Finanzkrise Wie die Märkte in Not gerieten

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Nach der Blase ist vor der Blase: Im Jahr 2000 fallen die durch Spekulation aufgetürmten Börsenkurse in sich zusammen. Die folgende Baisse hält bis 2003 an. Privatanleger fliehen aus Aktien. In den USA und anderen Ländern suchen sie die Immobilienmärkte, die schon seit einigen Jahren boomen, als vermeintlich sichere Häfen.

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Irrationaler Überschwang: Die US-Notenbank unter Alan Greenspan senkt den Leitzins radikal - im Juni 2003 bis auf 1,0 Prozent. Damit rettet sie die US-Wirtschaft vor dem Zusammenbruch, hilft aber gleichzeitig, die nächste Blase aufzupusten, diesmal auf dem Immobilienmarkt. Hauskäufer nutzen das billige Geld für Bauvorhaben. US-Verbraucher haben einen Anreiz, sich zusätzlich zu verschulden, weil sie nach Inflation weniger zurückzahlen müssen, als sie geliehen haben.

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Bauboom: In den Jahren 2000 bis 2006 entstehen so viele neue Häuser wie nie zuvor in den USA. Siedlungen wie hier in der Umgebung von Denver fressen sich weit ins Land hinein. Der Bestand an Häusern wächst schneller als die Bevölkerung. Trotzdem legen auch die Preise zu, 2005 und 2006 sogar mit zweistelligen Wachstumsraten. Ökonomen schätzen das Volumen der Hauspreisblase auf bis zu acht Billionen Dollar, etwa zwei Drittel der jährlichen US-Wirtschaftsleistung.

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Mein Haus ist mein Geldautomat: Weil ihr Immobilienvermögen ständig an Wert gewinnt, beleihen viele Familien ihre Häuser mit Hypotheken, sogenannten Home Equity Loans - selbst wenn sie den Kredit zum Kauf des Hauses bereits abbezahlt haben. Die privaten Haushalte haben eine negative Sparquote, ihr Verbrauch übersteigt also ihr Einkommen. Für die US-Wirtschaft ist die extreme Verschuldung zunächst gut, denn der Konsum treibt das Wachstum an.

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Neue Märkte: Neue Kreditformen, meist mit variablen Zinsen, verbreiten sich. Dank billiger Lockzinsen scheint das Geld auf der Straße zu liegen. Gut ein Fünftel der 2005 und 2006 vergebenen Hypothekenkredite zählt zum Subprime-Segment, geht also an Kunden, die als kreditunwürdig eingestuft werden. Doch parallel zu den Immobilienpreisen steigen auch die Zinsen. Dieses Paar aus der Nähe von Boston muss für sein Eigenheim monatlich 3000 Dollar zahlen, zu Anfang waren es 1700 Dollar.

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Einer trage des anderen Last: Investmentbanken machen aus den Hypotheken ein profitables Geschäft. Die Hypothekengeber verbriefen die Kredite, verkaufen also das Recht, die Schulden einzutreiben, weiter. Diese Mortgage Backed Securities (MBS) oder allgemeiner Asset Backed Securities (ABS) genannten Finanzprodukte werden wiederum zu größeren Paketen, Collateralized Debt Obligations (CDO), verschnürt. Je höher das Ausfallrisiko der Kredite, desto höher ist auch die mögliche Rendite. Weil viele Verbindlichkeiten in einem Papier gebündelt werden, schätzen Banken und Ratingagenturen das Risiko aber meist als gering ein - doch niemand weiß mehr, was genau in den Papieren steckt.

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Erste Krisenzeichen: Bereits Mitte 2006 wird deutlich, dass der Immobilienboom ein Ende hat. Häuser sind schwieriger zu verkaufen, Neubauten wie hier in Utah stehen monatelang leer. Im Herbst bekommen die Baufirmen die Krise zu spüren: Die Aufträge für neue Häuser nehmen ab, Umsätze und Gewinne brechen ein.

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Werteverfall: Jüngsten Daten zufolge waren Häuser im Sommer 2008 US-weit mehr als 15 Prozent billiger als im Vorjahr. Besonders in früheren Boomregionen wie Kalifornien, Arizona oder Florida geht es noch schneller bergab, das Bild stammt aus dem vergleichweise wenig betroffenen Bundesstaat Vermont. Einen landesweiten Rückgang der Hauspreise hatte es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben.

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Aus der Traum: Immer mehr Schuldner können ihre Kredite angesichts steigender Zinsen und fallender Hauspreise nicht mehr bedienen. Besonders Subprime-Hypotheken fallen seit dem Frühjahr reihenweise aus, aber auch Hausbesitzer mit höherer Bonität bekommen Probleme. In vielen Fällen ist das Haus plötzlich weniger wert als die Hypothek. Für die Betroffenen heißt das in der Regel: Ausziehen! Die Quote der Hausbesitzer ist auf das Niveau von 2003 gefallen.

