Überblick Wie man Cash aus Unternehmen presst

Übernahmen durch Schulden (leveraged buyouts) haben schon manche deutsche Unternehmen in Schwierigkeiten gebracht. Zusätzliche Rekapitalisierungen, die Sonderausschüttungen an die Eigner finanzieren sollen, erhöhen das Risiko. Ein Überblick.
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Kiekert: Der Türschlosshersteller (hier: Kiekert-Kunde Ford) wurde im Jahr 2000 vom britischen Finanzinvestor Permira für rund 530 Millionen Euro übernommen. Einen großen Teil davon lud Permira dem Unternehmen in Form von Schulden auf: Als die Geschäfte schlechter liefen und mit Ford ein wichtiger Kunde zeitweise wegbrach, geriet Kiekert in Schwierigkeiten. Schuldenaufkäufer kauften Darlehen an Kiekert auf: Auf diese Weise übernahmen schließlich die Londoner Hedgefonds Silver Point und Blue Bay Asset Management die Kontrolle. Vor wenigen Tagen sandten sie Sanierungsspezialisten in den Kiekert-Vorstand.

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Grohe: Der deutsche Armaturenhersteller stand im Zentrum der von Franz Müntefering angestoßenen "Heuschrecken-Debatte:" Die Finanzinvestoren Texas Pacific Group und die zur Credit Suisse gehörende DLJ Merchant Partners hatten Grohe im Jahr 2004 für knapp zwei Milliarden Euro gekauft und dem Unternehmen eine hohe Schuldenlast weitergereicht. Anschließend wurde ein drastisches Stellenabbauprogramm gestartet: Von rund 4000 Mitarbeitern in Deutschland mussten bislang knapp 800 gehen. Vor wenigen Wochen musste Grohe eine Anleihe in Höhe von 800 Millionen Euro auflegen, um Darlehen aus dem Jahr 2004 abzulösen und die Schuldenlast zu verlagern.

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Cash-Cow Cognis: Permira und Goldman Sachs kauften die ehemalige Henkel-Tochter im Herbst 2001 für rund 2,5 Milliarden Euro, steuerten aber nur knapp 500 Millionen eigenes Kapital bei. Der Rest wurde dem Unternehmen in Form von Schulden aufgeladen - Cognis musste Kredite in Höhe von 1,8 Milliarden Euro Euro bedienen. 2004 sowie 2005 musste das Unternehmen zusätzliche Anleihen aufnehmen, um Sonderdividenden in Höhe von 320 Millionen Euro sowie 530 Millionen Euro an die Eigner zu finanzieren. GS und Permira pressten binnen vier Jahren 850 Millionen Euro aus dem Unternehmen - fast doppelt so viel, wie sie selbst zum Kauf beigesteuert haben. Und das Unternehmen gehört ihnen noch immer.

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Tank & Rast: 2004 kaufte der britische Finanzinvestor Terra Firma den Autobahn-Raststättenbetreiber von Apax Partners - für geschätzte 1,1 Milliarden Euro. Den eigenen Einsatz in Höhe von rund 300 Millionen Euro hat sich Terra Firma längst zurückgeholt: Im Sommer 2006 wurden Tank & Rast zusätzliche Schulden aufgebürdet, um eine Sonderausschüttung an die neuen Eigner zu finanzieren. "Verkraftbar", meinen Kenner der Szene.

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Cewe Color: Beim Oldenburger Fotoentwickler Cewe Color setzt derzeit unter anderem der amerikanische Hedgefonds M2 Capital den Hebel an. Cewe Color sei "eindeutig überkapitalisiert": M2 fordert daher eine notfalls kreditfinanzierte Sonderausschüttung in Höhe von knapp 40 Millionen Euro. Außerdem soll der Aufsichtsrat neu besetzt werden. Noch wehrt sich Cewe Color gegen die Hedgefonds-Attacke - unter anderem mit Unterstützung der Nord LB.

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