Schwarzbuch Börse Die größten Sünder

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Altana: Freiwillig zerschlagen

Auf die Aktionäre wartet nach der Hauptversammlung im Mai eine Rekorddividende von 33,30 Euro je Aktie. Der Großteil stammt aus dem Verkauf der Pharmasparte an die dänische Nycomed. Die Dänen zahlten 4,6 Milliarden Euro für das Kerngeschäft des Dax-Konzerns, das hochprofitabel ist, aber vom Milliardengeschäft mit dem Magenmittel Pantoprazol abhängt, dessen Patentschutz 2010 abläuft.
Nun wisse Altana-Chef Nikolaus Schweickart nichts mit dem Geld anzufangen und verteile es deshalb an die Eigner, lästern die Aktionärsschützer. Im übrig gebliebenen Spezialchemiegeschäft habe Altana keine Probleme. Besser wäre es nach Meinung der SdK gewesen, die Chemiesparte abzustoßen – dann hätte Altana Lizenzen für neue Medikamente kaufen oder in eigene Forschung investieren können.
Die meisten Aktionäre müssen die Sonderausschüttung wie eine reguläre Dividende versteuern, warnt die SdK. "Geradezu zynisch" sei es da, dass Großaktionärin Susanne Klatten eine eigene GmbH gegründet hat, auf die sie ihre Anteile steuersparend übertragen lasse. Dass Schweickart den Aktionären empfahl, ihre Anteile vor der Hauptversammlung zu verkaufen und ein Zertifikat der Deutschen Bank zu erwerben, das später in Altana-Aktien umgewandelt werde, gibt Anlass zu weiterem Spott: "Es dürfte in der deutschen Börsengeschichte ziemlich einmalig sein, dass ein Unternehmen seinen Aktionären offen dazu rät, die eigene Aktie zu verkaufen."

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EADS: Milliarden vernichtet

Der 14. Juni 2006 war ein denkwürdiger Tag. EADS musste technische Probleme und dramatische Lieferverzögerungen beim Prestigeobjekt A380 bekannt geben, die Aktie verlor etwa ein Viertel ihres Werts. Rund fünf Milliarden Euro Marktkapitalisierung lösten sich in Luft auf.
Dazu kam ein böser Verdacht: Manager und Großaktionäre des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns waren angeblich gewarnt. Sie hätten verbotenes Insiderwissen genutzt und noch rechtzeitig vor dem Kurssturz verkauft. Die Aktionärsschützer der SdK sehen darin den "wohl größten Börsenskandal" des Jahres 2006.
Noch suchen die Staatsanwaltschaften nach Beweisen für die Vorwürfe. Klar ist aber: Es ist die größte Krise des Konzerns. Wegen der Lieferverzögerungen soll der EADS-Gewinn bis 2010 jährlich um 500 Millionen Euro niedriger ausfallen. Auch rote Zahlen werden nicht mehr ausgeschlossen. Tausende Jobs vor allem bei der Tochter Airbus stehen auf der Kippe.
Zahlreiche Posten an der Spitze von EADS und Airbus wurden neu verteilt. So musste der EADS-Co-Chef Noël Forgeard gehen. Bis 2005 war er noch selbst Chef bei Airbus. Forgeard hatte ebenso wie die beiden EADS-Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler größere Aktienpakete im Vorfeld verkauft. Jetzt ringen Deutsche und Franzosen darum, das komplizierte Gleichgewicht neu zu tarieren. Die Aktie hat sich seit ihrem Kurssturz wieder ein wenig erholt - mehr aber auch nicht.

