Von Telekom bis Osram Die größten deutschen Börsengänge

Die Abspaltung von Osram ist der größte deutsche Börsengang seit zwölf Jahren. Manche Emissionen in jüngerer Zeit brachten den Aktionären einen satten Gewinn, andere wurden ein Reinfall. Ein Überblick.
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An diesem Montag enthält der Deutsche Leitindex Osram als 31. Aktie. Das soll die Kontinuität sichern, denn die Anteilsscheine des von Siemens abgespaltenen Leuchtenherstellers werden jedem Siemens-Aktionär ins Portfolio gelegt. Mit der Erstnotiz von 24 Euro war Osram 2,5 Milliarden Euro wert - die größte Aktienemission in Deutschland seit mehr als zwölf Jahren. Allerdings verzichtete Siemens durch die Methode des Spin-off völlig auf einen Erlös - entgegen früherer Börsenpläne, die fünf Milliarden Euro oder mehr hätten bringen sollen. In den Vorwochen scheiterten zwei Großemissionen:

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Der britische Finanzinvestor Terra Firma sagte Anfang Juli kurzfristig den Börsengang der Deutschen Annington ab. Obwohl das vor allem aus Eisenbahnerwohungsbaugesellschaften sowie den Werkswohnungen von RWE und Eon gebildete Unternehmen als größtes Wohnungsunternehmen im Land ein Kandidat für den Dax gewesen wäre, kam der erhoffte Milliardenerlös nicht zustande. Eine Woche später ging es in abgespeckter Version doch: Am 11. Juli ging ein kleiner Anteil der Annington für 575 Millionen Euro an die Börse, die Erstnotiz immerhin lag mit 17,10 Euro leicht über dem auf 16,50 Euro reduzierten Ausgabepreis.
Die Finanzinvestoren EQT und GIC freuten sich dagegen im Juni, Springer Science nicht an die Börse bringen zu müssen. Stattdessen verkauften sie den Fachverlag für 3,3 Milliarden Euro an BC Partners, wiederum einen Finanzinvestor. Trotz der Absagen ist 2013 ein starkes Börsengangsjahr:

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Am 28. Juni durfte Kion-Chef Gordon Riske den Handel an der Frankfurter Börse eröffnen. Die Emission des Gabelstaplerherstellers, der einst zum Dax-Konzern Linde gehörte, brachte mit 732 Millionen Euro aber weniger als erhofft. In der ersten Handelswoche verlor die Kion-Aktie etwa 1,6 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 24 Euro an Wert (Stand: 8. Juli 2013, 9 Uhr). Besser lief es für ...

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RTL: Der Fernsehsender, zuvor bereits in Luxemburg notiert, ging am 30. April auch aufs Frankfurter Parkett. Der Mutterkonzern Bertelsmann nahm 1,4 Milliarden Euro ein und behält drei Viertel der dividendenstarken Anteile. Seit der Emission für 55,50 Euro legte die RTL-Aktie um 14,6 Prozent zu. Sie ist mit großem Abstand der wertvollste Titel im Kleinwerteindex SDax - für die Aufnahme in den Mittelwerteindex MDax kam der Börsengang zu spät, ebenso wie für ...

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Evonik. Der Essener Konzern wurde am 25. April erstmals an der Börse notiert, aber ohne öffentliches Angebot. Die Haupteigner RAG-Stiftung und CVC hatten im vierten Versuch eines Börsengangs 14,5 Prozent der Evonik-Anteile für 2,2 Milliarden Euro vor allem an institutionelle Investoren verkauft. Dank der Börsennotierung haben sie nun aber die Option, jederzeit Aktien zu verkaufen. Aktuell sind die jedoch gegenüber dem Platzierungspreis von 32,20 Euro um 22,2 Prozent gefallen. Dennoch könnte die ehemalige Ruhrkohle AG, die heute im Wesentlichen aus dem Spezialchemiekonzern Degussa besteht, langfristig in den Dax aufsteigen. Degussa selbst war schon einmal in dem Index.

