Unsichtbare Macht Die Liste der 30 mächtigsten Investoren

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Johannes Huth
KKR

Die Nummer eins der deutschen Private-Equity-Manager. Huth - fünf Kinder, sechs Sprachen - leitet seit November 2004 das Europa-Geschäft von Kohlberg Kravis Roberts (KKR), einem der größten Finanzinvestoren. Als "sehr smart und sehr sachlich" lobt ihn ein Investmentbanker. Huths jüngste Erfolge: Gemeinsam mit Goldman Sachs kauft KKR die Gabelstaplersparte von Linde und zusammen mit Permira den TV-Konzern ProSiebenSat.1. "Von London aus sieht man die Dinge etwas positiver", sagte Huth (46) einmal über Deutschland und lobte die deutschen Facharbeiter und die Mitbestimmung. Die Betriebsräte haben es ihm nicht gedankt.

Nachdem KKR bei MTU Aero Engines rund 1000 Stellen gestrichen hat, wollen viele Gewerkschafter mit Huth und seinen Kollegen nichts mehr zu tun haben.

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Leon Black
Apollo Management

Das berüchtigte New Yorker Investmenthaus Drexel Burnham Lambert (DBL) hat viele Wall-Street-Berühmtheiten hervorgebracht. Abby Cohen etwa, die bei Goldman Sachs zum Börsenguru avancierte. Oder Michael Milken, den Erfinder der "Junk Bonds".

Der wohl erfolgreichste DBL-Zögling indes ist Leon Black (55). Seine Anlagefirma Apollo investiert vor allem in Krisenfälle. Die Truppe um Black ist in der Branche berüchtigt für ihr hartes Vorgehen. In Deutschland hat er sich bisher vor allem bei Kabelnetzbetreibern engagiert. Nicht immer erfolgreich: Sein Versuch, die marode Kabelfirma Primacom für einen Spottpreis von fünf Millionen Euro zu erwerben, wurde von den Aktionären abgeschmettert. Ein Viertel seines aktuellen Zehn-Milliarden-Dollar-Fonds will Black nun in Europa investieren - mit einem Schwerpunkt auf deutschen Firmen.

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Andrew Dechet
Texas Pacific Group (TPG)

Wer Andrew Dechet (38) das erste Mal begegnet, kann sich kaum vorstellen, dass er zu einem der härtesten Private-Equity-Teams gehört. Arztsohn Dechet, Studium der englischen Literatur, wirkt so gar nicht wie ein brutaler Firmenhändler. Doch TPG ist eben jene Investmentfirma, deren Gebaren den damaligen SPD-Chef Franz Müntefering zu seinem berühmten "Heuschrecken"-Zitat veranlasste. TPG wollte Anfang 2005 beim Sanitärhersteller Grohe Hunderte von Arbeitsplätzen streichen - da platzte "Münte" der Kragen.

Mittlerweile geht es Grohe wieder besser. Das zweite große TPG-Investment in Deutschland: Die Amerikaner halten knapp 30 Prozent am norddeutschen Mobilfunker Mobilcom - und schlugen sich mit renitenten Kleinanlegern herum, die die geplante Fusion mit der Internettochter Freenet per Klage blockierten. Doch nun macht ein Vergleich mit dem letzten Kläger den Weg zum Zusammenschluss frei.

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Frank Bruno
Cerberus

Auch Hedgefondsmagnaten haben mal Pech. So wie Frank Bruno, Europa-Chef des New Yorker Fonds Cerberus. Dessen Abgesandte durchkämmten monatelang die Zentrale des Kölner Versicherers Gerling. Als im Sommer 2005 endlich unterschriftsreife Kaufverträge vorlagen, ließ Bruno sich verleugnen, um den Preis zu drücken. Doch dann traf er in der Londoner U-Bahn zufällig Björn Jansli, den damaligen Gerling-Chef - und wusste außer Ausflüchten nichts zu seiner Rechtfertigung zu sagen.

Die Folge: Gerling wurde an Talanx verkauft, Cerberus wartet in Deutschland immer noch auf den ersten großen Deal. Immerhin: Im Immobiliensektor hat der 20-Milliarden-Dollar-Fonds schon reichlich eingekauft. Und im Dezember erhielt Bruno, der kürzlich den früheren Deutschbanker Michael Sautter als Berater holte, den Zuschlag für die Wiener Bawag-Bank.

