Vom Fahrradhersteller zur VW-Renditeperle Die wechselvolle Historie der Automarke Skoda

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Im tschechischen Mlada Boleslav feiern sie in diesem Jahr nicht nur den 121. Geburtstag der Marke Skoda, die Mitarbeiter der VW-Tochter sind auch auf eine andere Zahl stolz: Im ersten Halbjahr 2016 schaffte Skoda eine Ebit-Marge von 9,6 Prozent. Damit liegt Skoda sogar vor BMW (9,5%), der Premium-Konzernschwester Audi (8,0%) und Mercedes (6,7%).

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Dabei war Skoda vor 25 Jahren, als VW die Marke übernahm, nach jahrzehntelanger Planwirtschaft nicht in Top-Form: Die Fabriken und Fahrzeugarchitekturen waren veraltet, das Design wenig ansprechend, die Qualität oft niedrig. Dennoch galt Skoda schon damals als Ostblock-Automarke mit großem Potenzial. Warum, verrät ein Blick in die wechselvolle Historie der Marke Skoda ...

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... 1895 gründeten zwei begeisterte Fahrradfahrer, der gelernte Buchhändler Václav Klement (links) und der Maschinenschlosser Václav Laurin (rechts), das Unternehmen Laurin & Klement (L&K). Unter dem Namen Slavia produzierten sie Fahrräder nach eigenen Designvorstellungen. Diese waren so gefragt, dass L&K bereits 1899 der größte Fahrradhersteller Tschechiens waren ...

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... im Jahr 1898 startete das expandierende Unternehmen die Produktion von Fahrrädern mit Hilfsmotor. Bald stellte L&K auch echte Motorräder her, die bei Wettbewerben sehr erfolgreich waren. Im Jahr 1905 baute L&K bereits 19 verschiedene Motorräder und plante bereits die Produktion eines vierrädrigen Fahrzeugs ...

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... das "Voiturette A" genannte Automobil von L&K wurde ab 1905 gebaut. Sein Motor leistete mit 1005 ccm Hubraum ganze sieben PS. L&K gab auch bei Automobilen kräftig Gas: Schon zwei Jahre später hatte das Unternehmen neun verschiedene Modelle im Angebot, vom kleinen Zweizylinder-PKW über einen Rennwagen mit vier Zylindern bis hin zu Transportern und Omnibussen ...

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... um das Unternehmen nach Ende des Ersten Weltkriegs zu stärken, schlossen Laurin und Klement ihr Unternehmen 1925 mit den Maschinenbaukonzern Škoda in Pilsen zusammen. Skoda engagierte sich weiterhin im Motorsport. Das Modell Popular (im Bild) kam nicht nur erstmals auf mehr als 5000 gebaute Fahrzeuge einer Modellreihe. Es fuhr auch bei zahlreichen Rallyes ganz vorne mit. Skoda führte damals auch die Modelle Rapid, Favorit und Superb ein – mit modernem Zentralrohrrahmen ...

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... nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Skoda von den Kommunisten verstaatlicht. Die Erfolge der Vergangenheit und die traditionellen Produktionsprozesse halfen Skoda, mehrere Jahrzehnte lang einen vergleichsweise guten Standard zu halten. Im Jahr 1952 stellte Skoda etwa den ersten Pkw mit fortschrittlicher Ponton-Karosserie vor: Den Skoda 1200 , den es auch als Lieferwagen gab ...

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... im Jahr 1959 stellte Skoda erstmals sein Modell Octavia vor - mit Einzelradaufhängung an der Vorderachse. Der Modellname leitet sich übrigens aus dem lateinischen Wort für die Zahl Acht ab. Denn Skoda zählte den Octavia als achtes Modell jener Konstruktionsreihe, die 1934 mit dem ersten Popular begann.

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Auch eine Cabrio-Variante des Octavia mit dem schönen Modellnamen Felicia gab es in den 1950er-Jahren. Und eine besonders sportliche Variante namens Octavia TS, die serienmäßig 55 PS hatte und bei Rallyes viele Erfolge erzielte.

