Fahrradmarkt wächst dank Stromschub Diese Firmen treiben den E-Bike-Boom

Der Trend zu E-Bikes bringt das Fahrradgeschäft auf Touren. Noch ist der mittelständisch geprägte Markt zersplittert. Hier sind die wichtigsten Player in Deutschland.
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Der deutsche Fahrradmarkt wächst und schrumpft zugleich: 7 Prozent mehr Umsatz, aber 7 Prozent weniger Absatz. Das liegt am Wechsel zu teureren E-Bikes. 2016 stieg deren Absatz um 13 Prozent auf 605.000 Stück. Im Schnitt kostet ein Rad mit elektrischem Hilfsmotor mehr als 3000 Euro - zehnmal so viel wie herkömmliche Discountware. Plötzlich wird die margenschwache, vom harten Wettbewerb vieler kleiner Anbieter geprägte Branche attraktiv. Zu 99 Prozent handelt es sich bei den neuen E-Bikes um Pedelecs, bei denen ein Elektroantrieb die Pedalkraft bis 25 km/h verstärkt.

Foto: Bosch
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Nach eigenen Angaben deutscher Marktführer ist Derby Cycle aus Cloppenburg mit Marken wie Kalkhoff oder Raleigh und mehr als 100.000 verkauften E-Bikes pro Jahr. Die vom früheren Volkswagen-Niederlande-Chef Janco van der Heiden geführte Firma gehört zum niederländischen Mischkonzern Pon.

Foto: Kalkhoff
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Kurzzeitig verhandelte Pon im April über eine Übernahme der ebenfalls niederländischen Accell Group, die sich wiederum europäischer Marktführer nennt und auf einen Milliardenumsatz nur mit Fahrrädern (1,5 Millionen Stück) kommt. 2016 verkaufte Accell erstmals mehr E-Bikes als andere Fahrräder. Deutschland ist mit einem Viertel des Geschäfts der größte Einzelmarkt des börsennotierten Unternehmens. Die Schweinfurter Marke Winora bildet hier den Kern, auch Staiger gehört dazu. Im März zog sich Geschäftsführerin Susanne Puello aus dem früheren Familienbetrieb zurück.

Foto: Winora
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Ein Umsatzplus von 17 Prozent in Deutschland führt Accell vor allem auf Elektro-Mountainbikes der Marke Haibike zurück, für die 2016 ein Designzentrum in München errichtet wurde. Bis zu 15.000 Euro teure Modelle wie dieses Carbon-Rad mit integriertem Bordcomputer bilden die Spitze des Segments. Die Alpen werden für den Fahrradhandel nun ebenso interessant wie die norddeutsche Tiefebene.

Foto: Haibike
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In Oldenburg sitzt die Cycle Union, die hier in den Hallen der Traditionsmarke Rabeneick höherwertige Räder produziert. Für E-Bikes wurde 2015 die eigene Marke E-Bike-Manufaktur gegründet - um den Muskelkraft-Puristen die Marke VSF Fahrradmanufaktur ohne Motor zu lassen.

Foto: E-Bike-Manufaktur
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Die Cycle Union wiederum gehört zur ebenfalls im E-Bike-Geschäft aktiven Massenmarke Prophete aus dem westfälischen Rheda-Wiedenbrück. Das Familienunternehmen sieht sich als "Innovationsführer in den Bereichen SB-Warenhäuser und Online-Handel".

Foto: Prophete
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Auch für Discounter bietet das Unternehmen eigene E-Bikes wie beispielsweise unter der Marke Alu-Rex an. Die gehören ebenfalls zu den Topsellern. Genaue Zahlen veröffentlichen die wenigsten Hersteller. Auch Industrieverbände und Händler halten sich bedeckt, weshalb ein definitives Absatzranking nicht möglich ist.

Foto: Lidl / Rex
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Zu den Top 5 des deutschen E-Bike-Markts zählt der Herstellerverband ZIV auch die Diamant Fahrradwerke aus dem Chemnitzer Vorort Hartmannsdorf. Der Traditionshersteller gehört zum US-Fahrradriesen Trek, der 1976 in einem Schuppen in Wisconsin startete und mit Milliardenumsatz heute noch in Familienbesitz ist. Der Anspruch heißt "Silicon Valley für hochwertige, maßgefertigte Fahrräder". In der Heimat setzt die durch Sportstars wie Lance Armstrong oder Greg LeMond bekannt gewordene Firma kaum Elektromotoren ein.

Foto: Trek
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Komplettiert werden die Top 5 durch den mehr auf Sporträder fokussierten Hersteller Cube. Der gehört zum Familienunternehmen Pending aus dem bayerischen Ort Waldershof, das vor allem für Bürostühle bekannt ist. Die fünf Größten beherrschen keineswegs den Markt. Mehr als 160 Anbieter von E-Bikes tummeln sich derzeit in Deutschland.