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LEG Immobilien schaffte am 1. Februar den ersten großen Börsengang des Jahres. Goldman Sachs brachte die ehemalige Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalens für 1,3 Milliarden Euro in den Handel. Im Juni wurde die Aktie als fünfter Wohnungswert in den MDax aufgenommen. Zuletzt notierte sie aber 10,4 Prozent unter dem Emissionspreis von 44 Euro.

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Dem spanischen Telefonkonzern Telefónica war die deutsche Mobilfunkbeteiligung O2 (offiziell Telefónica Deutschland Holding) im Oktober 2012 ein willkommenes Vehikel zum Schuldenabbau. 23 Prozent der O2-Aktien gingen für 1,45 Milliarden Euro an die Börse. Zuletzt notierten sie 6,6 Prozent unter dem Ausgabepreis von 5,60 Euro. Im Oktober 2012 gab es noch zwei weitere bemerkenswerte Börsengänge, mit ganz anderem Ergebnis:

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Hess war zwar mit 43 Millionen Euro Erlös eine eher kleine Emission, setzte aber dennoch Zeichen: Nach Berichten über Bilanzmanipulation beantragte das badische Unternehmen im Februar Insolvenz, keine vier Monate nach dem Börsenstart. Das Aus für die Notierung ist beantragt. Für die Anleger war das Investment mit minus 99 Prozent beinahe ein Totalausfall. Dass Hess wie Osram im Leuchtengeschäft unterwegs ist, soll die neuen Aktionäre aber nicht beunruhigen.

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Ebenfalls im Oktober kam der Hannoveraner Versicherungskonzern Talanx an die Börse - als große Überraschung. Talanx-Chef Herbert Haas hatte allein 2012 zweimal einen Börsengang angekündigt und wieder zurückgezogen, ganz zu schweigen von den ewigen On-Off-Börsenplänen seit den 90er Jahren. Nun ist Talanx im MDax, an der Seite der Konzerntochter Hannover Rück. Der HDI-Versicherungsverein der deutschen Industrie behält vorerst 82 Prozent der Talanx-Aktien, eine Aktienminderheit von 11,2 Prozent ging für eine halbe Milliarde Euro an die Börse. Deren Kurs entwickelte sich gut: plus 24,7 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 18,30 Euro.

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Der größte Börsengang 2011 war der von GSW Immobilien im April. Die Beteiligungsfonds Cerberus und Whitehall, die das kommunale Wohnungsunternehmen von der Stadt Berlin gekauft hatten, nahmen knapp 500 Millionen Euro ein (19 Euro je Aktie). Seitdem haben die Titel 58 Prozent an Wert gewonnen. Bereits 2010 war ein Börsengang geplant, wurde aber wegen der niedrigen Nachfrage abgesagt. Dabei war 2010 international ein Rekordjahr: Der US-Staat brachte den von der Pleite geretteten Autohersteller General Motors im November für den Rekordbetrag von 17 Milliarden Euro an die Börse, bereits im September erhöhte der brasilianische Ölkonzern Petrobras sein Kapital um 52 Milliarden Euro - die größte Aktienemission der Geschichte. Auch in Deutschland kamen mehrere große Deals zustande ...

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Ende März 2010 brachte der Finanzinvestor BC Partners den Chemiekalienhändler Brenntag (Brennstoff-, Chemikalien- und Transport-AG) für 750 Millionen Euro an die Börse. Seitdem freuen sich die Erstzeichner, die 50 Euro für eine Aktie zahlten, über ein Kursplus von 140 Prozent. Zudem hat Brenntag im MDax derzeit die besten Aussichten, in den Leitindex Dax aufzusteigen. Damit ist das fast der erfolgreichste Börsengang 2010 - aber nur fast ...

