Schurken, Schocks und Schlendrian Galerie der Datenskandale

1 / 14

Ein altersschwacher Computer, den ein Computerfachmann aus Oxford vergangene Woche in einer Ebay-Auktion für 35 Pfund erstanden hatte, entpuppte sich als Sensationsfund. Auf der Festplatte fanden sich die Daten Tausender Bankkunden, unter anderem von American Express, NatWest und Royal Bank of Scotland. Pikanterweise waren nicht nur die Namen, Konto- und Telefonnummern in der Datenbank abgelegt, sondern in vielen Fällen auch Angaben zum Einkommen und Unterschriften. Es stellte sich heraus, dass ein Mitarbeiter des IT-Dienstleisters Graphic Data vergessen hatte, die Festplatte des ausgemusterten Geräts zu löschen. Der Käufer meldete den Fund, der ihm mit etwas krimineller Energie ...

2 / 14

... ein Millionenvermögen hätte bescheren können. Überhaupt ist Großbritannien in jüngster Zeit durch eine Vielzahl von Datenpannen aufgefallen. Das überrascht nicht, ist doch kein europäisches Land so sammelwütig und so unbekümmert beim Thema Datenschutz wie das Vereinigte Königreich. So verlor das Innenministerium wenige Tage zuvor zwei USB-Sticks, auf denen die Profile von 127.000 Strafgefangenen und Kriminellen gespeichert waren. Ein kleiner Fall im Vergleich zum Winter 2007. Da hatten ...

Foto: DPA
3 / 14

... Staatsdiener im November eine Datenbank per Post verschickt, in der Informationen über 25 Millionen britische Kindergeldempfänger gespeichert waren. Der Brief mit dem Datenträger kam nie an. Gleich im Dezember gingen zwei weitere CDs verloren, diesmal bei der Finanzverwaltung, diesmal mit Material über 7,3 Millionen britische Familien. Insgesamt kamen so die Namen, Adressen und Bankverbindungen jedes zweiten Briten in falsche Hände. Damit ist die britische Bürokratie beim Datenschluder einsame Spitze, ...

Foto: DDP
4 / 14

... aber auch andere Verwaltungen haben schon weitreichende Fehler produziert. Als besonders pannenträchtig erwies sich in Deutschland die Umstellung der Software der Bundesagentur für Arbeit. Anlass war im Jahr 2005 die Einführung von Hartz IV. Arbeitslose werden von der Agentur automatisch bei ihren Krankenkassen gemeldet. Aufgrund eines Softwarefehlers wurden damals jedoch die Meldungen von mehreren Hunderttausend Betroffenen storniert. Als der Fehler im August des Jahres aufflog, mussten zahlreiche AOKs in Sonderschichten die Anmeldungen von Hand vornehmen. Es sind aber beileibe nicht nur Staatsdiener, die mit sensiblem Material patzen. Sogar Banken, ...

Foto: DDP
5 / 14

... deren wichtigstes Rohmaterial Daten sind, lassen immer wieder die nötige Sorgfalt vermissen. Im April dieses Jahres beklagte die britische Großbank HSBC den Verlust einer CD mit 370.000 Datensätzen. Darauf fanden sich zwar keine Kontonummern, aber Namen und Geburtstage von Kunden, verbunden mit Informationen zu Lebensversicherungen und Rauchgewohnheiten. Die Bank teilte zur Beruhigung mit, dass sich die Datenbank nicht ohne Passwort einsehen lasse. Probleme hatten zuweilen auch deutsche Institute, ...

Foto: DPA
6 / 14

... zum Beispiel 1999, als die Bank24, die Direktbanktochter der Deutschen Bank, eine Datenpanne eingestehen musste. Sie hatte von den Konten mehrerer Tausend Kunden jeweils Milliardenbeträge abgebucht. Vorteil für die Kunden: Die Summen waren so astronomisch, dass ein Fehler leicht erkennbar war. Einen echten Albtraum ...

Foto: AP
7 / 14

... erlebte dagegen Softbank, ein japanischer IT-Dienstleister für Banken. 2004 stahlen Mitarbeiter die Daten von 4,5 Millionen Kunden und erpressten das Unternehmen. Die angedrohte Veröffentlichung der Daten konnte zwar verhindert werden, doch die Kundschaft setzte trotzdem eine Entschädigung von mehreren Hundert Millionen Dollar gegen Softbank durch. Selbst die Bastion Bankautomat, ...