Foto: Cube
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Nicht allen bringt das E-Bike-Geschäft den erhofften Erfolg. Die Mifa in Sangerhausen, die einst für die halbe Fahrradproduktion der DDR sorgte, ist seit Anfang 2017 insolvent - nicht zum ersten Mal. Das Geschäftsmodell der Massenproduktion auch für fremde Marken erweist sich als schwierig. Nun ist ein Investor im Gespräch, der allerdings das erst 2016 eröffnete moderne Werk für zu teuer hält.

Foto: Jan Woitas/ dpa
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Zu den wichtigen Playern zählt die Kölner ZEG, eine Einkaufsgenossenschaft der unabhängigen Fahrradhändler - die weit mehr macht, als nur billig Räder einzukaufen. Mit der Eurorad Deutschland bietet die ZEG Fahrrad-Leasing an - das zielt vor allem auf das wachsende Firmenkundengeschäft mit Diensträdern. Und die ZEG versorgt die Händler auch mit Eigenmarken wie Prophete oder Bulls - letztere ist auch eine große Nummer auf dem E-Bike-Markt.

Foto: Bulls
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Die ZEG schickte Wendelin Wiedeking als Leiter ihres Qualitätsrats in Deutschlands Fahrradimportland Nummer eins Kambodscha, um die dortige Auftragsproduktion zu zertifizieren. Damit spielt der Ex-Porsche-Chef eine größere Rolle in dem Wachstumsmarkt als die Autokonzerne, die auch alle eigene E-Bikes angefertigt haben - oft nur als teure Designstudien.

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS
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Aus dem mittelständischen Fahrradfachhandel stammt auch die Marke Rose. Allerdings versucht sich damit ein einzelner Familienbetrieb im Alleingang. Aus dem nach eigenen Angaben einst "kleinsten Fahrradladen Bocholts" im Westmünsterland stammt auch das von manager-magazin.de getestete Elektro-Mountainbike Elec Tec, ein "Trailrocker auf Strom".

Foto: Rose Bikes
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E-Mountainbikes machen 15 Prozent der in Deutschland verkauften E-Bikes aus. In der Nische dominieren Spezialisten wie die österreichische KTM, die aus der Insolvenz des gleichnamigen Motorradherstellers übrig blieb. KTM ist bis heute in Familienbesitz und liefert auch viel nach Asien.

Foto: KTM
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Noch spitzer ist die Zielgruppe für E-Lastenräder (2,5 Prozent), die von Familien ebenso wie von Kurierdiensten genutzt werden. Auch hier sind Spezialisten gefragt, wie Riese & Müller, ein südhessisches Garagen-Start-up von Ingenieuren der TU Darmstadt. Was 1993 mit dem Hessischen Innovationspreis begann, dient jetzt dem erklärten Ziel, "die Marktführerschaft im Wachstumsmarkt von Premium-E-Bikes und Falträder zu übernehmen".

Foto: Riese & Müller
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Unabhängig von der Form der Räder profitieren die Komponentenhersteller vom E-Bike-Boom. Vor allem Bosch liefert Elektromotoren, Akkus und auch Bordcomputer. Eigene Zahlen weist der 2009 als internes Start-up begonnene Produktbereich Bosch Ebike Systems nicht aus. Im Geschäftsbericht des Konzerns wird aber das "starke Wachstum" der Sparte hervorgehoben, die "inzwischen weltweit eine führende Rolle" einnehme. Die Bosch-Mittelmotoren werden von den meisten deutschen Herstellern verwendet.

Foto: Bosch
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Kaum präsent sind auf dem deutschen Markt bisher die chinesischen Hersteller. In China selbst jedoch soll inzwischen jedes zweite verkaufte Fahrrad ein E-Bike sein. Laut dem E-Bike-Marktberater Edward Benjamin sind das 30 Millionen Stück - von 34 Millionen weltweit. Eine weitere Million E-Bikes kauften die Inder (ebenfalls meist von eigenen Herstellern). Der drittgrößte Markt wäre demnach Deutschland.

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP
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Allein in der Industriestadt Shenzhen am Rand Hongkongs verkauften die chinesischen Hersteller zuletzt mehrere Millionen E-Bikes pro Jahr, auch an Sharing-Dienste. Nach chinesischer Definition fallen darunter allerdings auch schnelle Elektroroller und verschiedene Mischformen. Deren Nutzung wurde 2016 von der Stadtverwaltung stark eingeschränkt, unter anderem wegen Sicherheitsbedenken. Die anderen Standards sind ein wichtiges Hindernis für chinesische Hersteller, den westlichen Markt zu erobern.

Foto: picture alliance