Stilkritik Die EM-Trainer in der modischen Einzelanalyse

1 / 24

Modexperte Andreas Rose hilft als Personal Shopper und Stilcoach seinen Kunden dabei, das richtige Outfit zu finden. Der Modeberater ist seit 25 Jahren in der Branche. In seinem Style-Blog  berichtet er über die neuen Trends der internationalen Modeszene. Für manager-magazin.de hat er sich die Trainer der Fußball-EM angeschaut.
Didier Deschamps, Frankreich: Raus aus dem Trainingsanzug, runter mit den Kilos und rein in den dunkelblauen Einreiher, der dank Top-Figur mit offenem Jackett und schmal geschnittenem Hemd getragen werden kann. Nur die Zähne hat sich der ehemalige französische Nationalspieler dann doch nicht machen lassen. Sein Grinsen ist sein Markenzeichen und wenn die französische Nationalmannschaft weiter so spielt, dann hat der "General" allen Grund die Zähne zu zeigen.

Foto: REUTERS
2 / 24

Vicente del Bosque, Spanien: Er ist der Grand Seigneur des europäischen Fußballs. Sein Markenzeichen ist sein Seehund-Schnäuzer, den er sich bereits zu seiner Zeit als Fußballspieler zulegte. Und er ist ihm bis heute treu geblieben. Mit seiner Garderobe hält er es ebenso. Keine vermeintlich neu-modischen Spielereien. Der spanische Coach zeigt auch bei seinem persönlichen Dresscode eine Vorliebe für Zeitloses: klassischer dunkler Anzug mit Business-Hemd und korrespondierendem Schlips. Kleiner Tipp: Die Schnittführung des Anzugs sollte dennoch über die Jahre an die sich verändernde Silhouette angepasst werden. Dann sieht man nämlich erst recht aus wie früher...

Foto: DPA
3 / 24

Pavel Vrba, Tschechien: Der tschechische Nationaltrainer trägt gerne mal ein sichtbares Rundhals T-Shirt unter seinem weißen Business-Hemd. Geht gar nicht. Die 1980er Unart ist fester Bestandteil der modischen No-Go-Liste. Hat ihn nun der Austragungsort der EM, die Modenation Frankreich, positiv inspiriert? Zumindest haben wir an Pavel Vrbas Outfit nichts auszusetzen. Die schmal geschnittene Anzugshose und der leicht taillierte Einreiher lassen den kompakten Coach dynamisch und sportlich erscheinen. Das Weglassen der Krawatte passt zum Look und zur Statur.

Foto: DPA
4 / 24

Marc Wilmots, Belgien: Als Mitglied der liberalen Partei Mouvement Réformateur saß der ehemalige Nationalspieler auch schon im belgischen Senat. Ein Mann mit vielen Talenten. Also mit ziemlich vielen Talenten. Die modische Kompetenz des belgischen Coaches ist eher schwach ausgeprägt. Anzug und Hemd sitzen schlecht, zu weit und zu knittrig. Aber man muss ja nicht überall reüssieren.

Foto: REUTERS
5 / 24

Antonio Conte, Italien: Bald FC Chelsea, aber noch Squadra Azzura: Italiens Nationaltrainer trägt schwarzes Hemd mit schwarzer Krawatte. Don Corleone lässt grüßen. Und die 1990er Jahre auch. Aber wir mögen seine Udo-Jürgens-Gedächtnisfrisur, seine positive und energiegeladene Ausstrahlung und die Courage, mit der er beim Torjubel eine blutende Nase wegsteckt.

Foto: REUTERS
6 / 24

Martin O'Neill, Irland: Ganz und gar old school, sogar mit Stollenschuhen – mehr Coach geht nicht. Martin O’Neill setzt ein klares Signal mit seinem Outfit. Er ist der working class hero am Spielfeldrand. Sein Outfit wird nicht von einem namhaften Label gestellt. Kein Boss oder Brioni. Kein Anzug, kein Einstecktuch. Hier wird gearbeitet und geschwitzt. Sieht trotzdem bieder aus. Sorry!

Foto: AFP
7 / 24

Erik Hamren, Schweden: Nach der EM ist Schluss! Das hat Schwedens Trainer Erik Hamren angekündigt. Eigentlich schade, denn wir mögen seinen edlen Business-Look. Das Gesamtpaket von dezenter Brille über einen gut sitzenden Anzug mit Weste, Einstecktuch und Anstecker bis zum weißen Hemd und Schlips. Der Anblick entschädigt uns für so manchen modischen Fehlgriff in der Coaching-Zone während der EM. Comme il faut!

Foto: AP
8 / 24

Chris Coleman, Wales: Der Waliser ist ein Anzugtrainer. Die gedeckten Farben seiner Auswahl harmonieren gut mit seinem vollen schwarz-braunen Haar. Hierzu kombiniert er gerne weiße Hemden und Krawatten in Rot, eine Hommage an das Wappentier von Wales - ein roter Drachen. Für die dominante silberne Koppelschließe und die zu offensichtlich getragene Trainer-Akkreditierung gibt es aber die gelbe Karte.

