Edmund Stoiber Das Ende einer CSU-Karriere

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Das "blonde Fallbeil": 1974 wird der damals 33-jährige Edmund Stoiber erstmal für die CSU in den Landtag gewählt. Kühl, kopfgesteuert, mit berechnend ätzender Polemik - so bringt es der promovierte Jurist Stoiber unter Franz Josef Strauß 1978 zum CSU-Generalsekretär und wichtigsten Gehilfen des mächtigen Bayern.

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150-prozentige Gefolgstreue: Der politische Ziehvater Strauß (hier bei der Taufe von Stoibers Sohn Dominic) blickte Stoiber auch nach seinem Tod 1988 lange als Bronzefigur hinter seinem Schreibtisch über die Schulter. 1980 führt Stoiber für seinen Meister den Kanzlerwahlkampf – und verliert. Dennoch macht Strauß ihn 1982 zum Leiter der Staatskanzlei. Als zweiter CSU-Kanzlerkandidat in der Geschichte der Bundesrepublik wird Stoiber 2002 in die Fußstapfen des von ihm sogenannten "Herrn Doktor Strauß" treten (und ebenfalls scheitern).

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Ministerfreuden: Als Leiter der Staatskanzlei erhält Stoiber den Rang eines Staatsministers, hier bei seiner Vereidigung im Oktober 1986. Sehr bald macht er auch bundespolitisch mit scharfer Kritik gegen Unions-Partnerin FDP von sich reden ("gnadenlos und unsozial"). In Bayern fordert die SPD seinen Rücktritt, weil er zu starken Einfluss auf die Personalentscheidungen des Bayrischen Rundfunks (BR) ausübt.

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Hardliner: Das Jahr 1988 ist die Zeitenwende in Bayern. Ministerpräsident Strauß stirbt, Max Streibl tritt die Nachfolge an - Stoiber ist zur Stelle und wird Innenminister. Schon als Aktenfresser und Arbeitstier verrufen, profiliert er sich als Hardliner beim Thema Innere Sicherheit: zum Beispiel 1989 mit der Präsentation des bis dato größten Rauschgiftfundes in Bayern (Foto) oder beim harten Durchgreifen der Polizei beim Münchener Weltwirtschaftsgipfel 1992 ("Münchener Kessel").

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Neuer Landesvater: Ehefrau Karin gratuliert Stoiber nach seiner Wahl zum bayerischen Ministerpräsidenten am 28. Mai 1993. Stoibers Amtsvorgänger Streibl war über die Amigo-Affäre gestolpert - und wieder ist Stoiber zur Stelle. Der durch eine Kampagne gegen sein Privatleben geschwächte CSU-Chef Theo Waigel hat im Machtkampf gegen den zuvor als "geschäftsführenden Ministerpräsidenten" gehandelten Stoiber das Nachsehen.

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Ehrenleutnant der Schützenkompanie Wolfratshausen: Stoiber erwirbt sich zunächst den Ruf, der große Ausmister in der CSU nach der Amigo-Affäre um seinen Vorgänger Streibl zu sein. Unter dem Schlagwort "Laptop und Lederhose" baut er den Freistaat in den ersten Jahren seiner Amtszeit zu einem Hightech-Standort aus.

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Freund des Fußballs: Stoiber gratuliert seinem Verein, dem FC Bayern, zur Meisterschaft 1994 - hier mit Manager Uli Hoeneß.

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Stoiber contra Waigel: Im Frühjahr 1997 eskaliert der Führungsstreit innerhalb der CSU. Stoiber attackiert die Politik von Bundesfinanzminister und CSU-Chef Theo Waigel. Im September 1998 tritt Waigel als Parteivorsitzender zurück. Im Januar 1999 wird Stoiber zum Nachfolger gewählt - und baut seine Machtfülle damit dramatisch aus.

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Stoiber-Opfer: Der bayerische Justizminister Alfred Sauter ist nach Peter Gauweiler (1994) der zweite Leidtragende von Stoibers Krisenmanagement - wenn es eng wird, muss jemand gehen. Sauter wird 1999 von Stoiber wegen Unregelmäßigkeiten in der staatlichen Immobiliengesellschaft LWS gefeuert. Pikant: Stoiber soll als Innenminister riskante Projekte der LWS forciert haben. Spätere Opfer sind Sozialministerin Barbara Stamm (BSE-Affäre, 2001), Monika Hohlmeier (Wahlfälscher-Affäre, 2004/05) oder zuletzt Bürochef Michael Höhenberger.

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Sieg über Merkel: Im Herbst 2001 rivalisieren Stoiber und die CDU-Chefin um die Kanzlerkandidatur für den Bundestagswahlkampf 2002. Nach einem gemeinsamen Frühstück im Januar 2002 bei Stoiber zuhause in Wolfratshausen verzichtet Merkel.

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Novum im deutschen Wahlkampf: Erstmals treten die Kanzlerkandidaten von Union und SPD in einem Fernsehduell gegeneinander an. Beide wirken an diesem Abend verstellt: Stoiber lächelt sich fast um Kopf und Kragen, Schröder versteckt sich voll hinter seiner staatstragenden Rolle als Bundeskanzler. Die Einschaltquote liegt bei 43 Prozent.

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Tag der Entscheidung: Stimmabgabe des Ehepaars Stoiber am 22. September 2002 in Wolfratshausen. Der Kandidat hatte als Ziel 40 plus X ausgegeben. Nach einem Auszählungskrimi liegen am Ende Union und SPD mit 38,5 gleichauf; die SPD hat etwas mehr Stimmen. Den Ausschlag für eine Fortführung der Regierung Schröder gibt das gute Abschneiden der Grünen.

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Triumphaler Sieg in Bayern: Im September 2003, ein Jahr nach seiner Schlappe in Berlin, fährt die CSU in Bayern mit Stoiber ein brachial gutes Ergebnis ein - 60,7 Prozent der Stimmen und eine in der Geschichte der Bundesrepublik einmalige Zweidrittel-Mehrheit im Landtag.

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Beinahe-Superminister Stoiber 2005: Während der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD steht er zunächst als designierter Minister neben Kanzlerin Merkel. Er soll für Wirtschaft und Technologie zuständig sein, außerdem beansprucht er Teile aus dem Bildungs- und dem Finanzressort. Überraschend verkündet er am 1. November 2005, dass er in München bleiben möchte. Dort waren zwischen Erwin Huber und Günther Beckstein schon die Nachfolgekämpfe entbrannt. Die Parteibasis ist vergrätzt.

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Angezählt: Die Affäre Pauli bringt die innerparteiliche Diskussion über ein baldiges Ende der Ära Stoiber an die Öffentlichkeit. In Wildbad Kreuth kündigt er an, bis 2013 im Amt bleiben zu wollen. Widerspruch regt sich in Parteispitze, Landtagsfraktion und CSU-Landesgruppe im Bundestag. Die Krise eskaliert.

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