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Christopher Flowers
J. C. Flowers & Co.

Das hervorstechendste Merkmal von Christopher Flowers (49) ist keines, das ihn unmittelbar sympathisch macht. Flowers, berichten Geschäftspartner, lache nie. Vielleicht liegt es daran, dass er in Deutschland lange nicht zum Zug kam. 2001 wollte der frühere Investmentbanker, der 1998 seinen eigenen Fonds gründete, die kriselnde Bankgesellschaft Berlin übernehmen - und blitzte nach endlosen Verhandlungen beim Berliner Senat ab.

Ende August dieses Jahres war der Mann, der 1988 mit 31 Jahren zum bis dahin jüngsten Partner der US-Investmentbank Goldman Sachs aufgestiegen war, endlich am Ziel: Flowers übernahm 27 Prozent der norddeutschen HSH Nordbank. Diesmal setzte er sich gegen allerlei Konkurrenz unter anderem deshalb durch, weil Flowers, berichten Insider, bei strittigen Fragen notfalls auch allein entscheiden konnte.

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Stephen Schwarzman
The Blackstone Group

Wenn Stephen Schwarzman (59) zum Dinner bittet, eilt die deutsche Hochfinanz herbei: Derart viele Topbanker haben sich wohl selten am Hamburger Hafen versammelt wie im Juli 2004 zur Eröffnung der deutschen Blackstone-Dependance. Heute dürfte der Chef der weltgrößten Private-Equity-Gruppe den hiesigen Markt eher nüchtern beurteilen.

Zwar hat Blackstone beim Kauf des Chemiekonzerns Celanese Milliarden verdient. Doch der Ärger mit Kleinaktionären, die sich gegen die Übernahme zu Dumpingkonditionen wehrten, war gewaltig. Auch die Beteiligung an der Deutschen Telekom dürfte Schwarzman, der im persönlichen Gespräch empfindlich auf Kritik reagiert, angesichts der Kursentwicklung wenig Freude bereiten.

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Marcus und Jacob Wallenberg
(im Bild Familienpatriarch Peter Wallenberg)
Investor AB

Der Firmensitz der legendären Industriellendynastie in der Stockholmer Arsenalsgatan gibt exakt wieder, wie sich die Wallenbergs in der Öffentlichkeit präsentieren möchten: so unscheinbar wie möglich. Hinter der Fassade des schlichten Stadthauses wacht Jacob Wallenberg (50) in fünfter Generation über Investor AB, die Holding, die das Firmenimperium der Familie steuert. Cousin Marcus (50) kontrolliert als Aufsichtsratschef die Hausbank SEB. Deren Stammsitz ist praktischerweise durch einen unterirdischen Tunnel mit dem Investorgebäude verbunden.

Die Wallenbergs halten Anteile an mehr als 140 Unternehmen in der ganzen Welt. Über ihre maßgebliche Beteiligung an der Private-Equity-Gesellschaft EQT sind die schweigsamen Schweden auch in Deutschland schwer aktiv, besitzen unter anderem den Motorenbauer MTU und den Brillenglashersteller Carl Zeiss Vision.

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Thomas Krenz
Permira

Thomas Krenz (46) hat nicht gerade die erfolgreichsten Momente seiner Karriere hinter sich. Erst verlor der Deutschland-Chef des Finanzinvestors Permira den hoch verschuldeten Automobilzulieferer Kiekert an eine Gruppe von Gläubigern. Dann ging die Linde-Gabelstaplersparte Kion an KKR und Goldman Sachs. Permira hatte - im Bündnis mit der Allianz-Tochter ACP - zunächst den höchsten Betrag geboten, Krenz hatte sich im Wettbieten um Kion persönlich stark engagiert.

Bis zu der Pechsträhne überzeugte Krenz seine Anleger offensichtlich. Permira wäre es sonst kaum gelungen, für seinen neuen Fonds elf Milliarden Euro einzusammeln; eine Rekordsumme für Europa - auch wenn Apax diese schon bald übertrumpfen will. Gemeinsam mit KKR gelang Mitte Dezember die Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1, zudem der Ausstieg beim Brillenkonzern Rodenstock.

