Hypothekenkrise Welche Banken bereits bluten

Die Krise an den US-Kreditmärkten schlägt sich auf immer mehr Finanzinstitute weltweit durch. Im Folgenden wichtige Stationen der Krise, die am US-Markt für schlechter besicherte Hypotheken begonnen hatte, sowie ein Überblick über die bislang betroffenen Finanzinstitute.
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HSBC: Die größte Bank Europas gibt am 8. Februar wegen überraschend hoher Risikovorsorge im US-Hypothekengeschäft die erste Gewinnwarnung ihrer Geschichte heraus. Sieben Monate später schließt die Bank ihre US-Hypothekentochter. Der Finanzkonzern muss im dritten Quartal 3,4 Milliarden Dollar abschreiben. 35 Milliarden Dollar will die Bank bis August 2008 in ihre beiden Conduits (Zweckgesellschaften) stecken, die außerhalb der Bilanz in US-Hypotheken investiert haben und ihre Kreditpakete nicht mehr weiterverkaufen können. Glimpfliche Folgen im Vergleich mit ...

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New Century Financial: Der US-Hypothekenfinanzierer New Century Financial beantragt im April 2007 Insolvenz. Es ist der bislang größte Kollaps in der Branche im Zuge der US-Immobilienkrise, die kurz darauf nach Deutschland schwappt...

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IKB: Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB sowie die Landesbank SachsenLB geraten wegen ihrer Engagements am US-Hypothekenmarkt in Schieflage. Während die IKB im Juli 2007 von der Staatsbank KfW und privaten Banken vor der Insolvenz gerettet wird, geht die SachsenLB an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zum Jahresende werden die Risiken der Conduits beider Banken neu bewertet, die Deals geraten ins Wanken. Auch im Nachbarland Frankreich rumort es...

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BNP Paribas: Die französische Großbank BNP Paribas friert Anfang August vorübergehend drei Fonds im Wert von 1,5 Milliarden Euro ein. Wegen der Turbulenzen auf dem Hypothekenmarkt und der daraus resultierenden Mittelabflüsse könne man den Wert der Fonds nicht mehr berechnen, heißt es. Die EZB beginnt, Geldspritzen in den Markt zu geben, um den Geldfluss vor dem Austrocknen zu bewahren. Einige Banken nehmen das Angebot dankend an...

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Barclays: Die britische Großbank leiht sich Ende August bei der Bank of England wegen kurzfristiger Liquiditätsengpässe insgesamt knapp zwei Milliarden Pfund. Im dritten Quartal schreibt Barclays 1,3 Milliarden Pfund ab. Nervöser macht britische Sparer...

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Northern Rock: Wegen eines akuten Liquiditätsengpasses gerät der britische Baufinanzierer Mitte September unter Druck. Zahlreiche Sparer stehen Schlange an den Filialen der Hypothekenbank, um ihre Gelder abzuheben. Die Bank of England bürgt für die Einlagen und springt mit Notfallkrediten ein - 25 Milliarden Pfund lassen sich die Steuerzahler die Rettung von Northern Rock kosten. Derweil müssen die ersten US-Großbanken ihre Verluste zeigen...

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Bear Stearns: Die US-Investmentbank muss wegen drastischer Einbußen im Anleihegeschäft einen Gewinneinbruch um 61 Prozent hinnehmen. Zu den ersten Opfern gehören zwei von Bear Stearns aufgelegte Hedgefonds, die im Juli als "nahezu wertlos" erklärt werden. Im vierten Quartal folgen Abschreibungen von 1,2 Milliarden Dollar, die Bank rutscht in die Verlustzone. Im Januar tritt James Cayne als Bankchef zurück. Noch härter trifft es Konkurrent...

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Morgan Stanley: Die Wall-Street-Bank schreibt im dritten Quartal fast eine Milliarde Dollar aus Subprime-Investments ab und nimmt im vierten Quartal weitere Wertberichtigungen von mindestens 3,7 Milliarden US-Dollar vor. Ende November treten Vizepräsidentin Zoe Cruz und weitere Manager zurück. Der Chef selbst geht bei...

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Merrill Lynch: Vorstandschef Stan O'Neal reicht seinen Rücktritt ein, nachdem Merrill Anfang Oktober wegen Abschreibungen in Höhe von 7,9 Milliarden Dollar mehr als 4,5 Milliarden Dollar Verlust im Quartal verbucht hat. Es ist der erste Quartalsverlust seit sechs Jahren. Als Nachfolger wurde der New Yorker Börsenchef John Thain berufen. Dem Vorbild von Merrill Lynch folgt die...

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Citigroup: Die größte US-Bank räumte erst nach und nach Verluste ein, bis Anfang November schrieb sie aber 13 Milliarden Dollar ab - bisher die größte Summe aller Banken. Daraufhin muss Citigroup-Chef Charles Prince seinen Hut nehmen. Vikram Pandit, Chef der Sparte Investmentbanking, rückt an die Spitze. Ende November steigt der Staatsfonds Adia aus Abu Dhabi mit 5 Prozent bei der Citigroup ein. Im vierten Quartal schreibt die Bank weitere 18 Milliarden Dollar ab, daraus resultiert der erste Quartalsverlust in der Geschichte des Instituts - knapp 10 Milliarden Dollar. Pandit nimmt das unverkäufliche Portfolio der Conduits, mit zeitweise 80 Milliarden Dollar das größte der Branche, in die eigene Bilanz. Damit ist die vor allem von der Citi angetriebene Initiative für einen Superconduit, der diese Zweckgesellschaften retten sollte, überflüssig. Daran beteiligt war auch die...