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Siemens: Schwarze Kassen

Siemens legte im vergangenen Jahr eine ganze Skandalserie hin. Eine im Vergleich zur Unternehmensleistung "nicht vertretbare" Erhöhung der Vorstandsvergütung von rund 30 Prozent habe das Image beschädigt, schreiben die Aktionärsschützer. Weiteren Schaden nahm der Ruf durch den Konkurs der abgewirtschafteten und dann an die BenQ-Gruppe aus Taiwan verschenkten Mobilfunksparte.
"Gänzlich ramponiert", so die SdK, wurde das Ansehen im November mit dem Bekanntwerden von Schmiergeldzahlungen über schwarze Kassen. Zufall oder nicht: Einen Tag vor der Hauptversammlung in diesem Januar setzte die EU-Kommission dem sprichwörtlichen Fass die Krone auf, als sie wegen eines Kartells ein Rekord-Bußgeld von 400 Millionen Euro verhängte.
Die Hauptversammlung selbst war eine schallende Ohrfeige für Vorstand und Aufsichtsrat. Die Gremien wurden nach einer zwölfstündigen Marathonsitzung mit spektakulär niedriger Zustimmung entlastet. Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer erhielt mit 65,9 Prozent das schlechteste Ergebnis. Von Pierer war in der maßgeblichen Zeit zwischen 1999 und 2004 Vorstandschef bei Siemens.
Deshalb wurden schon im Vorfeld Zweifel laut, ob von Pierer der Richtige sei, um im Interesse der Eigentümer unbefangen und vorurteilsfrei die richtigen Untersuchungen einzuleiten und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Die SdK fordert eine "Korrektur, damit ein Neuanfang machbar und personell sichtbar wird".

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Telekom: Witwen- und Waisen-Aktie

Die T-Aktie hatte im November 2006 ihren zehnten Geburtstag. Doch kaum jemand mochte ihn feiern. Aktionäre, die zum Ausgabepreis von 14,57 Euro eingestiegen sind, sitzen bis heute auf Verlusten – ganz abgesehen von denen, die zum Höchstkurs von 103,50 Euro kauften. Selbst 2006, als der Dax 22 Prozent zulegte, verlor die "Volksaktie" an Wert. Die Telekom meldete von Quartal zu Quartal größere Gewinneinbußen.
Als Hauptschuldigen für die Probleme sieht die SdK Ex-Chef Ron Sommer, der sein Amt allerdings schon 2002 aufgeben musste. Doch Sommers überteuerter "Global Player"-Strategie seien weitere Fehler gefolgt. Sein Nachfolger Kai-Uwe Ricke habe die Billigkonkurrenz unterschätzt und technische Entwicklungen verschlafen. Der neue Chef René Obermann stelle sich dem Schrumpfkurs gar nicht erst entgegen und bekenne freimütig, die Telekom werde weiter Kunden verlieren.
In Gestalt des Aktionärs Blackstone sieht die SdK "Heuschrecken" am Werk. Blackstone habe Rickes Abgang im November betrieben und versucht, den Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel abzusetzen. Gerüchte über eine Beteiligung des russischen Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow riefen zum Jahresende sogar den BND auf den Plan. Doch an solchen "fragwürdigen" Investoren komme die Telekom nicht vorbei, bemerkt die SdK süffisant. Irgendjemand müsse schließlich die Anteile kaufen, die der Bund loswerden will.

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ThyssenKrupp: Aktionärs-Apartheid

Alle Aktionäre sind gleich, aber einige Aktionäre sind gleicher als andere. Frei nach Orwells "Animal Farm" sieht die SdK im Haus ThyssenKrupp Verrat an den Idealen der Unternehmensführung. Seit der Hauptversammlung im Januar 2007 hat die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ein Sonderrecht: Sie darf drei Aufsichtsratsmitglieder bestimmen, ohne die übrigen Aktionäre zu fragen.
Mit den Sonderrechten der Stiftung werde die Mehrheit der Kapitaleigner entmündigt, kritisiert die SdK. Der Vorstand dagegen sieht das Entsenderecht gerade als Belohnung "im Sinne guter Corporate Governance" für die Stiftung, die strategisch zu Deutschlands größtem Stahlkonzern hält. Während Branchenriesen wie Arcelor oder Corus von Konkurrenten gekauft werden, baut ThyssenKrupp sein Bollwerk gegen Übernahmeversuche aus.
Pikant findet die SdK, dass Aufsichtsratschef Gerhard Cromme in Personalunion Mitglied im Beirat der Stiftung und Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance ist. Der von dieser Kommission erarbeitete Kodex sehe schließlich vor, dass alle Aktionäre gleich behandelt werden. Cromme habe einen "glatten Verstoß" gegen sein eigenes Werk betrieben. Schon sein früherer Wechsel vom Chef zum obersten Kontrolleur des Unternehmens widerspreche den Regeln. Das Urteil der SdK: "Die Glaubwürdigkeit von Gerhard Cromme als Verfechter guter Corporate Governance ist ziemlich erschüttert."