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Beim Nachfolger des Octavia, dem 1964 eingeführten Skoda 1000 MB, stellte Skoda auf Heckmotor um. Erstmals hatte das Auto eine selbsttragende Stahlkarosserie, der aus Aluminium gegossene 1-Liter-Motor beschleunigte das Auto auf 120 km/h. Laut Skoda kam das Auto auch im Ausland sehr gut an – insgesamt wurden 440.000 Autos der MB-Baureihe produziert.

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Dem Heckmotor-Konzept blieb Skoda danach fast drei Jahrzehnte lang treu. Der Nachfolger des 1000 MB, der Skoda 100, wurde bis zum sportlichen 130 RS weiterentwickelt. Dieses Skoda-Geschoß siegte 1977 in seiner Klasse bei der Rallye Monte Carlo. Das 220 km/h schnelle Fahrzeug bekam deshalb auch den Spitznamen „Porsche des Ostens“.

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Allerdings baute Skoda ab Anfang der 1970er bis Ende der 1980er großteils Varianten des Skoda 100, dessen Technik in großen Teilen vom Vorgängermodell stammte. Technisch waren die Autos längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Das änderte sich erst 1987, als Skoda den Favorit (im Bild) in Serie baute – einen Kompaktwagen mit Frontantrieb, variablem Innenraum und großer Heckklappe. Das Design des Autos stammt übrigens vom italienischen Autogestalter Bertone.

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Im Jahr 1989 fand der Kommunismus auch in der Tschechoslowakei sein Ende. Skoda ging auf die Suche nach einem ausländischen Partner. 1990 entschied sich die tschechische Regierung für den Volkswagen-Konzern - auch Renault und BMW buhlten damals übrigens um Skoda. Erstes Auto unter Volkswagen-Ägide war der ab 1994 gefertigte Felicia (im Bild).

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Ab 1996 rollte dann das Mittelklasse-Modell Octavia von den komplett erneuerten Bändern in Mlada Boleslav - und der VW-Konzern ging daran, die Marke Skoda international zu vermarkten. Die Wolfsburger positionierten Skoda als günstigere Einstiegsmarke mit viel VW-Technik. Und gerade beim Octavia verfing dies. Doch die Tschechen ...

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... setzten viele eigene Akzente: Mit praktischen Lösungen wie etwa dem berühmten Eiskratzer im Tankdeckel oder Schirmhaltern in den Türen. Knapp nach der Jahrtausendwende, im Jahr 2001, fuhr Skoda mit der Baureihe Superb Richtung gehobene Mittelklasse. Als Grundlage diente eine VW-Passat-Plattform, derzeit wird der Wagen in dritter Generation gebaut.

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Im Jahr 2006 wagte sich Skoda mit dem Hochdachkombi Roomster in ein neues Segment vor. Erstmals durften die Tschechen dabei Teile von zwei Plattformen vermischen – nämlich jener des Skoda Octavia und des Kleinwagens Fabia. Seit April 2015 wird der Roomster nicht mehr produziert.

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Jüngste Baureihe ist der seit 2012 produzierte Mittelklasse-Wagen Rapid, bei dem die Tschechen erneut verschiedene Plattformsegmente aus dem VW-Konzern mischen konnten. Mit 4,3 Metern Länge schließt die Lücke zwischen dem gerade mal 4 Meter langen Fabia und dem 4,6 Meter langen Octavia.

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Im Jahr 2014 hatten die Skoda-Mitarbeiter schon einmal eine runde Zahl zu feiern: In diesem Jahr produzierte Skoda erstmals eine Million Autos in einem Jahr. Das gelang Skoda auch 2015 - auch wenn es geringfügig weniger waren als noch im Jahr zuvor. Größter Einzelmarkt der Marke ist China, wo mehr als ein Viertel aller weltweit produzierten Skoda-Modelle verkauft werden. Weiter zulegen ...

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... will Skoda mit seinem ersten SUV, dem Kodiaq. Den 7-Sitzer auf Basis des VW Tiguan stellt Skoda am 1. September vor, ab Anfang 2017 soll er bei den Händlern stehen. Der Wirtschaftlichkeits-Trick der Tschechen: Niedrige Fertigungskosten, gepaart mit niedrigen Entwicklungskosten dank Zugriff auf VW-Konzernentwicklungen. Damit - und mit cleveren eigenen Ideen - hat sich die tschechische Traditionsmarke vom muffeligen Ostblock-Auto zur Renditeperle im VW-Reich gemausert.

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