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Brian Powers
Hellman & Friedman

Brian Powers (56) war für die deutsche Medienszene so etwas wie der Nachfolger von Leo Kirch (80). Der von Powers geführte Finanzinvestor Hellman & Friedman übernahm nicht nur Kirchs 19,4 Prozent an der Axel Springer AG - jüngst halbiert auf 9,4 Prozent. Die Firma investierte auch in den ehedem Kirch'schen Fernsehsender ProSiebenSat.1 - jüngst verkauft an KKR und Permira.

Aber mischt sich Powers auch so stark ein wie einst Kirch? "Springer-Chef Mathias Döpfner hört ziemlich häufig, was man in Kalifornien von seinen Ideen hält", heißt es in der Finanzszene. "Powers verhält sich zurückhaltend und professionell", wiegelt ein Springer-Vorstand ab. Vielleicht urteilt der Mann auch deshalb so milde, weil das Topmanagement schon bald einen Millionenbonus erwartet.

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Dwight Poler
Bain Capital

Bain Capital ist so etwas wie der Rolls-Royce unter den Private-Equity-Firmen. Wer dort sein Geld anlegen will, muss schon 50 bis 100 Millionen Dollar einbringen - oder einen Namen, der die Investorenliste schmückt. "Da wollen alle investieren", sagt ein Großanleger. Das beste Geschäft der Truppe von Europa-Chef Dwight Poler (41) war - auch dank üppiger Dividenden - der An- und Verkauf des Chemikalientransporteurs Brenntag.

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David Rubenstein
Carlyle Group

Kaum jemand in der Private-Equity-Szene hat so gute politische Kontakte wie David Rubenstein (57). So arbeitete der Mitgründer der Carlyle-Gruppe vier Jahre für den US-Präsidenten Jimmy Carter. Auch zur Republikanischen Partei ist der Draht gut: Von Ex-Präsident George Bush ließ sich Carlyle bis 2003 beraten.

In Deutschland hatte das Unternehmen zuletzt wenig Glück. Für den Automobilzulieferer Edscha finden Rubensteins Leute keinen Käufer, und 2005 scheiterte die bereits sicher geglaubte Übernahme von MTU Friedrichshafen. Dabei hatte sich Rubenstein persönlich eingeschaltet. Er besuchte eine Schlüsselaktionärin zu Hause in San Francisco. Lichtblick: Zusammen mit Advent übernahm Carlyle Ende November für 1,2 Milliarden Euro die Bayer-Chemietochter H.C. Starck.

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Florian Homm
Absolute Capital Management

"Schon okay" findet es Florian Homm (47), wenn ihn jemand als "Plattmacher" oder "Aasgeier" tituliert. Man dürfe sich nicht immer so ernst nehmen. Der Mallorca-Exilant hält aktuell eine ganze Reihe von deutschen Beteiligungen und sorgt für gehörige Unruhe in den Vorständen. So wie schon 2002, als er auf fallende Kurse bei MLP wettete. Homm nahestehende Analysten brachten damals zur rechten Zeit eine vernichtende Studie über den Finanzdienstleister heraus.

Bundesweit bekannt wurde Homm 2004 mit seinem Einstieg beim kriselnden Fußballclub Borussia Dortmund. Homms Einschätzung damals: "Ohne mich wäre die Borussia in der Oberliga."

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Ken Griffin
Citadel Investment Group

Trauung im Schloss von Versailles, Hochzeitsfeier im Pariser Louvre, eine Kunstsammlung, die ihresgleichen sucht - der Lebensstil des Citadel-Chefs Kenneth "Ken" Griffin (38) ist selbst für Hedgefondsmanager opulent. Der Harvard-Absolvent, der schon als Student sein erstes Anlagemodell entwickelte, startete seine Firma 1990 mit weniger als fünf Millionen Dollar. Heute gebietet Citadel über zwölf Milliarden Dollar Eigenkapital. Griffins Megafonds, der sein Geld vor allem im anonymen Handel mit Aktien, Anleihen und anderen Wertpapieren verdient, scheut die Öffentlichkeit.

