsystem des Internationalen Währungsfonds.

Zweitens: Banken sollten zusätzliche Eigenkapitalregeln auferlegt werden, die eine feste Reaktion zwischen dem Eigenkapital und der Bilanzsumme vorschreiben. Sie würden neben die bestehenden Basel-II-Regeln treten, deren Eigenkapitalregeln an der risikogewichteten Bilanzsumme anknüpfen. Diese Regel hat es Banken wie der Hypo Real Estate erlaubt, eine massive Ausweitung der Bilanzsumme vorzunehmen, ohne dafür in entsprechendem Umfang Eigenkapital vorzuhalten.

Drittens: Eine zusätzliche Bilanz, bei der Aktiva wie im Handelsgesetzbuch nach dem Vorsichtsprinzip bewertet werden, sodass keine unrealisierten Gewinne ausgewiesen werden können. Diese Bilanz sollte parallel zur IFRS-Bilanz erstellt werden und für die Gewinnausschüttung, die Bankenaufsicht und die Vergütung der Manager maßgeblich sein.

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Wolfgang Franz, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, schlägt folgende Veränderungen vor:

Erstens: Das Ziel des Weltfinanzgipfels sollte darin bestehen, ein internationales Frühwarnsystem zu schaffen, das nicht nur über makroökonomische Informationen, sondern auch über Daten individueller großer Finanzinstitutionen verfügt.

Zweitens: Es muss ein internationales Aufsichtssystem über die nationalen Aufsichten in den Finanzmärkten etabliert werden. Für diese Aufgaben bietet sich der Internationale Währungsfonds nach einigen Reformen an. Wenn der Weltfinanzgipfel hier einen engen, aber realistischen Zeitplan und erste Eckpfeiler verabredet, wäre er ein Erfolg.

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Clemens Fuest, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen, ist skeptisch:

Vom Weltfinanzgipfel erwarte ich wenig, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen scheidet der jetzige US-Präsident George W. Bush aus; seine jetzige Administration ist deshalb kaum noch handlungsfähig. Zum anderen ist der Wettbewerb unter den internationalen Finanzplätzen so intensiv, dass weder die USA noch das Vereinigte Königreich sich bei den Regulierungen durch internationale Absprachen zu sehr binden lassen werden. Dennoch: Als Gipfelergebnis wünschenswert wäre aus meiner Sicht:

Erstens: Die Einigung auf Regulierungen für mehr Transparenz und mehr Eigenkapital für Banken.

Zweitens: Die Entwicklung eines Verfahrens zur internationalen Abstimmung des Krisenmanagements in künftigen Finanzkrisen.

Drittens: Die Vereinbarung, aktuelle nationale fiskalpolitische Konjunkturprogramme international zu koordinieren.

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Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, würde folgende Neuerungen einführen:

Erstens: Den Staaten untereinander müssten weitere Deregulierungswettläufe verboten werden. Keinem Land sollte es mehr möglich sein, seine Kapitalmarktregeln so zu beschneiden, dass die Kontrolle über Finanzgeschäfte leidet wie zuletzt.

Zweitens: Der Weltwährungsfonds sollte mehr Einfluss auf die Finanzarchitektur erhalten. An seiner Spitze sollte deshalb jemand stehen, der sowohl die Belange der Zivilgesellschaft glaubhaft vertreten kann als auch über eine fundierte ökonomische Bildung verfügt.

Drittens: Der Gipfel sollte ein neues Weltwährungssystem in Angriff nehmen. Das völlig freie Schwanken der Wechselkurse ist spekulativen Attacken zu stark ausgeliefert. Stattdessen sollten die vielen nationalen Währungen in einer Bandbreite zu den Weltleitwährungen US-Dollar, Euro und Yen fixiert werden.