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Tui: Unklug

Der Dax hat im Jahr 2006 22 Prozent an Wert gewonnen. Die Tui-Aktie dagegen verbuchte ein Minus von 12 Prozent. Dieses klägliche Abschneiden lastet die SdK vor allem Vorstandschef Michael Frenzel an.
Ende der 90er Jahre galt Frenzel noch als Visionär. Immerhin schmiedete der Vorstandschef aus dem alten Industriekonglomerat Preussag einen Touristikkonzern. Doch inzwischen gilt diese Umwandlung der SdK als "eine der größten Wertvernichtungsaktionen der deutschen Unternehmensgeschichte".
Die Profitabilität ging nach dem Konzernumbau stetig zurück. Zugleich stiegen die Schulden ins Unermessliche. Mittlerweile droht Tui durch die völlig überteuerte Übernahme des kanadischen Frachtreeders CP Ships im Jahr 2005 und die anhaltende Krise im Tourismusgeschäft sogar in die roten Zahlen zu rutschen.
Frenzel wollte die Schifffahrt um Hapag-Lloyd zu einem zweiten Standbein neben der Tourismussparte ausbauen. Eine schlechte Entscheidung, meinen die Aktionärsschützer. Hätten die Frachtraten doch zu jener Zeit bereits ihren absoluten Höhepunkt erreicht und sich dann nur noch nach unten entwickelt. "Damit war die Übernahme unternehmerisch in etwa so klug, als hätte man im Jahr 2000 eine Internetfirma gekauft", moniert die SdK.
Dass Frenzel von einer umfassenden Neuordnung nichts wissen will, erzürnt die Aktionärsschützer. Erst nach dem Rücktritt von Frenzel gebe es "die Chance für einen echten Neuanfang" bei Tui.

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Volkswagen: Putsch in Wolfsburg

Porsches Einstieg bei Volkswagen galt 2005 als Mittel gegen eine feindliche Übernahme. Doch inzwischen haben sich die Stuttgarter selbst als "schwarze Ritter" entpuppt, schreibt die SdK. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, zugleich Porsche-Spross und -Stammaktionär, ziehe die Strippen.
VW hat zwar ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Die Stammaktie verdoppelte ihren Wert. Doch den Erfolg halten die Aktionärsschützer für gefährdet, weil er im Sanierungskurs des im November geschassten Chefs Bernd Pischetsrieder begründet sei. Sein Nachfolger Martin Winterkorn sei ein Vertrauter Piëchs, der noch der "gescheiterten Luxusstrategie" aus seiner eigenen Amtszeit als VW-Chef nachhänge.
Die SdK sagt Piëch "Allmachtsfantasien" nach. Er habe Pischetsrieders Abwahl "wie einen Staatsstreich" durch den Aufsichtsrat gedrückt. Piëch vertrete nur Porsches Interessen, nicht die aller Aktionäre. Was Porsche mit Volkswagen vorhat, werde sich zeigen, wenn der Europäische Gerichtshof mit dem VW-Gesetz die Sperrminorität des Landes Niedersachsen kippt. Von übernehmen bis zerschlagen sei alles möglich. In diesem Jahr steht die Neuwahl des Aufsichtsratschefs an. Bisher ist vereinbart, dass Piëch einem neutralen Kandidaten Platz macht. Doch dank der neuen Machtverhältnisse, fürchtet die SdK, könne er erneut kandidieren. "Inzwischen glaubt er scheinbar, an nichts und niemanden mehr gebunden zu sein."

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