Umfrage bei Airbus: "Wer sich nicht wehrt, wird untergebuttert"

Eine Kette von Reisebussen fuhr am Freitag am Airbus-Werk Varel vor. Kollegen aus Nordenham (2000 Personen), Stade (1500) und Buxtehude (450) reisten an, um gegen die befürchteten Werksverkäufe und Stellenkürzungen zu demonstrieren. manager-magazin.de fragte nach ihren Motiven.
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Jörg B., Fluggerätemechaniker in Nordenham, mit Sohn: "Ich kann die Pläne des Managements nicht nachvollziehen. Ich arbeite seit 20 Jahren für Airbus, und wir haben häufig bewiesen, wie flexibel wir sind. Zur Zeit werden in Nordenham drei Schichten gefahren, aber wir könnten auch auf vier hochfahren, da gibt es mit den Kollegen keine Probleme. Andererseits, beim A380 sind wir weit vor dem Zeitplan, und das mit einer Qualität, die nicht so einfach zu ersetzen ist. Wir fertigen hier unter anderem Schalen-Sektionen und Türen. Es wurde in der Vergangenheit schon versucht, dass in anderen Ländern – auch in Frankreich - zu machen. Ergebnis: negativ, die Teile hielten vielfach den Materialprüfungen nicht stand. Das Knowhow sitzt hier und lässt sich nicht so einfach nach Russland, Spanien oder China verpflanzen."

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Georg Seib vom Werk Buxtehude, Kabinenkommunikation: "Die Situation ist nach dem Eindruck vieler Kollegen hier: Die französischen Werke wollen so viel Produktion wie möglich an sich reißen. Aber wir wollen aus guten Gründen, dass sie hier bleibt. Wir liefern beispielsweise eine gleichbleibend hohe Produktqualität. Für mich ist es noch längst nicht ausgemachte Sache, dass massenweise deutsche Mitarbeiter entlassen werden. Vielleicht denkt man an entscheidender Stelle noch einmal nach, wenn wir weiterhin deutlich machen, wie stark das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Kollegen ist."

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Manuela Isler, SMD-Produktion, Werk Buxtehude: "Konkretes wird uns von offizieller Seite nicht mitgeteilt, aber man lässt munter Gerüchte kursieren, nach denen beispielsweise das Werk Stade unter spanische Führung gestellt werden soll, Varel und Nordenham könnten demnach verkauft werden. Der unschöne Effekt ist natürlich eine grassierende Verunsicherung innerhalb der Belegschaft."

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Tanja Reinke, Elektromechanik, Werk Buxtehude: "Wenn es sein müsste, würde viele Kollegen für eine gewisse Zeit auf einen Teil ihres Gehalts verzichten oder länger arbeiten. Solange man ein gewisses Einkunfts-Minimum für die laufenden Kosten erhalten könnte, würden viele mitmachen, wenn es dem Werk hilft."

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Heinz Meinschien vom Verdi-Ausschuss "Arbeiterinnen, Arbeiter" Bezirk Weser-Ems: "Uns geht es um den Erhalt wertvoller Arbeitsplätze in einer strukturarmen Region. Wir möchten ein sinnloses und unwürdiges Unterfangen, wie es das Sparprogramm 'Dolores' vor 14 Jahren war, nicht wieder erleben."

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Beate Gumienny, Bereich Elektronik, Werk Buxtehude: "Es wäre ein vergleichsweise geringes Übel, wenn man zur Bewältigung der Krise Gehaltsverzicht in Kauf nähme. Dass man mit flexiblen Arbeitszeitgestaltungen wirksam gegen die Krise angehen kann, haben schon viele deutsche Großkonzerne bewiesen. Wir haben für diesen 'Informationstag' alle Urlaub oder Überstunden eingereicht, auch unser Werksleiter Jens Dühnfort. Das ist ein schönes Zeichen dafür, dass die Reihen geschlossen sind. Werksleiter und Belegschaft ziehen an einem Strang."

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Jan "Jonny" Brunken": Ich habe 40 Jahre bei einem Zulieferer von Airbus gearbeitet – Brötche-Automation. Dem Betrieb, der technisch aufwendige Nietmaschinen für den Einbau von Metallteilen herstellte, ging es lange Zeit gut. Dann wollte das Management mehr Rendite – und hat das Unternehmen kaputtgespart. Ich hoffe, dass dieser Fehler sich in Varel nicht wiederholt."

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Ernst Lindemann: "Wer sich nicht wehrt, wird untergebuttert. Ich bin zwar Renter aber zeige hier meine Solidarität. Es ist nicht in Ordnung, wenn verdiente Mitarbeiter in den Werken wegen Managementfehlern auf der Straße landen – da träfe es die Falschen."

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Ministerpräsident Christian Wulff auf dem Weg zur Kundgebung: "Kompetenzen müssen an den bestehenden Airbus-Standorten erhalten bleiben. Es darf keine Verlagerung in andere Länder geben, die einseitig zu Lasten von Deutschland ginge. Leider gibt es Anzeichen dafür, dass es in der Airbus-Zentrale Pläne in diese Richtung gibt. Aber noch ist nichts entschieden."

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