Ölkonzern Shell verbündet sich mit BMW und Co. Wer um die Vormacht bei ultraschnellen Elektroauto-Stromtankstellen kämpft

Deutschlands Autokonzerne bauen an Autonahmen ein Schnellladenetz für Elektroautos auf - und verbünden sich mit Partnern aus der Energiewirtschaft. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Stationen stehen. Doch alleine sind sie damit nicht - manager-magazin.de zeigt die wichtigsten Spieler im Rennen um die Tankstelle der Zukunft.
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Der Ölkonzern Shell verstärkt sein Engagement bei Elektroauto-Ladesäulen - und verbündet sich mit Volkswagen, Daimler, BMW und Ford beim Aufbau eines Schnellladenetzes entlang der Autobahnen. Derzeit stecken Firmen aus ganz verschiedenen Branchen ihre Claims an den Straßen ab, um in einem Elektroauto-Zeitalter zu profitieren, wie die Übersicht zeigt.

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Autohersteller: Lange wollten traditionelle Autoproduzenten möglichst wenig mit dem Aufbau der Schnellladeinfrastruktur zu tun haben. Das ändert sich auch wegen der geplanten E-Auto-Offensiven der Autobauer: Die Firma Ionity, ein Joint Venture von BMW, Daimler, Volkswagen und Ford, ist nun an den Start gegangen. Noch in diesem Jahr sollen die ersten 20 Ionity-Stationen an Autobahnraststätten stehen, bis 2020 sollen es in ganz Europa 400 Stromtankstellen werden. (Details zu Ionity)

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Als Partner an Bord sind der Raststättenbetreiber Tank und Rast, OMV und Circle K. Elektromobile sollen an den Ionity-Ladesäulen per CCS-Stecker bis zu 350 Kilowatt pro Stunde ziehen können. Damit lassen sich auch große E-Auto-Batterien in weniger als einer Viertelstunde zu 80 Prozent laden - und das markenunabhängig. Experten schätzen, dass die Autohersteller einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in den Ladesäulen-Aufbau stecken.

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BMW, VW und Co. folgen damit dem Vorbild Tesla. Im Jahr 2012 begann der E-Auto-Hersteller mit der Errichtung seiner Supercharger. Weltweit sind 1032 dieser Tesla-eigenen Schnelladestationen in Betrieb (Stand 03.11.2017), ein Drittel davon steht in Europa. In Deutschland betreibt Tesla fünf Dutzend Supercharger-Stationen.

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An den Stationen können bislang nur Besitzer eines Tesla-Elektroautos tanken. Die Stationen geben aktuell 120 kW Gleichstrom ab. Ein 90 kWh großer Akku eines Tesla Model S lässt sich so in 40 Minuten zu 80 Prozent aufladen. Allerdings lassen sich an den Ladestationen nur Tesla-Fahrzeuge aufladen. In den USA testet Tesla nun die Aufrüstung der Supercharger mit einem angrenzenden Cafe-Restaurant samt Toiletten.

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Ölkonzerne: Die Rohstoffriesen gelten als natürliche Feinde des Elektroautos und haben die neue Technik lange Zeit komplett ignoriert. Das ändert sich nun im Eiltempo. Anfang dieses Jahres preschte Shell vor - der Multi stattete die ersten Tankstellen in den Niederlanden und Großbritannien mit Ladesäulen aus. Im Oktober 2017 ...

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... hat Shell den europäischen Ladesäulen-Riesen New Motion mit 30.000 Ladepunkten in Westeuropa übernommen. Der französische Konkurrent Total erwägt ebenfalls, Ladesäulen zu installieren. Bereits getan haben das die italienische Kette Eni und vor allem die norwegische Tankstellenkette Circle K (ehemals Statoil).

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Laut Circle K-Manager Anders Kleve Svela verbringen E-Auto-Besitzer mehr Zeit an Tankstellen als Fahrer von Autos mit Verbrennungsmotor. Daher lasse sich mehr Geld im Shop verdienen, wenn die Stationen über Ladesäulen verfügen. Künftig kooperiert Circle K mit Ionity, dem Ladesäulen-Jointventure der deutschen Autohersteller.

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Raststättenbetreiber: Ein Kaffee, ein kleiner Snack und kurz E-Mails am Smartphone beantworten: So stellt sich Tank & Rast den idealtypischen Elektroauto-Langstreckenfahrer vor. Der Raststättenbetreiber will bis Ende 2017 sämtliche seine 390 Standorte in Deutschland mit Schnelladesäulen aufrüsten. Tank & Rast setzt dabei aktuell auf den CCS-Standard mit einer Ladeleistung von bis zu 50 kW. Doch die vor kurzem errichteten Ladesäulen an Raststätten in Baden-Württemberg lassen sich auf 150 kW aufrüsten.

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Energiekonzerne: RWE, Vattenfall und Co. versuchen seit Jahren, Profit aus der Elektromobilität zu schlagen. Doch in Investitionen sind hoch, die Umsätze klein. Immerhin steigen die Erlöse mit wachsendem E-Auto-Absatz. Nachdem sie bisher oft flächendeckend langsame und mittelschnelle Ladestationen aufgebaut haben, schielen die Versorger zunehmend auf Standorte für Schnelllader an Autobahnen.

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Handelskonzerne: Aldi und Lidl bauen bereits ein Netz von Ladestationen auf, das auch schnelle CCS- und Chademo-Säulen beinhaltet. Die Firmen hoffen, das Elektroauto-Fahrer den Umsatz in den Filialen steigern. Damit bedrohen Discounter und Supermärkte Geschäftsmodelle von Tankstellen, die ebenfalls auf Shop-Umsätze von Elektroautofahrern hoffen.

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Parkhausbetreiber: Durch die Stadt bummeln oder Einkaufen gehen, während das eigene Auto an der Dose hängt: Auf dieses Nebengeschäft hofft der Parkhausbetreiber Apcoa. Gemeinsam mit dem Ladelösungs-Anbieter The New Motion, der nun zu Shell gehört, stattet Apcoa ausgewählte Parkhäuser mit Ladesäulen aus. Aktuell können Elektroauto-Besitzer bundesweit in über 40 Apcoa-Parkhäusern laden. Zu den maximalen Ladeleistungen seiner Säulen äußert sich Apcoa auf seiner Website jedoch nicht.

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Neue Dienstleister: In Europa sind auch zahlreiche völlig neue Firmen entstanden, die mit schnellem Laden Geld verdienen wollen. Beispiele sind etwa die beiden niederländischen Schnellade-Spezialisten Fastned (Foto) oder das von Shell übernommene Unternehmen The New Motion. Sie dürften bald Konkurrenz aus den USA bekommen ...

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... denn der größte amerikanische Lade-Anbieter ChargePoint will nach Europa expandieren. Daimler und BMW haben in ChargePoint investiert. Vor kurzem wechselte ein hochrangiger Uber-Manager als Europa-Chef zu ChargePoint. Die Amerikaner bauen nicht selbst Ladesäulen, sondern beraten Betreiber bei der Errichung und bieten ein einheitliches Abrechnungssystem an.

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Klar ist: Der Kuchen im Bereich Stromladesäulen ist eher kleiner als der für klassische Tankstellen, weil auch viele Kunden zu Hause laden können. Und um den engen Markt kämpfen immer mehr Spieler. Konzerne wie Shell werden Vollgas geben müssen, um ihre derzeitige Stellung im Geschäft mit der Mobilität auch nur ansatzweise halten zu können.

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