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Schieflage: Im April 2007 muss die auf Subprime-Kredite spezialisierte Hypothekenbank New Century Financial Gläubigerschutz beantragen. Danach erwischt es etliche weitere Kreditgeber. Im August geht American Home Mortgage Pleite, obwohl das Institut wenig mit dem Subprime-Sektor zu tun hat. Auch Marktführer Countrywide bekommt Probleme und wird schließlich von der Bank of America geschluckt. Schließlich verschwinden praktisch alle privaten Hypothekenbanken vom Markt.

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Rettungsversuch: US-Präsident George Bush und sein Finanzminister Henry Paulson präsentieren im Dezember ihren Plan "Hope Now", der die Welle von Zwangsversteigerungen bremsen soll. Variabel verzinste Hypotheken können ab 2008 auf dem jetzigen Zinssatz eingefroren werden, wenn die Kreditnehmer in Zahlungsnot geraten. Am Kern des Problems, den fallenden Hauspreisen, kann der Plan allerdings nichts ändern. Im Februar beschließt der Kongress ein Konjunkturprogramm über 160 Milliarden Dollar, größtenteils aus Steuergutschriften. Auf das wenig wirksame Programm "Hope Now" folgt schnell der neue Plan "Project Lifeline" - ein Aufschub um 30 Tage für bedrohte Schuldner, der berühmte Strohhalm als Rettungsanker.

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Verzockt: Investoren, die auf Gewinne aus dem Eintreiben der Hypothekenschulden gehofft haben, müssen gewaltige Verluste hinnehmen. Die Investmentbank Bear Stearns (hier die Zentrale in New York) erklärt im Juli 2007 zwei Hedgefonds, die auf CDOs setzten, für wertlos. Es trifft aber nicht nur Hedgefonds. Auch in Deutschland vertriebene Publikumsfonds werden geschlossen, weil Initiatoren wie die WestLB oder Union Investment die ABS aus ihrem Portfolio nicht mehr verkaufen können.

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Hütchenspiel: Wo ist das Risiko? Faule Kredite aus dem US-Hypothekenmarkt tauchen an unerwarteter Stelle im Bankensystem auf. Ende Juli 2007 erschreckt die deutsche Mittelstandsbank IKB die Märkte, weil sie mit einer ausgelagerten Zweckgesellschaft voll auf Risiko gesetzt hatte und nun keinen Kredit von der Deutschen Bank mehr bekommt. Ähnliche Konstruktionen gibt es in mehreren Landesbanken. Der Freistaat Sachsen sieht sich wegen der Schieflage zum Notverkauf der SachsenLB gezwungen. Geschäftsbanken verweisen auf ihr geringes Engagement im Subprime-Markt, müssen aber nach und nach Milliardenbeträge abschreiben.

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Wochen der Wahrheit: Mehrere Großbanken müssen im Herbst und Winter teilweise zweistellige Milliardenbeträge ihrer Kreditpakete abschreiben. UBS und Merrill Lynch führt das in rote Zahlen. Die Chefs von Merrill, der Citigroup und Bear Stearns treten zurück. Mehrere Großbanken retten sich mit teuer verzinsten Wandelanleihen, die sie an asiatische oder arabische Staatsfonds und andere Investoren verkaufen. Langfristig geben sie für das dringend benötigte Eigenkapital einen Teil der Kontrolle über die Bank auf. Bis August 2008 belaufen sich die Abschreibungen auf 500 Milliarden Dollar. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem Abschreibungsbedarf von einer Billion Dollar.

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Schock für die Märkte: Weltweit gehen die Börsen auf Talfahrt, der deutsche Leitindex Dax fällt im Januar von seinem gerade bei 8151 Punkten erreichten Rekordhoch bis unter 7200 Zähler. Im September fällt der Dax kurzzeitig unter 6000 Punkte. Im Vergleich zu den Kreditmärkten verläuft der Abschwung für die Aktienkurse aber moderat. Die Kurse treibt die Hoffnung auf eine...

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Geldspritze: Die Notenbanken mühen sich nach Kräften, die Liquidität der Märkte zu erhalten. Besonders die EZB unter Jean-Claude Trichet pumpte den Banken mehrfach kurzfristig Geld. Ben Bernanke ließ die Federal Reserve Aktionsbereitschaft demonstrieren: Der Leitzins wurde seit September in ungewöhnlich großen Schritten um mehr als 3 Prozentpunkte gesenkt, außerdem akzeptierte die Fed ABS als Sicherheit für neue Kredite an Großbanken und gab Investmentbanken Zugang zu ihren kurzfristigen Krediten. Im September stützten die internationalen Zentralbanken den Geldmarkt mit mehreren hundert Milliarden Dollar.

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Teures Geld: Die Krise wirkt sich auch auf den Devisenmarkt aus. Vor allem Hedgefonds suchen Liquidität, um die Lücken aus dem CDO-Geschäft zu stopfen. Sie lösen massenhaft die sogenannten Carry Trades auf, mit denen sie in den vergangenen Jahren in Niedrigzinsländern wie Japan Geld liehen, um es in Hochzinsländern wie Australien oder Neuseeland anzulegen. Der Yen wertet massiv auf, auch gegen den US-Dollar und den Euro. Das ist bitter für die japanische Exportindustrie, deren Produkte im Ausland teurer werden.