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Bank of America: Die zweitgrößte US-Bank verdiente im Investmentbanking im dritten Quartal fast kein Geld mehr. Der Konzerngewinn brach um ein Drittel auf 3,7 Milliarden Dollar ein. Mitte Oktober kündigte die Bank den Abbau Tausender Stellen an. Für das vierte Quartal kündigte sie mehr Abschreibungen von mehr als 3 Milliarden Dollar an. Im Januar übernimmt die Bank die größte Hypothekenbank Amerikas, den notorischen Pleitekandidaten Countrywide.

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J.P. Morgan Chase: Trotz Abschreibungen über 1,6 Milliarden Dollar steigert die drittgrößte US-Bank den Nettogewinn im dritten Quartal leicht auf 3,4 Milliarden Dollar. Dazu tragen vor allem das private Beteiligungsgeschäft und die Vermögensverwaltung bei. An dem Superconduit beteiligt sich die Bank weniger wegen eigener Probleme, sondern um an den Gebühren zu verdienen. Noch besser da steht...

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Goldman Sachs: Im Geschäftsjahr 2006/07 verbucht die Investmentbank einen Rekordgewinn von 11,6 Milliarden Dollar. Selbst im vierten Quartal steigert sie ihr Plus noch. Sogar an Subprime-Hypotheken hat die Bank nach eigenen Angaben unterm Strich verdient, vor allem, weil sie sich rechtzeitig davon trennte und früher als andere auf einen Einbruch des US-Häusermarkts wettete. Allerdings erntet die Bank dafür, dass sie gleichzeitig skeptisch gegenüber Subprime-Investments war und Hypothekenkredite an andere weiterverkaufte, auch Kritik. Der Vorwurf trifft auch die...

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Deutsche Bank: Der deutsche Branchenprimus stieg ebenfalls rechtzeitig aus Subprime-Hypotheken aus. Die Finanzkrise kostete den deutschen Branchenprimus im dritten Quartal im Investmentbanking dennoch 2,2 Milliarden Euro. Unter anderem wegen Beteiligungsverkäufen und positiver Steuereffekte hübschte das Geldhaus aber die Bilanz auf und zeigte einen Nettogewinn von 1,6 Milliarden Euro. Weitere Abschreibungen erwarte die Bank nicht, sagte Institutschef Josef Ackermann gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Dennoch erlebe die Finanzbranche einen regelrechten "Investorenstreik".

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Commerzbank: Die zweitgrößte deutsche Bank beziffert Anfang November die Abschreibungen auf das Subprime-Engagement mit 291 Millionen Euro - mehr als sechs Mal so viel wie im Sommer angekündigt. Ein scharfer Rücksetzer im Aktienkurs ist die Folge, doch auch andere deutsche Geldhäuser geraten unter Druck...

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Postbank: Deutschlands größte Filialbank schreibt im dritten Quartal 61 Millionen Euro auf indirekte Engagements am US-Hypothekenmarkt ab. Weitere Wertberichtigungen erwartet das Institut nicht.

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Hypo Real Estate: Der Münchener Staats- und Immobilienfinanzier zeigt im Januar 2008, wie wenig auf solche Beteuerungen zu geben ist. Das Portfolio an Kreditpaketen wird im vierten Quartal um rund 300 Millionen Euro geringer bewertet, was den Jahresgewinn für 2007 um ein Viertel drückt. Binnen Kürze bricht der Aktienkurs um 30 Prozent ein.

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Dresdner Bank: Die Allianz-Tochter schreibt wegen der Kreditkrise unter dem Strich einen Quartalsverlust von 52 Millionen Euro. Die Gesamtbelastungen belaufen sich auf 575 Millionen Euro. Härter trifft es die Schweizer Banken...

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Credit Suisse: Die Schweizer Bank kündigt ebenfalls Belastungen wegen der Subprime-Krise an, stellt aber weiterhin einen Gewinn in Aussicht. Diesen beziffert sie einen Monat später auf rund 780 Millionen Euro - ein Rückgang um mehr als 30 Prozent. Deutlich deftiger fällt der Verlust bei der Konkurrenz aus Zürich aus...

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UBS: Die Schweizer Großbank kündigt am 1. Oktober wegen der Subprime-Krise den ersten Quartalsverlust seit neun Jahren an. Vier Wochen später sagt sie nach Milliardenabschreibungen im dritten Vierteljahr weitere Belastungen für das vierte Quartal voraus. Anfang Dezember lassen die Züricher die Katze aus dem Sack: Ganze zehn Milliarden Dollar werden aus den Büchern gestrichen. Für das Gesamtjahr 2007 könnte es rote Zahlen geben. Weitere große Wertberichtigungen seien nicht mehr zu befürchten, heißt es. Gleichzeitig erhöht die UBS ihr Kernkapital, unter anderem durch den Einstieg des Staatsfonds GIC aus Singapur und eines nicht namentlich bekannten Investors aus dem Nahen Osten.

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