Hypothekenkrise Die Einschätzung der Profis

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Dieter Wolf, Geschäftsführer, MEAG
Die Börse: "Unserer Meinung nach sehen wir eine zwischenzeitliche Korrektur der Aktienmärkte, aber nicht den Anfang einer Baisse. Die Konjunkturaussichten sind weiterhin robust, Aktien sind nicht überbewertet. Wir befinden uns in einer Phase, in der Preise für Risiken re-adjustiert werden. In dieser Anpassung kommt es zu zwischenzeitlichen Verspannungen an den Kapitalmärkten."
Der Geldmarkt: "Der Anspruch von Geldmarktfonds ist, dem Anleger einen sicheren Parkplatz für das kurzfristige Geld zu bieten. Deshalb müssen Geldmarktfonds auch in der kurzfristigen Betrachtung eine hohe Wertstabilität aufweisen. Jederzeitige Liquidität ist uns wichtig. Die Anlagemischung in unseren Portfolien richtet sich nach diesen Maximen aus."
Die Chancen: "Gegenwärtig ist das zeitliche Ausmaß sowie die Ausprägung der Korrektur schwer abschätzbar. Daher sollte aktuell nur der risikofreudige Anleger zugreifen."

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Max Holzer, Leiter Asset-Allocation, Union Investment
Die Börse: "Den Aktienmärkten stehen wir trotz der jüngsten Turbulenzen weiterhin zuversichtlich gegenüber, auch wenn mit erhöhten Kursschwankungen zu rechnen ist. Zwar wird sich die angeschlagene Situation am US-Häusermarkt nicht so rasch bessern, doch erwarten wir vom heutigen Standpunkt aus keine wesentliche Beeinträchtigung der US-Konjunktur und damit des weltwirtschaftlichen Wachstumsprozesses. Ein konstruktives Makro- und Kapitalmarktumfeld (solide globale Konjunktur bei nur begrenztem Inflationsauftrieb), hohe Profitabilität und attraktive Bewertungen bilden die Basis für eine erfreuliche Aktienmarktentwicklung in 2007."
Der Geldmarkt: "Unsere klassischen Geldmarktfonds sind weiterhin ein sicherer Hafen. Sie gelten somit weiterhin als sichere Parkmöglichkeit.
Die Chancen: "Aktien sind ein unverzichtbarer Anlagebaustein zur Erzielung langfristiger Sparziele. Das gilt in Zeiten relativ niedriger Zinsen umso mehr. Schwächephasen sollten also zu selektiven Positionsaufstockungen genutzt werden. Unsere Zwölf-Monats-Prognose für den Dax liegt derzeit bei 8400 Punkten."

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Achim Küssner, Deutschland-Geschäftsführer, Schroders
Die Börse: "Kurzfristige Korrekturen sind nichts Unbekanntes für die Anleger und die Märkte haben in den letzten zwölf Monaten schon einmal heftig auf negative Schlagzeilen reagiert (im Juni 2006 und Februar 2007). Die Weltwirtschaft und viele Unternehmen stehen weiterhin noch auf gesunden Füßen und die aktuellen Ereignisse sind für uns noch weit entfernt von einem Bärenmarkt. Die Investoren werden sich aber jetzt wieder mehr auf Qualitätswerte konzentrieren."
Der Geldmarkt: "Wie immer sollte man sehr genau hinschauen, was man kauft. Geldmarktfonds mit 'Pfeffer', also solche die eine höhere Performance erzielen wollen, müssen sich ihre Rendite durchaus mit höherem Risiko erkaufen. Das heißt aber nicht, dass alle Geldmarktfonds plötzlich riskante Produkte sind. Ein ordentlich gemanagter Geldmarktfonds ist immer noch das sicherste Investment unter den liquiden Anlageklassen."
Die Chancen: "Langfristig orientierte Anleger sollten bei solchen Schwankungen die Gelegenheit nutzen und nachkaufen. Es gibt wieder einige günstig bewertete Titel und wie in Frage 1 bereits erwähnt, sind die Fundamentaldaten weiterhin robust. Anleger, die aufgrund ihrer Risikoneigung und Anlagehorizont Aktien im Portfolio halten, sollten solche Situationen ausnutzen und nachkaufen - auch auf die Gefahr, dass die Märkte noch ein Stück weiter nachgeben könnten."

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Ad van Tiggelen, Chefstratege, ING Investment Management
Die Börse: "Wir glauben, dass das eine Korrektur in einem Bullenmarkt ist. Immerhin sind die Fundamentaldaten aus dem Unternehmensbereich sehr solide und das wirtschaftliche Wachstum sehr stark. Außerdem sind die Bewertungen vernünftig und der Risikoappetit ist nun recht gering."
Der Geldmarkt: "Die Majorität der Geldmarktfonds ist noch immer der sichere Hafen. Aber mehr als in der Vergangenheit mag es klug sein, die Mandate zu studieren, bevor man investiert."
Die Chancen: "Betrachtet man die enorme Volatilität und die Risiken für ein weiteres kurzfristiges Absacken, dann würden wir Aktien in den folgenden Wochen graduell nachkaufen, nicht alles an einem Tag. Wir glauben, dass die Kurse am Ende des Jahres höher sein werden."

Foto: DPA