Foto: AP
9 / 24

Jan Kozak, Slowakei: Das Bild täuscht. Dunkler Anzug, weißes Hemd mit Manschetten, da kann man unter modischen Aspekten nicht meckern. Der Trainer der slowakischen Nationalmannschaft ist ansonsten eher der hemdsärmlige Typ, der öfters am Spielfeldrand mit fieser Frisur und unabgestimmter Sportklamotte deutlich zeigt, worum es ihm in seinem Job geht: um Fußball. Und nur um Fußball.

Foto: DPA
10 / 24

Lars Lagerbäck, Island: Wir strapazieren ja ungern Klischees, aber der schwedische Trainer der isländischen Nationalmannschaft könnte glatt in einem dieser skandinavischen Krimis mitspielen, die nach 22 Uhr auf Arte laufen. Was wir damit sagen wollen: Weiter entfernt von Fashion, Style und Attitude kann man gar nicht sein. Und mehr wollen wir auch gar nicht dazu sagen.

Foto: AFP
11 / 24

Marcel Koller, Österreich: Der Schweizer Marcel Koller weiß um die Wirkung und Symbolik von Kleidung. Nach der erfolgreichen EM-Qualifikation Österreichs erschien Koller zur Pressekonferenz mit schwarzer Baskenmütze und Baguette. Und auch am Spielfeldrand zeigt der österreichische Teamchef ein gutes Händchen bei der Auswahl seines Outfits. Weißes Hemd und schwarze Krawatte geben ihm einen hippen Blues-Brother-Look. Der dunkelgraue, schmal geschnittene Anzug dazu wirkt edel und modern.

12 / 24

Bernd Storck, Ungarn: Der langjährige ehemalige Borussia Dortmund-Aktive macht als Nationaltrainer eine blendende Figur. Ganz offensichtlich gehört er zu den Herren, die im fortgeschritteneren Alter das ergraute Haar sehr gut länger und gegelt tragen können. Gesunder Teint, gut geschnittener Anzug mit schmalem, lässig geöffnetem Hemd, das alles gefällt uns sehr. Bislang unser modischer Favorit.

13 / 24

Fernandos Santos, Portugal: Der portugiesische Nationaltrainer quarzt auch schon mal am Spielfeldrand. Und warum soll gelebtes Leben keine Spuren hinterlassen. Fußball ist nicht Hollywood. Schon klar. Aber, dass Trainer in gut geschnittenen Anzügen eine bessere Figur abgeben, ist auch klar. Und Hemden in Slimfit hat so ziemlich jeder gut sortierte Herrenausstatter im Sortiment.

Foto: REUTERS
14 / 24

Joachim Löw, Deutschland: Für Jogi geht es modisch in die zweite Runde, nachdem ihm das graue Boss-Shirt beim ersten Spiel in mancherlei Hinsicht kein Glück gebracht hat. Wie sollte es auch: Da spielt unsere Nationalelf im Land der Haute Couture und der Bundestrainer zeigt sich im schnöden mausgrauen T-Shirt. Und dann auch noch in einem schlecht geschnittenen. Spannt an den Armen und ist zu weit um den Bund.

Foto: DPA
15 / 24

Adam Nawalka, Polen: Was macht denn mein alter Mathelehrer auf der polnischen Trainerbank? Ach, ist gar nicht mein Mathelehrer. Der biedere Look von V-Pullover, Hemd, Bundfaltenhose und Nerdbrille bekommt durch das Trainerkettchen mit eingeschweißter Plastikhülle eine Oberstudienrat-auf-Klassenfahrt-Aura, die nicht mit dem dynamischen Ausdruck des polnischen Nationaltrainers harmoniert. Herr Nawalka, jetzt besinnen Sie sich doch mal an ihre Zeit in NYC und zeigen modische Trainer-Credibility, yo man!

Foto: REUTERS
16 / 24

Roy Hodgson, England: Der Brite gehört zu den Weltenbummlern unter den erfahrenen Fußball-Trainern, der auf seiner Reise von Skandinavien bis zu den Emiraten nun bei seiner 18. Trainerstation angelangt ist – die "Three Lions". Das Versprechen einer neuen Fussballgeneration. Einen Mannschafts-Modernisierer stellt man sich doch etwas anders vor als diesen älteren, leicht betulich wirkenden Herrn. Seinem konservativen Style ist er treu geblieben. Roy Hodgson bevorzugt klassische Einreiher, Businesshemden, Krawatte und Schnürschuhe. Er ist mit 68 Jahren ältester und bestbezahlter Trainer des europäischen Fußballturniers.