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Nur eine Woche zuvor - zwischenzeitlich kam übrigens auch Tom Tailor aufs Parkett - ging Kabel Deutschland für 760 Millionen Euro oder 22 Euro je Aktie an die Börse. Der Kabelnetzbetreiber ist heute 281 Prozent mehr Wert. Die Erstzeichner könnten ihren Einsatz sogar nahezu vervierfachen, wenn sie dem Übernahmeangebot des Mobilfunkers Vodafone zustimmen: Der bietet 87 Euro je Aktie, insgesamt zehn Milliarden Euro. Kabel Deutschland war im März 2010 der Eisbrecher. Wegen der Finanzkrise muss man für frühere große Börsengänge schon bis ins Jahr 2007 zurückblicken.

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Die Stadt Hamburg verkaufte im November 2007 30 Prozent der Anteile an ihrem Hafenbetreiber HHLA. Die damit eingenommene "Hafenmilliarde" für Investitionen in die Infrastruktur ist bald aufgebraucht. Heute allerdings ist der Börsenwert des gesamten Unternehmens geringer als der damalige Erlös, vom Ausgabepreis von 53 Euro ging es um 68 Prozent abwärts. Im Juni stieg die HHLA in den Kleinwerteindex SDax ab, um im MDax Platz für Börsenneuling LEG zu machen. Ganz vom Kurszettel verschwunden ist ein anderer Emittent des Jahrgangs 2007:

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Der Motorenhersteller Tognum wurde zwischenzeitlich von Daimler und Rolls-Royce übernommen. Der Unternehmenskern um MTU Friedrichshafen hatte bereits bis 2005 zum Daimler-Konzern gehört, im Juli 2007 begann mit der Zwei-Milliarden-Euro-Emission (Ausgabepreis 24 Euro) also ein kurzes Börsenintermezzo. Wer im Sommer 2011 das Übernahmeangebot von 26 Euro annahm, machte einen Kursgewinn von 8,3 Prozent. Besser schnitten die Minderheitsaktionäre ab, die bis März 2013 ausharrten. Sie erstritten eine Abfindung von 31,61 Euro - plus 31,7 Prozent gegenüber dem Ausgabekurs. Für noch größere Börsengänge muss man noch weiter zurückblicken ...

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In der Spätphase des Börsenhypes um die "New Economy" begann der Bund im November 2000 die Privatisierung der Deutschen Post. Ein erster Schub von 31,2 Prozent der "Aktie Gelb" wurde für 6,6 Milliarden Euro verkauft, seitdem brachte die Staatsbank KfW immer wieder kleinere Aktienpakete an die Börse (zuletzt im September 2012 einen 5-Prozent-Anteil für 925 Millionen Euro). Heute ist der Kurs nach zwischenzeitlicher Schwäche nur noch 8 Prozent unter dem ersten Ausgabepreis von 21 Euro. Damit erweist sich die Post als vergleichsweise wertstabil:

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa
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Wer wie Millionen anderer Kleinanleger an den drei Börsengängen der Deutschen Telekom zwischen 1996 und 2000 teilnahm, verlor sehr wahrscheinlich die Lust auf Aktien. Gut fuhren noch die, denen der damalige Konzernchef Ron Sommer im November 1996 "T-Aktien" für 28,50 Mark anbot, für deutsche Privatanleger mit Nachlass auf 28 Mark (14,32 Euro). Sie verloren bis heute 38 Prozent ihres Investments, bekamen im Gegenzug aber satte Dividenden - wenn sie nicht zu Höchstkursen von bis zu 100 Euro verkauften. Für die Anleger der dritten Tranche im Juni 2000 war diese Chance bereits vorbei. Sie durften für 66,50 Euro zeichnen, wovon sie bis heute 86,7 Prozent abschreiben mussten. Jede der drei Emissionen brachte dem Bund mehr als zehn Milliarden Euro, die letzte 13,3 Milliarden. Das ist der bis heute gültige Rekord für deutsche Börsengänge.

Foto: BERND KAMMERER/ ASSOCIATED PRESS
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