Foto: REUTERS
8 / 14

... eine Gerätegattung, die als extrem fehlerarm gilt, arbeitet nicht immer zuverlässig. Ein Exemplar der Dresdner Bank muckte 1999 auf: Immer dann, wenn ein Kunde eine Summe von 100 Mark anforderte, bekam er 200 Mark. Zum Bedauern der Kunden war der Fehler binnen weniger Stunden behoben. Bedrohlicher ...

Foto: DPA
9 / 14

... war die Causa Kartenhaus. Der deutsche Vertrieb von Konzert- und Veranstaltungskarten wurde im Oktober 2007 bestohlen. Ein unbekannter Hacker war in das System des englischen Mutterhauses Ticketmaster eingedrungen und hatte vor allem von deutschen Kunden die Kreditkartennummern abgegriffen. Die 66.000 deutschen Betroffenen wurden umgehend per E-Mail gewarnt, der Fall konnte aber laut Kartenhaus nie aufgeklärt werden. Übrigens geht es nicht immer um Kontodaten. ...

10 / 14

... Wenn sich ein Fremder der eigenen Selbstdarstellung im Internet bemächtigt, können die Folgen genauso schädlich sein. So fand im Januar 2007 das unbekümmerte Treiben auf der Plattform MySpace ein jähes Ende, zumindest für sage und schreibe 57.000 Nutzer, denen Hacker durch eine Sicherheitslücke das Passwort abluchsten. Die Daten wurden über das Internet verbreitet, sodass sich theoretisch jeder in fremde Nutzerkonten einloggen konnte, um dort Seiten zu manipulieren. Diese Erfahrung hatten zuvor nur einzelne Promis mit ihrer MySpace-Seite machen müssen, etwa die Sängerin Alicia Keys (Foto). Als Reaktion stockte MySpace das Sicherheitspersonal auf. Peinlich ...

11 / 14

... kann es auch werden, als Kunde bestimmter Verkäufer bekannt zu sein. Der Beate-Uhse-Tochterfirma Lustkatalog.de unterlief wohl gleich eine ganze Reihe von Fehlern, sodass sich schließlich die E-Mail-Adressen von Tausenden Kunden über Google finden ließen. Das Unternehmen bestätigte den Vorfall vergangenen Montag, betonte aber, dass keine sonstigen Daten angezeigt wurden. Der Fehler ist inzwischen behoben. Mit Sicherheitslücken hat auch ...

Foto: DPA
12 / 14

... das Internethandelshaus Ebay immer wieder zu kämpfen - und da geht es dann doch wieder ums liebe Geld. Eine Lücke brachte es im Oktober 2007 zu besonderer Bekanntheit, weil davon rund sechs Millionen Nutzer der Plattform potenziell betroffen waren. Durch einen Programmfehler waren wichtige Daten all jener Kunden abrufbar, die den Newsletter von Ebay abonniert hatten. Ebay machte ein Subunternehmen für die Panne verantwortlich. Wie viele Abonnentendaten tatsächlich abgegriffen wurden, ist nicht bekannt. Seltener werden Fälle von Industriespionage öffentlich bekannt. Beispielhaft ...

Foto: Getty Images
13 / 14

... ist der Super-GAU, den Microsoft im Februar 2004 erlebte. Der Quellcode des Betriebssystems Windows ist eines der bestgehüteten Geheimnisse des Softwareriesen. Plötzlich wurden damals in einem Internetforum Teile des Codes von Windows NT und Windows 2000 verbreitet. Der Konkurrenz erlaubte das ungeahnte Einblicke, obwohl mit 15 Prozent nur ein Bruchteil der Betriebssystemdaten in Umlauf geriet.

Foto: AP
14 / 14

Eigentlich ist es egal, ob Paris Hiltons Handy gestohlen wird. Als die Klatschspalten im Februar 2005 meldeten, dass sich Unbekannte des gesamten Adressbuchs, der Fotos und "vertraulicher Notizen" auf dem Telefon der Berufserbin bemächtigt hätten, führte das aber einer Zielgruppe mögliche Datenprobleme vor Augen, die sich darum sonst wenig schert. Die Datensätze tauchten umgehend im Internet auf, darunter Kontaktdaten von Christina Aguilera, Eminem oder Vin Diesel.

Foto: REUTERS
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.