Auch in Deutschland wirkt er im Verborgenen: Als sich Hedgefonds gegen die Wiedereingliederung von T-Online in die Deutsche Telekom wehrten, war Citadel einer der Opponenten. Bei der Depfa-Bank war Griffins Fonds beim Squeeze-out der Tochter Deutsche Pfandbriefbank engagiert.

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Reade Griffith
Polygon Investment Partners

Es gibt Momente, da werden gefürchtete Hedgefondsmanager zu Altruisten: "Sorge um das Schicksal der Bank", titelt der Londoner Fonds Polygon auf der eigens eingerichteten Internetseite www.baca-minderheitsaktionaere.com. Es geht um Beteiligungen der Bank Austria (BA). Die Bank will diese an ihre Mutter Unicredit verkaufen. Und zwar viel zu billig, wie Polygon-Chef Reade Griffith (41) den BA-Vorstand in einem offenen Brief wissen ließ. Der Preis benachteilige die Minderheitsaktionäre der Bank. Der Mann weiß, wie man Vorstände nervt: Selbst einen Protestbrief für Aktionäre haben seine Leute vorformuliert. Der Hintergrund der Hilfsbereitschaft: Polygon hält einen guten Teil des verbliebenen Streubesitzes der BA - und hofft auf üppigen Gewinn. Polygon hat nach eigenen Angaben rund fünf Milliarden Euro investiert.

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Christopher Hohn
The Children's Investment Fund

Selbst sein Opfer zollt Christopher Hohn (40) Respekt. Er sei "ein interessanter Typ" und trotz Millionenvermögens nicht abgehoben, schreibt Werner Seifert, Ex-Chef der Deutschen Börse, in seinem Buch "Invasion der Heuschrecken".

Seifert muss es wissen. Kein anderer Manager hat Hohn derart hautnah zu spüren bekommen wie der frühere Frontmann der Frankfurter Börse. Seiferts Plan, die London Stock Exchange zu schlucken, wurde von Hohn nach allen Regeln der Hedgefondskunst torpediert: Mit einer mächtigen Allianz anderer Fonds im Rücken erzwang Hohn Seiferts Rücktritt.

Es war sein bisher größter Coup. The Children's Investment Fund, kurz TCI, war erst 2004 gegründet worden. Heute ist Hohn, der einen Teil seiner Gewinne für notleidende Kinder stiftet, eine feste Größe unter Europas Hedgefondsmanagern.

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Daniel Och
Och-Ziff Capital Management

Lassen sich kühl rechnende Hedgefondsmanager bisweilen von Emotionen leiten? Manchmal scheint es so. Speziell, wenn es um Fußballclubs geht. So müht sich Polygon um die Übernahme des englischen Erstligisten Newcastle United, und Florian Homm ist Großaktionär bei Borussia Dortmund.

Bei den Westfalen engagierte sich auch ein anderer Hedgefonds: Och-Ziff Capital Management, geführt von Daniel Och (45). Der Fonds gehört zu jener Investorengruppe, die vor anderthalb Jahren die Macht bei der Deutschen Börse übernahm.

Verglichen mit dem hoch verschuldeten Fußballclub war die Börse so riskant wie ein Sparbrief. Doch das Schicksal der Dortmunder wird dem früheren Goldman-Sachs-Banker nicht den Schlaf rauben. Der "Euromoney Institutional Investor" schätzt sein Jahreseinkommen 2005 auf 145 Millionen Dollar. Der Börsenwert der Borussia: schlappe 140 Millionen Dollar.

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David Shaw
D. E. Shaw & Co.

Durch besondere Aggressivität ist David Shaw bislang nicht aufgefallen. Schon eher durch die gewaltige Finanzkraft seines Fonds D. E. Shaw (23 Milliarden Dollar) und durch die 340 Millionen Euro persönliches Einkommen, die er 2005 als Gründer und Chef kassiert haben soll.

Mit immensen Einsätzen und gewaltigem mathematischem Aufwand nutzt Shaw vor allem Kursdifferenzen an einzelnen Handelsplätzen. Jüngst aber engagierte sich sein Fonds auch als aktiver Aktionär. Bald auch in Deutschland? "Die Shaw-Leute beobachten den europäischen und auch den deutschen Markt sehr genau", sagt ein Londoner Investmentbanker.

