Korruption In Deutschland weitverbreitet

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Siemens: Firmengelder sollen abgezweigt und in schwarze Kassen ins Ausland umgeleitet worden sein. Aus diesen Kassen wurden, so die Vermutung der Staatsanwaltschaft, Schmiergelder an potenzielle Kunden gezahlt, um Aufträge für die Siemens-Kommunikationssparte Com an Land zu ziehen. Siemens selbst räumte ein, auf zweifelhafte Zahlungen in Höhe von rund 420 Millionen Euro gestoßen zu sein. Bei einer Großrazzia Ende vergangenen Jahres durchsuchten Ermittler mehr als 30 Standorte des Konzerns, darunter auch das Büro von Vorstandschef Klaus Kleinfeld, der als möglicher Zeuge gilt. Darüber hinaus sollen zwei Ex-Manager Schmiergelder in Millionenhöhe an den italienischen Stromkonzern Enel bezahlt haben - das Verfahren läuft noch.

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Ikea: Ehemalige Mitarbeiter der Bauabteilung sollen jahrelang Bestechungsgelder von Baufirmen kassiert und ihnen dafür lukrative Aufträge zugeschanzt haben. Der hauptverdächtige Ikea-Manager hat sich im vergangenen Herbst in Untersuchungshaft erhängt. Eine Baufirma und mehrere Mitarbeiter wurden bereits zu Geldstrafen verurteilt. Ikea hat sich inzwischen von mehreren Mitarbeitern getrennt und die interne Revision verschärft.

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Volkswagen: Die VW-Affäre sorgte 2005 nicht nur für Rücktritte von Personalchef Peter Hartz und Betriebsratschef Klaus Volkert. Sie beschädigte auch das Image des VW-Konzerns. Der inzwischen wegen Untreue verurteilte Hartz hat Volkert nach Ansicht des Gerichts rund zwei Millionen Euro an Sonderboni zugeschanzt. Das Urteil gegen Volkert steht noch aus.

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Heros: Die ehemals größte deutsche Geldtransportfirma steht für einen der größten Korruptionsfälle in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Rund 270 Millionen Euro Kundengelder wurden laut Anklage von Heros-Inhaber Karl-Heinz Weis, dem Leiter der Unternehmenstochter Nordcash, Manfred Diel, sowie von weiteren Heros-Managern unterschlagen. Die Beschuldigten zwackten mit Hilfe eines Schneeballsystems Geld für private Zwecke ab und stopften die Löcher mit neuen Kundengeldern. Leitende Heros-Angestellte verdienten mit, indem sie die Heros-Abzocker erpressten und sich ihr Schweigen bezahlen ließen. Die Insolvenz der Firma Heros schädigte rund 1000 Firmen. Zu den Hauptgeschädigten zählt die Einzelhandelskette Rewe.

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Infineon: Ex-Vorstandschef Ulrich Schumacher ist ein Freund schneller Autos und, folgt man der Anklage der Münchener Staatsanwaltschaft, auch ein Freund des schnellen Geldes. Der Sponsorenvermittler Udo Schneider wurde bereits zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er Infineon-Manager geschmiert haben soll. Ex-Vorstand Andreas von Zitzewitz hat bereits gestanden, rund 70.000 Euro von Schneider angenommen zu haben, damit Infineon mit ihm im Geschäft bleibe. Schumacher selbst soll laut Schneider allein im Jahr 2003 rund 300.000 Dollar erhalten haben. Schumacher bestreitet die Vorwürfe: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen weiter.

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DaimlerChrysler: Seit Jahren ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC gegen DaimlerChrysler wegen des Verdachts auf schwarze Kassen, Korruption und Steuerhinterziehung. In mehr als einem Dutzend Länder soll der Konzern Schmiergeld gezahlt haben, um an Aufträge zu kommen. Dass "primär in Afrika, Asien und Osteuropa unsachgemäße Zahlungen erfolgten", hatte der Automobilbauer in seinem Geschäftsbericht selbst eingeräumt und die internen Kontrollen verstärkt. Die konzernweite Organisation "Corporate Compliance Operations" soll helfen, die Antikorruptionsgesetze einzuhalten. Im Herbst vergangenen Jahres hat der Konzern mehrere Manager der Bussparte gefeuert, nachdem die Konzernrevision auf Unregelmäßigkeiten gestoßen war.

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Faurecia: Die Ermittlungen gegen den französischen Autozulieferer nährten im Sommer 2006 die Vermutung, dass Bestechungszahlungen auch in der Automobilbranche weitverbreitet sind. Zeitweise ermittelten Staatsanwälte gegen elf verschiedene Zulieferfirmen sowie gegen Einkaufsmanager von Volkswagen, Audi und BMW: Die Einkäufer der Autokonzerne sollen zum Teil sechsstellige Summen angenommen und im Gegenzug bestimmte Zulieferer bei der Auftragsvergabe bevorzugt haben. Der ehemalige VW-Chef Bernd Pischetsrieder erstattete im Juli Anzeige gegen Faurecia; dessen Chef Pierre Levi ist zurückgetreten. Für "korrupte Mitarbeiter sei kein Platz", hatte Pischetsrieder betont – dies gelte sowohl für den VW-Konzern wie für dessen Geschäftspartner.

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Philips: Mitarbeiter des Konzerns sollen Einkäufer verschiedener deutscher Elektronikmärkte, darunter Saturn und Media-Markt, bestochen haben, um sich dadurch bevorzugten Platz in den Regalen zu sichern.

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BMW: Ein Hauptabteilungsleiter im Einkauf des Münchener Automobilherstellers soll zwischen 2000 und 2005 insgesamt rund eine Million Euro Schmiergeld von fünf verschiedenen Zulieferern erhalten haben. Das Landgericht München verurteilte den Einkaufsmanager im Herbst zu drei Jahren Freiheitsstrafe wegen Bestechlichkeit. Der Verurteilte hatte mit seinem Teilgeständnis die Ermittlungen gegen die Zulieferer unterstützt.

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Rewe: Nicht nur die Heros-Korruptionsaffäre schädigte den Kölner Einzelhandelskonzern. Der ehemalige Rewe-Chef Ernst Dieter Berninghaus wurde darüber hinaus im Frühjahr 2006 wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Berninghaus hatte Provisionen dafür kassiert, dass er sich für die Übernahme einer Internetfirma durch den Rewe-Konzern eingesetzt hatte.

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