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Terminator: Banken werden schlagartig vorsichtig bis restriktiv in ihrer Kreditvergabe, weil sie Ausfälle fürchten und Risiken nicht mehr am Markt weiterreichen können. Selbst Hollywood muss bluten. Einem Zeitungsbericht zufolge platzt ein Milliardendeal von Goldman Sachs für das Studio Metro Goldwyn Mayer, der für die Verfilmung von "Der Hobbit" und des vierten Teils von "Terminator" (im Bild eine Maske aus dem dritten Teil) eingeplant war. Weltweit haben Unternehmen Schwierigkeiten, über kurzfristige Commercial Papers ihr Geschäft zu finanzieren - egal wie solide ihre Bilanzen sind.

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Das nächste große Risiko: Große Fusionen und Übernahmen werden auf Eis gelegt oder gelingen nur mit Mühe, wie der Verkauf der Daimler-Tochter Chrysler an die Private-Equity-Firma Cerberus. Besonders für Finanzinvestoren, die Übernahmen mit immer höherem Schuldenanteil finanziert haben, brechen wegen knapper Kredite saure Zeiten an. Etliche in diesem und dem vergangenen Jahr abgeschlossene Milliardengeschäfte stehen auf der Kippe. Hier ist das Ausfallrisiko noch größer als im US-Immobilienmarkt. Im Schatten der Subprime-Krise schreiben mehrere Banken im Winter Milliardenbeträge auch auf diese Leveraged Loans ab.

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Der nächste Dominostein: US-Kreditversicherer wie MBIA oder Ambac brauchen dringend Geld, weil sich die ehemaligen Monoliner nicht auf die Ausfallversicherung kommunaler Anleihen beschränkt und in den Markt für US-Hypotheken gewagt haben. Das Fatale daran - eine Ratingabstufung der Kreditversicherer trifft zahllose von ihnen versicherte Anleihen ebenfalls. Weitere Abstufungen der Bankportfolios sind die Folge.

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Notverkauf: Mitte März 2008 übernimmt die Großbank J. P. Morgan Chase die US-Investmentbank Bear Stearns und verhindert auf diese Weise einen Zusammenbruch des Wall-Street-Hauses. Der Notverkauf wird tatkräftig von der US-Notenbank unterstützt, eine wochenlange Zwischenerholung an der Börse ist die Folge. Doch das ist nur der Auftakt zum ...

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Ende der Investmentbanken: Nachdem verschiedene Rettungsversuche gescheitert sind und sich auch kein Käufer gefunden hat, wird die traditionsreiche US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September unter Gläubigerschutz gestellt - die Regierung entscheidet sich gegen eine Rettung, um ein Zeichen für mehr Risikobewusstsein zu setzen. Der Ausfall von Lehman als Gegenpartei löst weltweit neue Milliardenabschreibungen aus. Merrill Lynch verkauft sich nach Bear-Stearns-Vorbild an die Bank of America. Die verbliebenen beiden großen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley geben kurz darauf ihren unregulierten Status auf und unterstellen sich als normale Geschäftsbanken der Fed.

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Vater Staat holt seine Kinder: Die größten Hypothekenanbieter der USA, Fannie Mae und Freddie Mac, haben im Lauf der Krise immer größere Kreditportfolios von Pleite gegangenen Privatbanken übernommen und selbst dafür gesorgt, dass weiterhin neue Immobilienkredite vergeben werden. Doch die Schuldenlast wird zu groß für die kleine Kapitaldecke, Anleger spekulieren auf eine Pleite der Giganten. Um einen völligen Zusammenbruch des Markts zu verhindern, stellt die Regierung die Institute unter ihre Kontrolle - die 1968 begonnene Privatisierung wird faktisch zurückgenommen.

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Schlag auf Schlag: Nach Fannie, Freddie, Lehman und Merrill droht innerhalb einer Woche auch der größte Versicherungskonzern der Welt zu verschwinden. Die Fed gewährt der American International Group (AIG) in höchster Not einen 85-Milliarden-Dollar-Kredit, weil sich keine private Lösung abzeichnet und die Ratingagenturen bereits die Kreditwürdigkeit abstufen. Im Gegenzug übernimmt der Staat die Mehrheit der Anteile und stellt die AIG unter seine Kontrolle. Eine Pleite hätte unkalkulierbare Folgen für den Finanzmarkt, weil AIG auch Kreditrisiken versichert.

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Big Bailout: Am 18. September tritt Finanzminister Henry Paulson (M.) mit Fed-Gouverneur Bernanke vor die Presse. Der Staat plant ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket, um Banken ihre faulen Kredite abzunehmen und die Abwärtsspirale der Märkte zu stoppen.

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