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Paul Singer
Elliott Associates

Wenn Paul Singer (62), Chef des New Yorker Hedgefonds Elliott Associates, investiert, geht es zur Sache. Elliott ist in der Branche berüchtigt für sein knallhartes Vorgehen. Zurzeit streitet sich die Truppe mit der argentinischen Regierung um die Rückzahlung notleidender Anleiheschulden. In Deutschland beharkt sich der rund 6,6 Milliarden Dollar schwere Fonds mit dem Kaffeeerben Klaus Jacobs, dessen Firma Adecco den Konkurrenten DIS unter - wie Elliott meint - fragwürdigen Umständen übernahm. Und beim umworbenen Energiedienstleister Techem haben sich Singer-Gesellschaften in Position gebracht und 5,63 Prozent der Anteile erworben.

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David Slager
Atticus

Er war neben Christopher Hohn von TCI die zweite Spitze des Hedgefondsangriffs gegen Ex-Börsenchef Werner Seifert: David Slager (33), Europa-Chef des Zwölf-Milliarden-Dollar-Fonds Atticus aus New York. Im Wechsel mit Hohn bombardierte Slager die Frankfurter Börsenmanager mit immer neuen Drohbriefen und scharte weitere Fonds hinter sich, bis Seifert aufgab. Für Slager hat sich der Kampf gelohnt: Mit geschätzten 150 Millionen Dollar Jahreseinkommen schaffte er es unter die 20 am besten verdienenden Hedgefondsmanager des Jahres 2005. Noch immer zieht Atticus die Fäden im weltweiten Börsenmonopoly. Der Fonds hält Pakete an der Deutschen Börse, der New York Stock Exchange und der Euronext.

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Michael Treichl
Audley Capital

Michael Treichl (54) kennt das Investorengeschäft von der Pike auf. 1998 gründete der frühere Investmentbanker mit dem Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel eine Private-Equity-Firma. Ziel: die "Flurbereinigung von Großunternehmen" zu unterstützen.

Seit Ende 2004 ist der aus einer österreichischen Bankiersfamilie stammende Treichl - sein jüngerer Bruder Andreas ist Vorstandschef der Wiener Ersten Bank - auch als Hedgefondsmanager unterwegs. Audley Capital soll sich sowohl als Minderheitsaktionär an börsennotierten Firmen beteiligen als auch komplette Übernahmen durchziehen. Erstes Ziel in Deutschland: der Handyausrüster Balda.

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John Paulson
Paulson & Co.

John Paulsons (50) Hedgefonds, der rund fünf Milliarden Dollar verwaltet, ist eine winzige Truppe von 35 Leuten. Doch dieses Team lehrt Vorstände das Fürchten. Paulson und seine Mitstreiter, darunter erfahrene M&A-Anwälte, sind unangenehme Gegner. Klagen vor Gericht gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Auftritte bei Hauptversammlungen. In Deutschland setzte Paulson bei den Übernahmen von Wella und Celanese höhere Abfindungen durch. Auch bei der Schering-Übernahme engagierte sich der Fonds. In den Niederlanden betreiben die Fondsmanger die Zerschlagung des Mischkonzerns Stork.

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Stephan Howaldt
Hermes Focus Asset Management

15 geschasste Vorstandschefs, 13 Aufsichtsratsvorsitzende, 10 weitere Kontrolleure: Der Hermes-UK-Focus-Fonds hat eine Schneise in die Führungsebenen britischer Konzerne geschlagen.

Stephan Howaldt (40) managt seit 2002 den auf Kontinentaleuropa fixierten Hermes-Ableger. Seine Strategie: Sich an schlecht geführten Konzernen beteiligen und das Management auf den rechten Weg führen. Wer Howaldts Vorschläge vollständig ignoriert, hat ein Problem. Beim Karlsruher Maschinenbaukonglomerat IWKA etwa sorgten die Hermes-Leute gemeinsam mit dem US-Investor Guy Wyser-Pratte für einen kompletten Führungswechsel: Der Vorstandschef und gleich sechs Aufsichtsräte mussten gehen.

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Thomas Shrager
Tweedy, Browne

Als Tweedy-Browne-Manager Thomas Shrager 2001 erstmals öffentlich auf einer deutschen Hauptversammlung auftrat, galt ein derartiges Verhalten ausländischer Aktionäre in deutschen Chefetagen noch als eher putzig. Die Bayer-Führung, die damals von Shrager aufgefordert wurde, den Konzern aufzuspalten, wunderte sich über den komischen Kauz, der eigens aus New York angereist war.