Foto: REUTERS
17 / 24

Vladimir Petkovic, Schweiz: Durchatmen beim George Clooney der EM-Trainer. Der Nachfolger von Ottmar Hitzfeld gehört zur neuen Trainergeneration, die nach ihrer aktiven Spieler-Zeit immer noch eine athletische Figur haben und mit klassischen Businessoutfits Dynamik und Seriosität ausstrahlen. Vladimir Petkovic unterstreicht seinen Power-Look mit einem akkuraten Haarschnitt und sonnengebräunten Teint. Er verzichtet auf augenfällige Accessoires. Seine rote Krawatte ist so Schweiz – we like.

Foto: DPA
18 / 24

Michael O' Neill, Nordirland: Das Spiel gegen Polen lief nicht erfolgreich für die Nordiren. Das Outfit von Trainer Michael O'Neill war dagegen ein Volltreffer. Mittelblauer Anzug, Binder in passenden Teamfarben, gekonnt kombiniert mit braunem Gürtel und ebensolchen Schuhen. Absoluter Respekt vor so viel Stilgefühl. Die Kombination aus Blau und irischem Grün ist etwas für Könner. Glücksgriff oder Evergreen? Wir sind gespannt auf seinen Look beim nächsten Gruppenspiel.

Foto: AP
19 / 24

Anghel Iordanescu, Rumänien: Bereits in den 1980er Jahren war der Undercut als Szenefrisur populär. Anfang der 2010er Jahre kam er wieder verstärkt auf. Dem rumänischen "General" Anghel Iordanescu ist das Jacke wie Hose. Er trägt die abrasierten Haare an den Seiten konsequent seit Jahren, früher mit mittig platzierter grauer Strähne, heute zunehmend lichter. Sein langes Jackett verkürzt optisch die Beine. Damit sieht man als nicht so großer Mann leider schnell so aus, als trage man einen Kurzmantel oder würde vom grünen Spielfeld geschluckt.

Foto: AFP
20 / 24

Leonid Slutski, Russland: Russlands größter Star im Team ist kein Spieler, sondern derjenige, der die Geschicke der Sbornaja lenkt. Leonid Slutski ist mit seinen 45 Jahren der Youngster der EM-Trainer. Ganz old school im Adidas-Look und recht farbenfroh feuert der ehemalige Torwart und heutige Trainer der russischen Nationalmannschaft sein Team an. Stilistische Aspekte mutieren hier zu Nebensächlichkeiten und wir sind ganz erstaunt über so viel modische Unbefangenheit am eigenen Auftritt.

Foto: REUTERS
21 / 24

Fatih Terim: Manchem Mann fällt die Akzeptanz der fehlenden Zentimeter nicht leicht. Dennoch müssen kleiner gewachsene Männer nicht zu Plateausohlen greifen oder gar so grimmig blicken wie der türkische Nationaltrainer Fatih Terim. Zu kurze Anzughose mit Karottenschnitt und tief sitzender Hüfte zu latent klobigen Schuhen mit alpinem Appeal - Hipsterstyle? Nein, der Look des neuen Schiedsrichterschrecks. Nicht ganz vorteilhaft für den kompakten Coach, finden wir. Ein besser proportionierter Anzug wirkt gefälliger im Auge des Betrachters und streckt. Das steigert zwar nicht die Trefferquote der Mannschaft, schießt den Trainer aber auch nicht ins modische Aus.

Foto: Abedin Taherkenareh/ dpa
22 / 24

Ante Cacic, Kroatien: Okay, Ante Cacic ist nicht Niko Kovac. Aber mal abgesehen vom grauen Schnäuzer gibt er ein stimmig elegant-lässiges Erscheinungsbild ab. Schmal geschnittener dunkelblauer Einreiher und passender Binder zum weißen Hemd. Sehr clean. Mit seinen mittelbraunen Budapestern spielt Kroatiens Nationaltrainer bei der EM - modisch gesehen - ganz weit vorne mit.

Foto: REUTERS
23 / 24

Gianni De Biasi: Wussten Sie eigentlich, dass seit dem Zweiten Weltkrieg die Weste nicht mehr verbindlicher Teil des Anzugs ist? Giovanni "Gianni" De Biasi ist zusammen mit nur wenigen Trainerkollegen einer der Coaches, die eine Weste zum Anzug kombinierten. Albaniens Nationaltrainer trug seine Trainerkarte deutlich sichtbar und beraubte damit der Weste jegliche modische Würde. Den Sitz des Anzuges müssen wir monieren. Er ist zu kurz, zu klein, zu knitterig. Profi-Tipp: Wappen- oder Clubaufnäher bitte nur auf Clubjackets zu Chinos tragen. Die albanische Nationalmannschaft ist nicht Hogwarts.

Foto: DPA
24 / 24

Mykhailo Fomenko, Ukraine: Dunkelblauer Einreiher, Weste, hellblaues Business-Hemd und Einstecktuch. Keine Krawatte und keine störenden Accessoires. Staatstragender Gesichtsausdruck. Michail Fomenko, 67 Jahre, ist hochkonzentriert bei der Sache. Modisch gesehen ist die graue Eminenz am Spielfeldrand kein Aufreger, enthusiasmiert uns aber auch nicht.

Foto: DPA
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.