E-Gas statt Strom Besuch auf Audis Geheimbaustelle in der Provinz

Audi hat seine Elektroautopläne weitgehend begraben - und stampft stattdessen eine Fabrik für einen wundersamen Treibstoff namens E-Gas aus dem Boden. Wir haben die streng bewachte Baustelle besucht - und am Ende sogar noch etwas Starkstrom für unseren Tesla bekommen.
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Ankunft in Werlte, Niedersachsen. Hier konstruiert die Firma Solar Fuel für Audi eine revolutionäre Fabrik. Aus Wasser, Kohlendioxid und Strom soll ein Treibstoff namens E-Gas entstehen. Das ist im Grunde nichts anderes als Methan, das in Motoren von Erdgasfahrzeugen verfeuert werden kann. Doch der Herstellungsprozess hat es in sich. Im Hintergrund rechts zu erahnen ist die Halle, in der zunächst drei Elektrolyseure Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegen. Der dafür benötigte Strom kommt aus dem Netz, Audi will jedoch Ökostrom kaufen und sich an Windparks beteiligen.

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Der Wasserstoff wird in einem Tank gespeichert. Darin hat die Produktionsmenge von etwa einer Stunde Platz, sagt Solar-Fuel-Vertriebsleiter Stefan Rieke. Im Turm dahinter ist die Methanisierungsanlage untergebracht, in die der Wasserstoff weitergeleitet wird. Das Endprodukt Methan speist die Fabrik ins Gasnetz ein, über das es an die Tankstellen gelangt. Die Konstrukteure bauen normalerweise deutlich größere Methanisierungsanlagen dieser Art für die Chemische Industrie, die allerdings außer mit Wasserstoff mit Kohlenmonoxid gefüttert werden.

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Bei Audi übernimmt Kohlendioxid diese Funktion, und zwar nach einem mehr als 100 Jahre alten Verfahren, das beinahe in Vergessenheit geraten wäre. In dieser Anlage wird das Kohlendioxid aus Abgasen herausgewaschen …

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… die aus dieser Biogasanlage gleich nebenan stammen.

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Über diese Rohre gelangen die Gase in die Waschanlage, von der das Kohlendioxid in die Methaniserungsanlage (Bild 2) strömt.

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Aber rechnet sich dieses aufwändige Verfahren? Kommt drauf an, sagt Solar-Fuel-Mann Rieke. Und zwar darauf, wie teuer der Strom ist, der für den Prozess benötigt wird. Noch ist die Elektrizität mit zahlreichen Abgaben belegt, nicht zuletzt mit der Erneuerbare-Energien-Abgabe. Paradox findet das Rieke. Die Anlage soll das Problem schwankender Stromeinspeisungen lösen, indem sie bedarfsgerecht Strom verbraucht - ähnlich wie wie Pumpspeicherkraftwerk. Doch wegen der Abgaben ist die Sache nicht wirtschaftlich. Zwei Millionen Euro kostet die Gasproduktion im Jahr; eine Million lässt sich erwirtschaften - deshalb ist die Methanisierungsanlage zunächst nur ein Vorzeigeprojekt, mit dem Audi Erfahrungen sammeln will. Im Sommer soll Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) die Anlage eröffnen, ob er gleich ein paar Steuererleichterungen mit im Gepäck hat?

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Kraftstoff gibt es jedoch schon heute in Werlte: Strom. Wir dürfen uns mit dem Tesla an die Starkstromdose klemmen. Danke, Audi!

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Während wir in einem nahe gelegenen Restaurant zu Abend essen, saugt das Auto den Saft für die letzten 70 Kilometer des Tages nach Wildeshausen. Merke: Die Ladeinfrastruktur ist da, man muss nur wissen, wo.

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