Heute lächelt niemand mehr über die Investmentgesellschaft, die mehr als 13 Milliarden Dollar verwaltet und auch mal Florian Homm zu ihren Angestellten zählte. Auch andere deutsche Konzerne, darunter Volkswagen und Axel Springer, haben mittlerweile Bekanntschaft mit den hartnäckigen Investoren gemacht. Shrager, einer von fünf Managing Directors von Tweedy, setzt sich vehement für die Wertsteigerung der Investitionen ein. Bayer hat die Forderungen von Tweedy im Nachhinein weitgehend umgesetzt.

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Klaus Kaldemorgen
DWS

Wenn Klaus Kaldemorgen (53) auf Hauptversammlungen Vorstände abwatscht, dann wirkt das. Als der Chef der Fondsgesellschaft DWS dem damaligen Daimler-Boss Jürgen Schrempp 2005 zurief, die Geduld der Aktionäre sei erschöpft, griff selbst "Bild" die Attacke auf.

Die DWS verwaltet ein Vermögen von etwa 110 Milliarden Euro, einzelne Investments der Deutsche-Bank-Tochter erreichen schon mal die Milliardengrenze. "Wir werden da aktiv, wo es nötig ist", sagt Kaldemorgen. "Das heißt auch, dass wir dem Vorstand schon mal den Rücken stärken." Nicht so bei Tui. Da präsentierten Kaldemorgen und sein Kollege von Hermes, Stephan Howaldt, AR-Chef Jürgen Krumnow ein 50-Seiten-Papier zur Unternehmensstrategie.

Auf eines legt Kaldemorgen besonderen Wert: "Als DWS sind wir innerhalb der Bank unabhängig." Der Beleg: Tui-Chef Michael Frenzel lässt sich bei seiner Strategie gegen Störenfriede ausgerechnet von der Deutschen Bank beraten.

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Eric Knight
Knight Vinke Asset Management

Eric Knight (47) ist so etwas wie der Revoluzzer unter Europas Geldverwaltern. 450 Millionen Dollar verwaltet seine Knight Vinke Asset Management, Kirmesgeld im Vergleich zu den Milliardentöpfen der großen Hedgefonds. Aber Knight legt sich trotzdem mit einigen der größten Konzerne Europas an.

Zuletzt forderte er die französische Regierung heraus. Er schaltete ganzseitige Anzeigen in Tageszeitungen und schrieb Briefe an Parlament und Premierminister. Knights Ziel: Der staatliche Energieversorger Gaz de France sollte sein Gebot für den Konkurrenten Suez um ein Drittel erhöhen. Vergeblich; Knight verkaufte sein Suez-Paket kürzlich an den belgischen Milliardär Albert Frère.

Schon bald dürfte Knight auch hierzulande aktiv werden: Er beobachte einige deutsche Firmen sehr genau, sagt er.

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Allan Moss
Macquarie

Bis vor einem Jahr waren Allan Moss (57) und die australische Bank Macquarie in Deutschland nur Insidern bekannt. Dabei hatte es Moss bereits im Frühjahr 2005 auf den Baukonzern Hochtief abgesehen. Die Australier stoppten ihre Pläne jedoch, als Hochtief seine Konzernstruktur änderte - und eine Zerschlagung des Unternehmens damit unattraktiv wurde.

Auch die versuchte Übernahme der Londoner Börse scheiterte. Insgesamt aber hat Macquarie seit Anfang 2005 Firmen im Wert von mehr als 28 Milliarden Euro gekauft, darunter für knapp zwölf Milliarden Euro die britische RWE-Tochter Thames Water.

Macquarie arbeitet vor allem mit dem Geld von Pensionsfonds. Diese Fonds brauchen in Australien langfristig eine Mindestrendite von 5 bis 6 Prozent pro Jahr. Moss kauft daher vor allem Unternehmen und Projekte, die einen stabilen Geldzufluss garantieren: von Mautstraßen über Flughäfen bis zu Wasserversorgern.

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Anthony Bolton
Fidelity

Dass man ihn in London den "schweigenden Attentäter der City" nannte, nachdem er vor drei Jahren den designierten Chairman eines Medienkonzerns zum Rücktritt gezwungen hatte, hat Anthony Bolton (56) sehr geärgert. Der Starmanager der Investmentgesellschaft Fidelity sieht sich keineswegs als "Shareholder Activist".

Statt seine Meinung publikumswirksam zu verbreiten, versucht Bolton lieber im Hinterzimmerdialog Vorstände von seiner Meinung zu überzeugen. Wer sich allerdings partout seinen Argumenten verschließt, bekommt Boltons Macht zu spüren, dessen auf "Spezialsituationen" ausgerichteter Fonds rund neun Milliarden Euro verwaltet. Gemeinsam mit Trelawny Williams, dem Fidelity-Spezialisten für gute Corporate Governance, zieht er dann notfalls auch öffentlich gegen missliebige Manager zu Felde. Ein knappes Jahr noch werden die Vorstände vor ihm zittern müssen: Ende 2007 will sich Bolton zurückziehen.

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Wilbur Ross
WL Ross & Co.

Der "König der Pleiten". Wilbur Ross (69) verfolgt ein einfaches Geschäftsmodell: Kriselnde Unternehmen kaufen, sanieren und verkaufen. Nach Erfolgen in der Stahlindustrie konzentriert sich Ross inzwischen auf Automobilzulieferer. In den USA eine Branche ohne Zukunft? Nicht für Ross. Als er vor einiger Zeit einen Zuliefererfonds auflegte, sammelte er das nötige Geld binnen weniger Wochen.

Ross, der erst als fast 60-Jähriger seine erste Private-Equity-Gesellschaft gründete, hat es inzwischen zum Dollar-Milliardär gebracht - und auf Platz 746 der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt. In Deutschland übernahm er kürzlich Töchter des angeschlagenen US-Zulieferers Collins & Aikman. Weitere Engagements dürften folgen: Ross beobachte den deutschen Markt genau, berichten Investmentbanker.

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Guy Wyser-Pratte
Wyser-Pratte Management Co.

Im Jahr 2000, die Übernahmeschlacht um Mannesmann strebte auf ihren Höhepunkt zu, landete bei den Mannesmann-Beratern ein etwas merkwürdiger Brief. Der Konzern möge doch bitte eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, forderte da ein gewisser Guy Wyser-Pratte. "Wir haben das unter Kuriositäten verbucht", erzählt ein Beteiligter.

Sechs Jahre später werden Wyser-Prattes Briefe ernst genommen. Der Mann hat hierzulande eine Menge Geld verdient und einige Vorstände gehörig Nerven oder gar den Job gekostet. Wyser-Pratte (66) folgt stets einem ähnlichen Plan: Er kauft Minderheitsanteile, macht die Investments publik, fordert lautstark Strategiewechsel und hofft, dass andere seinem Beispiel folgen. "Der kommt, ruft 'Napalm, Napalm' und ist weg, sobald der Kurs steigt", sagt ein Banker über den ehemaligen Soldaten.

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Clemens Vedder
Goldsmith Investment

Der "Privatier mit abgeschlossener Vermögensbildung", wie Clemens Vedder (59) sich selbst gern bezeichnet, ist eine Art Urahn des Private-Equity-Geschäfts in Deutschland. Gemeinsam mit Partnern wie dem Düsseldorfer Kaufmann Klaus-Peter Schneidewind war Vedder seit 1987 an einem Dutzend Firmenübernahmen beteiligt. Insbesondere den deutschen Einzelhandel hat der Finanzier mit zahlreichen Deals - darunter Kaufhof, Horten und Spar - aufgemischt.

Bekannt geworden ist er durch seinen Angriff auf die Commerzbank. Der Plan, das Frankfurter Geldhaus an einen Konkurrenten zu verkaufen, ging zwar nicht auf - Vedder allerdings verkaufte seine Commerzbank-Papiere vor wenigen Monaten mit ordentlichem Gewinn. Der Mann mit Wohnsitzen in Florida, auf Sylt und am Zürichsee plant längst den nächsten Deal. Das Vehikel dafür gibt es bereits: Mit seiner neuen Gesellschaft "Goldsmith Investment" will er demnächst wieder angreifen.

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